Elon Musk lässt alte Flugzeugtriebwerke für KI laufen – mit Folgen für die Umwelt

Die acht Turbinen von Musks KI-Firma xAI können bis zu 400 Megawatt Strom liefern. Ihre genehmigten Schadstoffgrenzwerte sind teils höher.

Ausgediente Flugzeugtriebwerke werden für Betreiber von KI-Rechenzentren zunehmend wertvoll. Sie liefern schneller Strom als ein neuer Netzanschluss, verbrauchen jedoch häufig mehr Brennstoff als moderne Kraftwerksturbinen. © Pexels

Ausgediente Flugzeugtriebwerke werden für Betreiber von KI-Rechenzentren zunehmend wertvoll. Sie liefern schneller Strom als ein neuer Netzanschluss, verbrauchen jedoch häufig mehr Brennstoff als moderne Kraftwerksturbinen. © Pexels

Auf einem Flugzeugfriedhof in Arizona stehen Hunderte ausrangierte Maschinen in der Wüstensonne. Viele ihrer Triebwerke haben seit Jahren keinen Schub mehr erzeugt. Doch der Boom der künstlichen Intelligenz bringt sie zurück ins Geschäft. Neue KI-Rechenzentren entstehen schneller, als die Stromnetze ausgebaut werden können. Deshalb bauen Unternehmen alte Flugzeugtriebwerke zu Stromgeneratoren um. Elon Musks KI-Unternehmen xAI hat im US-Bundesstaat Mississippi bereits acht solcher Turbinen installiert.

Jede Turbine kann bis zu 50 Megawatt Strom erzeugen. Zusammen sind das 400 Megawatt – rechnerisch genug für rund 120.000 amerikanische Haushalte. Doch die schnelle Stromversorgung hat ihren Preis. Wie die New York Times anhand staatlicher Genehmigungen und Satellitenbilder recherchierte, dürfen die umgebauten Turbinen deutlich mehr gesundheitsschädliche Abgase ausstoßen als andere Anlagen am Standort.

Alte Flugzeugtriebwerke für KI-Rechenzentren werden immer begehrter

Auch moderne Kraftwerksturbinen sind derzeit schwer zu bekommen. Ausrangierte Flugzeugantriebe lassen sich dagegen vergleichsweise schnell umrüsten. Allein auf einem Militärgelände bei Tucson in Arizona stehen rund 4.000 alte Jets. Nach Angaben der amerikanischen Energiebehörde könnten ihre Triebwerke theoretisch eine Stromleistung von 40.000 Megawatt liefern.

Die Nachfrage nach gebrauchten Triebwerken steigt bereits kräftig. Auf dem Flugzeugfriedhof Pinal Airpark in Arizona interessieren sich inzwischen immer mehr Energieunternehmen für die alten Antriebe. In manchen Fällen sind die Triebwerke sogar mehr wert als das gesamte übrige Flugzeug.

So werden Flugzeugtriebwerke zu Stromgeneratoren umgebaut

Die Umrüstung erfolgt in mehreren Schritten. Aus einem Antrieb, der ursprünglich ein tonnenschweres Flugzeug durch die Luft bewegte, entsteht eine stationäre Anlage zur Stromerzeugung:

  • Umbau: Techniker entfernen den großen vorderen Ventilator und Teile der äußeren Verkleidung.
  • Brennstoff: Sie passen die Brennkammer so an, dass die Turbine statt Kerosin auch Erdgas verbrennen kann.
  • Stromerzeugung: Die rotierende Welle treibt über ein Getriebe einen Generator an, der elektrische Energie erzeugt.

Das amerikanische Unternehmen ProEnergy gehört zu den Anbietern dieser Technik, wie die New York Times berichtet. Es verwendet unter anderem Triebwerke von General Electric, die ursprünglich in Boeing-Flugzeugen zum Einsatz kamen. Auch FTAI Aviation baut ehemalige Antriebe von Boeing 737 und Airbus A320 zu Stromgeneratoren um. Ein Gemeinschaftsunternehmen von FTAI schloss im Juli einen Liefervertrag über 1,5 Milliarden Dollar.

