Für 2100 prognostizierte Extremhitze könnte Europa schon in den 2030ern treffen – Forscher berechnen 10 Prozent Risiko

Schon in den 2030er-Jahren könnten Europa extreme Hitzewellen treffen. Klimaforscher berechnen für einzelne Jahre ein Risiko von 10 Prozent.

Europas Sommer werden heißer: Bereits in den 2030er-Jahren könnten Hitzewellen auftreten, deren Intensität bislang erst für das Jahr 2100 erwartet wurde. © Unsplash

Europas Sommer werden heißer: Bereits in den 2030er-Jahren könnten Hitzewellen auftreten, deren Intensität bislang erst für das Jahr 2100 erwartet wurde. © Unsplash

Hitzewellen, deren Intensität bislang erst für das Jahr 2100 prognostiziert wurde, könnten Europa schon in den 2030er-Jahren treffen. Deutsche Klimaforscher berechnen für einzelne Jahre eine Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent. Die für das Ende des Jahrhunderts erwartete Extremhitze könnte damit Jahrzehnte früher auftreten. Wie stark sich das Klima bereits verändert hat, erlebte Deutschland im Juni 2026: Temperaturen von mehr als 40 Grad, außergewöhnlich warme Nächte und eine Hitzewelle, die ohne den menschengemachten Klimawandel praktisch unmöglich gewesen wäre.

Am 27. Juni erreichte die Temperatur in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt 41,8 Grad Celsius – ein neuer deutscher Rekord. An 467 von 488 Messstationen registrierte der Deutsche Wetterdienst (DWD) neue Allzeit- oder Monatsrekorde. Der Klimawandel machte den heißesten Tag deutschlandweit im Mittel drei Grad wärmer, wie die DWD-Analyse ergab. Die neuen Prognosen stammen aus dem Forschungsverbund ClimXtreme unter Leitung der Freien Universität Berlin. Sechs Jahre lang untersuchten 17 deutsche Forschungseinrichtungen, wie sich extreme Wetterereignisse durch die globale Erwärmung verändern.

Extremhitze 2030: Warum Hitzewellen immer gefährlicher werden

„In fast allen europäischen Ländern wurden Allzeitrekorde gebrochen“, erklärt Professor Uwe Ulbrich vom Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Besonders hartnäckige Hochdruckgebiete können über längere Zeit verhindern, dass kühlere Atlantikluft nach Europa gelangt. Treffen solche Wetterlagen auf eine bereits erwärmte Atmosphäre, können die Temperaturen besonders stark steigen.

Die Hitze kann dadurch über viele Tage anhalten und große Teile Europas gleichzeitig erfassen. Laut Ulbrich könnten extreme Temperaturen, die heute noch als außergewöhnlich gelten, in den kommenden Jahrzehnten zum sommerlichen Normalfall werden. Zugleich wächst das Risiko längerer Belastungsphasen.

Deutschland erlebte sieben Tage mit durchschnittlich 33 Grad

Während der Rekordhitze im Juni 2026 lag die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur deutschlandweit über sieben Tage bei 33 Grad Celsius. Unter vorindustriellen Klimabedingungen wäre ein vergleichbares Ereignis laut DWD im Mittel 3,1 Grad kühler ausgefallen. Die Unsicherheit dieser Schätzung reicht von 1,3 bis 4,7 Grad.

Selbst unter heutigen Klimabedingungen war die Hitze außergewöhnlich selten. Für den heißesten Tag berechnete der DWD eine statistische Wiederkehrzeit von rund 290 Jahren. Das entspricht einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von ungefähr 0,3 Prozent unter vergleichbaren Klimabedingungen. Die Schätzung ist allerdings mit großer Unsicherheit verbunden. Eine Wiederkehrzeit beschreibt keine feste Wartezeit bis zum nächsten Ereignis.

Schon 0,7 Grad mehr könnten extreme Hitzenächte achtmal wahrscheinlicher machen

Für ein Szenario mit zwei Grad globaler Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit berechnet der DWD deutlich höhere Hitzerisiken. Das entspricht einem weiteren Temperaturanstieg um etwa 0,7 Grad gegenüber dem untersuchten Klima. Für vergleichbare Extremereignisse im Mai und Juni ergeben sich folgende Veränderungen:

  • Einzelne extrem heiße Tage: Die Wahrscheinlichkeit könnte auf das 3,5-Fache steigen.
  • Zwei außergewöhnlich heiße Tage hintereinander: Das Risiko könnte auf das 3,7-Fache wachsen.
  • Extrem warme Nächte: Die Wahrscheinlichkeit eines außergewöhnlich hohen nächtlichen Temperaturminimums könnte auf das 8,2-Fache steigen.
  • Anhaltend warme Nächte: Bei extrem hohen nächtlichen Tiefsttemperaturen über sieben Tage könnte das Risiko auf das 5,2-Fache steigen.

