Amerikaner stellen die Ernährungspyramide auf den Kopf – mehr Fleisch und Fett, weniger Brot
Die Trump-Regierung ändert die Ernährungspyramide: Fleisch und Fett steigen auf, Brot verliert an Bedeutung. Herzexperten warnen.
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. stellte neue Ernährungsempfehlungen vor, die festlegen, was künftig in Schulen, Krankenhäusern, Gefängnissen, Militärbasen und staatlichen Hilfsprogrammen serviert wird. © Wikimedia
Lange galt die Devise als unumstößlich: wenig Fett, wenig rotes Fleisch, dafür viel Vollkorn. Dieses Leitbild gerät nun ins Wanken. In den USA richten sich die staatlichen Ernährungsempfehlungen neu aus. Eiweiß, tierische Produkte und Fett gewinnen an Gewicht. Selbst Butter und Rindertalg gelten wieder als akzeptabel. Vollkorn spielt nur noch eine Nebenrolle. Die Ernährungspyramide der USA betrifft dabei weit mehr als private Essgewohnheiten. Sie legt fest, was in Schulen, Krankenhäusern, Militärbasen und staatlichen Hilfsprogrammen auf den Teller kommt.
Der Kurswechsel richtet sich weniger auf eine Aufwertung von Fleisch als auf eine Abkehr von Fertigessen. Ziel ist es, stark verarbeitete Produkte zurückzudrängen. Eine große wissenschaftliche Übersichtsarbeit, auf die sich die neuen Leitlinien stützen, verbindet ihren hohen Konsum mit erhöhten Risiken für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Depressionen und Demenz.
Was sich an der Ernährungspyramide in den USA konkret ändert
Die neue Ordnung stellt die bisherige Pyramide auf den Kopf. Proteinquellen rücken nach oben, Brot und Getreide verlieren an Gewicht. Besonders deutlich wird das bei der Eiweißempfehlung. Erwachsene sollen künftig 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen. Das sind 50 bis 100 Prozent mehr als bisher empfohlen.
Für eine Person mit 70 Kilogramm Körpergewicht entspricht das einem Tageswert von bis zu 112 Gramm Protein. Diese Menge liegt über dem Bedarf vieler Menschen. Fachleute halten sie vor allem bei Krafttraining oder während einer Gewichtsabnahme für sinnvoll, nicht jedoch pauschal für die gesamte Bevölkerung.
Genannt werden Proteinquellen aus Fleisch, Geflügel, Fisch, Eiern und Milchprodukten. Auch Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Soja gehören dazu. Eine klare Priorisierung pflanzlicher Proteine bleibt jedoch aus, obwohl sie mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem früheren Tod verbunden sind.

Fett bleibt begrenzt – und wird zugleich aufgewertet
Beim Fett schlagen die neuen Empfehlungen einen doppelten Weg ein. Die bisherige Obergrenze bleibt bestehen: Maximal zehn Prozent der täglichen Kalorien sollen aus gesättigten Fettsäuren stammen. Gleichzeitig wertet die neue Ernährungspyramide der USA jene Lebensmittel auf, die genau diese Fette in größerer Menge enthalten.
Genannt werden rotes Fleisch, Vollfett-Milchprodukte, Butter und Rindertalg. Schon ein Rib-Eye-Steak von etwa 225 Gramm kann ausreichen, um den empfohlenen Tageswert für gesättigte Fette zu erreichen. Dieser Gegensatz zieht sich durch das gesamte Dokument. Die Empfehlungen lösen sich damit von früheren Warnungen, ohne dafür neue wissenschaftliche Maßstäbe zu setzen.
Zucker und Fertigessen verlieren an Bedeutung
Deutlich strenger als früher fallen die Empfehlungen beim Zucker aus. Zuckerhaltige Getränke sollen gemieden werden. Kinder sollen bis zum zehnten Lebensjahr keinen zugesetzten Zucker zu sich nehmen. Zuvor lag diese Grenze bei zwei Jahren. Natürlicher Zucker aus Obst und Milch gilt weiterhin als unproblematisch.