Elon Musks Turbinen dürfen deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen

Umgebaute Flugzeugtriebwerke verbrauchen für dieselbe Strommenge häufig mehr Brennstoff als moderne Kraftwerksturbinen. Zudem können sie höhere Schadstoffemissionen verursachen. Bei den Anlagen von xAI in Mississippi fallen vor allem die genehmigten Grenzwerte auf.

Für die acht umgebauten Turbinen gelten folgende Unterschiede gegenüber anderen Turbinen am Standort:

  • Kohlenmonoxid: Die Genehmigungen erlauben einen doppelt so hohen Ausstoß des giftigen Gases.
  • Flüchtige organische Verbindungen: Die zulässigen Emissionen liegen um 25 Prozent höher. Einige dieser Stoffe können die Atemwege reizen und die Gesundheit schädigen.

Dabei handelt es sich um genehmigte Höchstwerte, nicht um tatsächlich gemessene Schadstoffmengen.

Umweltverbände gehen gegen die Genehmigungen vor

Das Southern Environmental Law Center hat die Genehmigung der umgebauten Turbinen angefochten. Die Umweltorganisation bemängelt fehlende Nachweise zur Einhaltung bestimmter Schadstoffgrenzen, etwa für Formaldehyd. Außerdem wirft sie xAI vor, die erwarteten Emissionen zu niedrig angesetzt zu haben.

In einem weiteren Verfahren geht die Organisation gemeinsam mit der Bürgerrechtsorganisation NAACP gegen andere Gasgeneratoren von xAI vor. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe Anlagen ohne erforderliche Genehmigungen betrieben und Anwohner gesundheitsschädlichen Abgasen ausgesetzt. Im Umkreis von rund acht Kilometern um die Rechenzentren an der Grenze zwischen Mississippi und Tennessee leben mehr als 100.000 Menschen.

Strommangel gefährdet den weiteren Ausbau der KI

Elon Musk hatte bereits im Februar vor einem Engpass bei der Stromversorgung gewarnt. Nicht mehr leistungsfähige Computerchips seien das größte Hindernis für den Ausbau künstlicher Intelligenz, sondern fehlende Energie. Ohne ausreichend Strom könnten selbst teure KI-Prozessoren ungenutzt bleiben. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) könnte sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. Das wäre etwas mehr Strom, als Japan derzeit in einem ganzen Jahr verbraucht.

Für Rechenzentrumsbetreiber zählt deshalb vor allem die Geschwindigkeit. Der Energieanalyst Audun Martinsen von Rystad Energy hält es für möglich, Rechenzentren mithilfe umgebauter Flugzeugturbinen innerhalb von 24 Monaten in Betrieb zu nehmen. Ein regulärer Netzanschluss kann dagegen mehrere Jahre dauern. Laut IEA kann allein der Anschluss einer Anlage mit 100 Megawatt Leistung im US-Bundesstaat Virginia etwa sieben Jahre beanspruchen.

Allerdings bezweifelt der Luftfahrtexperte Scott Marchand vom Pima Air and Space Museum die langfristige Wirtschaftlichkeit, wie es in der New York Times heißt. Die Turbinen benötigen viel Brennstoff, verursachen hohe Wartungskosten und produzieren erhebliche Abwärme. Die Nachfrage bleibt dennoch hoch. ProEnergy zufolge interessieren sich inzwischen mehr Rechenzentrumsbetreiber für die umgebauten Triebwerke als traditionelle Stromversorger.

Kurz zusammengefasst:

  • Alte Flugzeugtriebwerke liefern Strom für KI: Elon Musks Unternehmen xAI setzt acht umgebaute Turbinen ein, die zusammen bis zu 400 Megawatt Strom erzeugen können.
  • Der Strombedarf wächst rasant: Laut Internationaler Energieagentur könnte sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln.
  • Die Umwelt zahlt den Preis: Umgebaute Flugzeugtriebwerke sind häufig weniger effizient als moderne Kraftwerksturbinen und dürfen bei xAI teilweise deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen.

Übrigens: Elon Musk verfolgt noch eine andere Idee gegen den Strommangel: KI-Rechenzentren im Weltall, wo Solaranlagen nahezu ununterbrochen Energie liefern könnten. Allerdings bleibt die Kühlung der Computer eine große Herausforderung – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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