Pinguinkot färbt Schnee in der Antarktis grün – und könnte Schmelze beschleunigen

Pinguinkot fördert das Wachstum grüner Schneealgen in der Antarktis. Sie verdunkeln den Schnee, der dadurch mehr Sonnenenergie aufnimmt.

Pinguine liefern mit ihren Ausscheidungen wichtige Nährstoffe für Schneealgen. Die grüne Färbung verändert die Lichtaufnahme des Schnees und kann so seine Schmelze beschleunigen.

Pinguine liefern mit ihren Ausscheidungen wichtige Nährstoffe für Schneealgen. Die grüne Färbung verändert die Lichtaufnahme des Schnees und kann so seine Schmelze beschleunigen. © Pexels

Pinguine tragen unbemerkt dazu bei, dass der Schnee in der Antarktis schneller schmelzen kann. Ihre Ausscheidungen düngen winzige Algen, die ganze Schneeflächen grün färben. Dadurch nimmt der Schnee bis zu 40 Prozent mehr Sonnenenergie auf als eine saubere, weiße Oberfläche – ein ungewöhnlicher Zusammenhang, der die Schneeschmelze an den Küsten der Antarktis zusätzlich verstärken könnte.

Wie die American Geophysical Union (AGU) berichtet, fanden Wissenschaftler in grün verfärbtem Schnee rund 70-mal so viel Phosphat wie in unverfärbtem Schnee. Der Nährstoff stammt unter anderem aus dem Kot von Pinguinen und anderen Seevögeln. Mit steigenden Temperaturen können sich die Algen weiter ausbreiten und zusätzliche Schneeflächen verdunkeln. Wie stark dieser biologische Prozess die Schmelze tatsächlich beschleunigt, ist bislang nicht geklärt.

Pinguinkot versorgt Schneealgen mit Nährstoffen

Pinguine ernähren sich im Meer vor allem von Krill, Fisch und anderen kleinen Meerestieren. Über ihre Ausscheidungen gelangen Nährstoffe aus dem Ozean auf die Schneeflächen der Antarktis. Auch andere Seevögel tragen dazu bei. Besonders in der Nähe großer Brutkolonien sammeln sich erhebliche Mengen dieses natürlichen Düngers.

Während des kurzen antarktischen Sommers nutzen Schneealgen die Nährstoffe für ihr Wachstum. Bei günstigen Bedingungen bilden sie reichlich Chlorophyll. Mithilfe dieses grünen Farbstoffs betreiben sie Fotosynthese und vermehren sich. Die Algen können dabei so dicht wachsen, dass sie ganze Schneeflächen verfärben.

Grüner Schnee verstärkt die Erwärmung der Oberfläche

Weißer Schnee reflektiert einen Großteil des Sonnenlichts. Schneealgen verändern diese Eigenschaft, weil ihre Farbstoffe Licht aufnehmen. Fachleute sprechen von einer verringerten Albedo, also einem geringeren Rückstrahlvermögen der Oberfläche.

Auch rote Schneealgen beeinflussen die Energiebilanz. Sie nehmen laut früheren Untersuchungen rund 20 Prozent mehr Sonnenenergie auf als unverfärbter Schnee. Bei grünen Algen liegt dieser Wert etwa doppelt so hoch. Die zusätzliche Energie kann die Erwärmung und das Abschmelzen der Schneedecke fördern.

Wo Pinguine und andere Tiere Nährstoffe in den antarktischen Schnee eintragen, bleiben Schneealgen grün und wachsen weiter. Dadurch verstärken sie die Schneeschmelze. © Ryan & Khan 2026 (Ausschnitt)
© Ryan & Khan 2026 Wo Pinguine und andere Tiere Nährstoffe in den antarktischen Schnee eintragen, bleiben Schneealgen grün und wachsen weiter. Dadurch verstärken sie die Schneeschmelze. © Ryan & Khan 2026 (Ausschnitt)

Schneeproben liefern auffällige Phosphatwerte

Für die im Journal of Geophysical Research: Biogeosciences veröffentlichte Untersuchung sammelte ein Forschungsteam 111 Schneeproben an neun Küstenstandorten der Westantarktischen Halbinsel. Die Proben stammten aus dem antarktischen Sommer 2025. Im Labor bestimmten die Wissenschaftler unter anderem die Phosphatkonzentration, die Anzahl der Algenzellen und ihre Farbstoffe.