Auch stark verarbeitete Kohlenhydrate werden klar benannt. Weißbrot, helle Tortillas und Cracker sollen deutlich seltener auf dem Speiseplan stehen. Produkte mit künstlichen Aromen, Konservierungsstoffen, Farbstoffen, Süßstoffen sowie hohem Zucker- oder Salzgehalt gelten als besonders ungünstig.
Erstaunlich unkonkret: neue Regeln für Alkohol
Beim Alkohol bleiben die neuen Empfehlungen auffallend unkonkret. Statt fester Grenzwerte heißt es lediglich, weniger zu trinken. Frühere Leitlinien hatten noch klare Mengen genannt, etwa maximal zwei Getränke pro Tag für Männer und eines für Frauen. Diese Zahlen fehlen nun. Damit bleibt offen, wie moderater Alkoholkonsum definiert werden soll und welche Rolle Alkohol künftig in der Ernährungsempfehlung spielt.
Kontroverser Kurs von RFK Jr.: neue Leitlinien, neues Expertenteam
Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. stellte die Neuausrichtung als grundsätzliche Entscheidung vor. „Meine Botschaft ist klar: Esst echte Lebensmittel“, sagte er bei der Präsentation der Leitlinien, laut New York Times. Gemeint sind Produkte ohne lange Zutatenlisten, ohne Zusatzstoffe und ohne industrielle Verarbeitung.
Empfehlungen eines wissenschaftlichen Beratungsgremiums aus der vorherigen Regierung spielten bei der Ausarbeitung keine große Rolle. Kennedy setzte stattdessen auf eine neu zusammengestellte Expertengruppe, die ihre Arbeit über mehrere Monate nicht öffentlich machte, schreibt die New York Times.
Von den zehn beteiligten Experten gaben fünf finanzielle Beziehungen zur Fleisch-, Milch- oder Lebensmittelindustrie an. Kennedy hatte frühere Leitlinien zuvor als von Industrieinteressen beeinflusst kritisiert.
Herzexperten reagieren mit Zurückhaltung
Die American Heart Association unterstützt die neuen Empfehlungen nur eingeschränkt. In einer Stellungnahme warnte sie davor, dass die Neuausrichtung dazu führen könne, zu viel gesättigtes Fett und zu viel Natrium aufzunehmen. Beides gilt weiterhin als klarer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Fachgesellschaft erinnert daran, dass gesättigte Fette den Cholesterinspiegel erhöhen und das Risiko für Herzinfarkte steigern. Positiv bewertet sie lediglich, dass die Grenzwerte für Salz nicht angehoben wurden und weiterhin vor stark salzhaltigen, verarbeiteten Produkten gewarnt wird.
Kurz zusammengefasst:
- Die Ernährungspyramide der USA wird neu geordnet: Fleisch, Fett und Eiweiß gewinnen an Gewicht, Vollkorn verliert an Bedeutung; die Regeln gelten auch für Schulen, Krankenhäuser und staatliche Programme.
- Kern der Neuausrichtung ist der Kampf gegen Fertigprodukte: Stark verarbeitete Lebensmittel sollen zurückgedrängt werden, da große Übersichtsanalysen ihren Konsum mit schweren Krankheiten und höherer Sterblichkeit verbinden.
- Fachliche Kritik bleibt: Herzexperten warnen vor zu viel gesättigtem Fett und Salz. Alkoholregeln bleiben auffallend vage und klare Mengenempfehlungen fehlen.
Übrigens: Während die Ernährungspyramide in den USA wieder stärker auf Fleisch setzt, lebt Alternsforscher Nir Barzilai selbst überwiegend vegetarisch und setzt auf bewusste Ernährung als Schlüssel für gesundes Älterwerden. Welche Schlüsse er daraus für ein längeres, gesünderes Leben zieht – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © DorahSolis24 via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0
