112 alte E-Scooter-Akkus werden zu einem Stromspeicher, der auch nach 10 Jahren 70 kWh liefert

Ein Freiburger Start-up nutzt gebrauchte E-Scooter-Akkus als Stromspeicher. Austauschbare Module sollen die Kapazität langfristig sichern.

Noch stehen die E-Scooter ungenutzt am Straßenrand. Ihre Akkus könnten später ein zweites Leben bekommen und Unternehmen als Stromspeicher dienen.

Noch stehen die E-Scooter ungenutzt am Straßenrand. Ihre Akkus könnten später ein zweites Leben bekommen und Unternehmen als Stromspeicher dienen. © Pexels

Ein Akku ist nicht automatisch unbrauchbar, nur weil sein erstes Leben endet. In Deutschland werden jährlich rund eine Million Akkus aus E-Bikes und E-Scootern vorzeitig entsorgt. Dabei steckt in vielen noch ein erheblicher Teil ihrer ursprünglichen Kapazität. Ein Freiburger Start-up macht daraus jetzt Stromspeicher für Unternehmen. Selbst nach zehn Jahren sollen diese noch ihre volle Speicherkapazität behalten.

EDENenergy hat dafür 112 gebrauchte E-Scooter-Akkus zu einem Industriespeicher mit 70 Kilowattstunden (kWh) Kapazität zusammengeschaltet. Die ehemaligen Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE nutzen eine Technik, mit der sich alternde Batteriemodule einzeln austauschen lassen. So soll die Speicherkapazität langfristig erhalten bleiben. Den ersten Speicher hat das Unternehmen bereits Mitte Oktober 2026 an einen Kunden ausgeliefert.

Gebrauchte E-Scooter-Akkus als Stromspeicher überraschen mit hoher Restkapazität

Bei den ersten 350 untersuchten Batterien machten die Gründer eine überraschende Entdeckung. Sie hatten mit einer Restkapazität von rund 80 Prozent gerechnet. Tatsächlich lag die durchschnittliche Kapazität bei einzelnen Beständen teilweise deutlich über 90 Prozent. Die gebrauchten Akkus hatten also wesentlich weniger Leistung verloren als angenommen.

Vor ihrem zweiten Einsatz durchlaufen die Batterien eine gründliche Prüfung. Anschließend sind sie im stationären Speicher geringeren Erschütterungen und Temperaturschwankungen ausgesetzt als während E-Scooter-Fahrten. Unter diesen neuen Bedingungen können sie nach Einschätzung des Unternehmens noch mehrere Jahre zuverlässig Strom speichern.

Unterschiedliche Akkutypen lassen sich künftig gemeinsam nutzen

Eine technische Herausforderung bleibt die große Vielfalt der Batterien. Hersteller verwenden unterschiedliche Anschlüsse, Zelltypen und elektronische Steuerungen. Die am Fraunhofer ISE entwickelte Leistungselektronik soll künftig auch verschiedene Akkutypen miteinander verbinden können.

„Sie erlaubt es, verschiedene Speicher zusammenzuschließen und eine Kommunikation mit verschiedenen Modulen aufzubauen, ohne dass dafür die Akkus zerlegt werden müssen“, erklärt Mitgründer Florian Bierwirth. Bislang verwendet EDENenergy Batterien desselben Typs. Für andere Modelle müssen die Entwickler unter anderem Anschlüsse und Kommunikationssysteme anpassen.

Einzelne Akkus lassen sich sogar während des Betriebs austauschen

Gewöhnliche Batteriespeicher verlieren mit zunehmendem Alter an Kapazität. Laut Fraunhofer ISE garantieren Hersteller nach zehn Jahren häufig noch 80 Prozent des ursprünglichen Werts. Bei einem Speicher mit anfangs 70 kWh wären das rechnerisch nur noch 56 kWh.

EDENenergy überwacht seine Batteriemodule aus der Ferne und ersetzt verschlissene Einheiten bei Bedarf. Der Austausch funktioniert auch während des laufenden Betriebs. Die Kapazität soll dadurch langfristig bei 70 kWh bleiben. Ein zehnjähriger Praxistest steht allerdings noch aus. Endgültig verbrauchte Batterien übergibt das Unternehmen an Recyclingpartner.

Unternehmen können Solarstrom speichern und Stromkosten reduzieren

Zunächst richtet sich EDENenergy an mittelständische Unternehmen mit eigener Photovoltaikanlage. Auch Stadtwerke kommen als mögliche Kunden infrage. Die Speicher ermöglichen verschiedene Anwendungen:

  • Solarstrom nutzen: Überschüssige Energie vom eigenen Dach lässt sich für Stunden mit geringer Sonneneinstrahlung aufbewahren.
  • Lastspitzen reduzieren: Gespeicherter Strom kann kurzfristig hohe Leistungsspitzen abfedern und damit unter bestimmten Tarifbedingungen Netzentgelte senken.
  • Stromhandel ermöglichen: Stadtwerke können die Speicher nutzen, um Strom zu unterschiedlichen Zeiten einzukaufen oder zu vermarkten.

Mittelfristig plant das Freiburger Unternehmen größere Anlagen mit bis zu 300 kWh Kapazität. Dafür sucht es weitere Pilotkunden aus der Region. Über das baden-württembergische Programm „Mittelstand trifft Start-ups“ können teilnehmende Betriebe eine Förderung von 50 Prozent für den Speicher erhalten. Weitere Unterstützung kommt vom Leistungszentrum Nachhaltigkeit und dem Landesprogramm BW Pre-Seed. Zu den Investoren gehört JobRad-Gründer Ulrich Prediger.

Kurz zusammengefasst:

  • Ein Freiburger Start-up baut aus 112 gebrauchten E-Scooter-Akkus einen Stromspeicher mit 70 Kilowattstunden Kapazität.
  • Die untersuchten Akkus besitzen teilweise noch über 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität und können deshalb mehrere Jahre weiterverwendet werden.
  • Austauschbare Batteriemodule sollen die Speicherkapazität auch nach zehn Jahren erhalten und Unternehmen helfen, Solarstrom besser zu nutzen.

Übrigens: Auch schwere Elektro-Lkw könnten künftig als Stromspeicher dienen. Berechnungen der TU München zufolge könnten Speditionen durch intelligentes Laden und die Rückspeisung von Strom rechnerisch rund 6.100 Euro pro Lkw und Jahr sparen.

Bild: © Pexels

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