Dabei unterschieden sich die mittleren Konzentrationen im Sinne des Medianwerts erheblich:

  • Grüner Schnee: rund 114 Mikromol Phosphat pro Liter Schmelzwasser.
  • Roter Schnee: rund 11,4 Mikromol pro Liter.
  • Unverfärbter Schnee: lediglich rund 1,5 Mikromol pro Liter.

Auch innerhalb der Proben nahm die Menge der Algen mit steigender Phosphatkonzentration tendenziell zu. Besonders hohe Werte traten in Gebieten mit ausgeprägtem Wildtiereinfluss auf.

Warum sich grüne Schneealgen rot verfärben

Bei Nährstoffmangel oder starker Sonneneinstrahlung können Schneealgen ihre Pigmentzusammensetzung verändern. Dabei gewinnt der rötliche Farbstoff Astaxanthin an Bedeutung. Er schützt empfindliche Zellbestandteile vor intensiver Strahlung, ähnlich wie ein natürlicher Sonnenschutz.

Rote Algen treten deshalb häufiger unter nährstoffarmen oder belastenden Umweltbedingungen auf. Auch Temperatur, Lichtverhältnisse und Entwicklungsstadium beeinflussen ihre Färbung. Während grüne Algen besonders aktiv wachsen, können rote Dauerstadien ungünstige Bedingungen besser überstehen.

„Der Pinguinkot dient als Dünger, der diese dichten grünen Schneealgenblüten fördert“, erklärt die Biogeochemikerin Alia Khan von der University of Colorado Boulder laut AGU. Der Nährstofftransport verbindet damit die Nahrungskette im Meer unmittelbar mit dem Leben auf den antarktischen Schneeflächen.

Klimawandel verändert die Lebensräume der Pinguine

Mit steigenden Temperaturen verändern sich die Küstenregionen der Antarktis. Schnee taut häufiger an, und für Algen entstehen zusätzliche Wachstumsbedingungen. Gleichzeitig verschieben sich die Lebensräume einzelner Pinguinarten. Eselspinguine breiten sich in einigen Regionen weiter nach Süden aus, während Bestände von Adélie- und Zügelpinguinen regional zurückgehen.

Neue Brutkolonien könnten künftig weitere Schneeflächen mit Nährstoffen versorgen. Allerdings hängt die Entwicklung auch von der Verfügbarkeit von Krill und anderen Meerestieren ab. Veränderungen der Nahrung beeinflussen, welche Nährstoffe die Pinguine mit ihren Ausscheidungen an Land bringen.

Schneeschmelze könnte bislang unterschätzt werden

Bisherige Prognosen zur antarktischen Schneeschmelze berücksichtigen die Verdunkelung durch Schneealgen noch nicht ausreichend. Studienautorin Khan warnt deshalb: „Ohne die biologischen Verdunkelungseffekte unterschätzen wir möglicherweise, wie schnell küstennahe Schneedecken schmelzen und sich eisfreie Gebiete in der Antarktis ausbreiten.“

Wie groß dieser zusätzliche Schmelzbeitrag tatsächlich ausfällt, ist noch offen. Die bisherigen Messungen stammen aus einer einzigen Sommersaison und belegen statistische Zusammenhänge zwischen Nährstoffen und Algenwachstum. Für verlässliche Berechnungen fehlen längerfristige Messreihen zur Entwicklung der Algen und zur Energieaufnahme der Schneeoberfläche.

Kurz zusammengefasst:

  • Pinguine und andere Seevögel düngen mit ihren Ausscheidungen den Schnee der Antarktis und fördern damit das Wachstum grüner Schneealgen.
  • Grüner Algenschnee nimmt bis zu 40 Prozent mehr Sonnenenergie auf als sauberer weißer Schnee und kann dadurch schneller schmelzen.
  • Der Klimawandel könnte die Ausbreitung der Algen begünstigen und die Schneeschmelze zusätzlich verstärken, doch wie groß dieser Effekt tatsächlich ist, bleibt bislang ungeklärt.

Übrigens: Pinguinkot verrät sogar aus dem Weltall, was die Tiere fressen: Satelliten erkennen anhand seiner Farbe, ob Adéliepinguine hauptsächlich Fisch oder Krill erbeutet haben. Wie der Klimawandel ihren Speiseplan verändert, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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