Besonders die Nächte werden damit zu einem wachsenden Gesundheitsrisiko. Bleiben die Temperaturen hoch, kann sich der Körper nach einem heißen Tag schlechter erholen. Die Berechnungen beziehen sich allerdings auf außergewöhnliche Hitzeereignisse im Frühsommer. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht auf alle warmen Sommernächte übertragen.

Im Süden und Westen hält die Hitze besonders lange an

Innerhalb Deutschlands verlief die Hitzewelle unterschiedlich. Im Süden und Westen blieb es über viele Tage außergewöhnlich heiß. Im Osten erreichten die Temperaturen dagegen besonders hohe Spitzenwerte, obwohl die intensive Hitze dort kürzer anhielt. Die über eine Woche gemittelte Tageshöchsttemperatur betrug im Süden 34,6 Grad, im Osten 34,0 Grad Celsius.

Auch die langfristige Entwicklung unterscheidet sich regional. Im Süden und Westen nahm die Intensität vergleichbarer extremer Hitzetage gegenüber vorindustriellen Klimabedingungen um geschätzt 3,3 beziehungsweise 3,6 Grad zu. Grundlage sind Wetterbeobachtungen und Klimamodelle. Die tatsächlich beobachteten Temperaturanstiege fallen dabei teilweise stärker aus als die Modellberechnungen.

Starkregen wird pro Grad Erwärmung um bis zu 8,5 Prozent stärker

Neben der Hitze verschärft der Klimawandel auch extreme Niederschläge. In Deutschland nimmt die Intensität von Starkregen laut ClimXtreme um sechs bis 8,5 Prozent pro Grad globaler Erwärmung zu. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei seltenen, kurzen Regenereignissen. Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, der unter entsprechenden Wetterbedingungen als heftiger Regen niedergeht.

Bei den Überschwemmungen in Westdeutschland 2021 verstärkte der Klimawandel den maximalen Tagesniederschlag in der betroffenen Region um geschätzte drei bis 19 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses erhöhte sich um den Faktor 1,2 bis 9. Bei anderen Wetterextremen fällt die Entwicklung weniger einheitlich aus:

  • Hagel: In Süddeutschland nahm die Hagelaktivität während der vergangenen 20 Jahre zu. Klimamodelle erwarten dort auch künftig eine Zunahme.
  • Trockenperioden: Die niederschlagsarme Phase im Frühjahr verschiebt sich offenbar zunehmend von Februar und März in den April.
  • Dürre: Höhere Temperaturen verstärken die Verdunstung. Dadurch können Böden auch bei ähnlichen Niederschlagsmengen stärker austrocknen.
  • Stürme: Besonders intensive Tiefdruckgebiete könnten häufiger oder stärker werden. Für extreme Windgeschwindigkeiten gibt es bislang keinen eindeutigen langfristigen Trend.

Nicht jede Dürre lässt sich auf den Klimawandel zurückführen

Für das ungewöhnlich trockene Frühjahr 2025 in Norddeutschland fanden die Wissenschaftler keinen klaren Zusammenhang mit der menschengemachten Erwärmung. Anders sieht es bei den Folgen hoher Temperaturen aus: Besonders in Südwesteuropa begünstigt die stärkere Verdunstung die Austrocknung der Böden und damit auch Waldbrände.

Bei Stürmen erwarten Klimamodelle weniger Tiefdruckgebiete über Teilen Westeuropas und der Deutschen Bucht. Gleichzeitig könnten besonders intensive Tiefdrucksysteme an Stärke gewinnen. Ob dadurch auch extreme Windgeschwindigkeiten in Deutschland zunehmen, lässt sich bislang nicht eindeutig bestimmen.

Kurz zusammengefasst:

  • Extremhitze: Bereits in den 2030er-Jahren könnten Europa Hitzewellen treffen, deren Intensität bisher erst gegen Ende des Jahrhunderts erwartet wurde – mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent in einzelnen Jahren.
  • Klimawandel: Die Hitzewelle im Juni 2026 fiel in Deutschland durch den menschengemachten Klimawandel im Mittel rund drei Grad heißer aus.
  • Zukunftsrisiken: Bei weiteren 0,7 Grad globaler Erwärmung könnten extreme Hitzenächte in Deutschland etwa achtmal wahrscheinlicher werden; auch Starkregen wird intensiver.

Übrigens: Die Hitze kommt nicht nur früher als erwartet, sie bleibt auch länger. Eine Auswertung von 45 Jahren Wetterdaten ergab, dass sich die Hitzewellensaison weltweit um rund 39 Tage verlängert hat – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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