Gesunder Lebensstil senkt Krebsrisiko bei 13 Krebsarten – bei einer um bis zu 88 Prozent

Eine Untersuchung von 287.745 Menschen zeigt: Ein gesunder Lebensstil war mit 29 Prozent weniger Krebsrisiko verbunden. Rauchen fiel besonders ins Gewicht.

Regelmäßige Bewegung gehört zu den fünf Lebensstilfaktoren, die mit einem geringeren Krebsrisiko verbunden sind. Eine Studie mit fast 288.000 Menschen fand entsprechende Zusammenhänge bei 13 Krebsarten – besonders stark bei Kehlkopf- und Lungenkrebs.

Regelmäßige Bewegung gehört zu den fünf Lebensstilfaktoren, die mit einem geringeren Krebsrisiko verbunden sind. Eine Studie mit fast 288.000 Menschen fand entsprechende Zusammenhänge bei 13 Krebsarten – besonders stark bei Kehlkopf- und Lungenkrebs. © Pexels

Ausgerechnet bei einigen besonders gefürchteten Krebsarten scheint der Lebensstil einen enormen Unterschied zu machen. Wer nicht raucht, Normalgewicht hat, sich ausreichend bewegt und gesund ernährt, erkrankt deutlich seltener an bestimmten Tumoren. Bei Kehlkopfkrebs lag das Erkrankungsrisiko in der Gruppe mit besonders gesundem Lebensstil um 88 Prozent niedriger, bei Lungenkrebs um 81 Prozent und bei Bauchspeicheldrüsenkrebs um 48 Prozent.

Verglichen wurden Menschen mit vier bis fünf gesunden Lebensgewohnheiten und solche mit höchstens einer. Die Prozentzahlen beschreiben dabei den Unterschied zwischen den Gruppen, nicht die persönliche Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken.

Für die Untersuchung werteten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Gesundheitsdaten von 287.745 Menschen aus. Während einer Beobachtungszeit von durchschnittlich 11,5 Jahren erkrankten 12.947 Teilnehmer an Krebs. Menschen mit einem besonders gesunden Lebensstil hatten insgesamt ein um 29 Prozent geringeres Erkrankungsrisiko als die Vergleichsgruppe. Bei 13 von 27 untersuchten Krebsarten war der Zusammenhang statistisch signifikant. Die Ergebnisse sind im Fachjournal British Journal of Cancer erschienen.

Gesunder Lebensstil: Krebsrisiko hängt besonders stark vom Rauchen ab

Auch bei Magen-, Darm-, Leber-, Nieren- und Blasenkrebs sowie bei Brustkrebs nach den Wechseljahren war ein gesünderer Lebensstil mit einem geringeren Erkrankungsrisiko verbunden. Bei einigen dieser Tumorarten fiel der Unterschied erheblich aus. So lag das relative Risiko für Leberkrebs um 56 Prozent niedriger, für Darmkrebs um 35 Prozent und für Nierenkrebs um 27 Prozent.

Besonders häufig standen Rauchen und Übergewicht mit einer Krebserkrankung in Verbindung. Rauchen war bei zwölf der untersuchten Krebsarten statistisch bedeutsam, Übergewicht bei zehn. Die übrigen Lebensstilfaktoren waren mit weniger Krebsarten verbunden. Welche Gewohnheiten für die Bewertung maßgeblich waren, legten die Wissenschaftler anhand von fünf Kriterien fest.

Fünf Gewohnheiten bestimmen den Lebensstil-Score

Jeder Teilnehmer erhielt für gesundheitsförderliche Verhaltensweisen jeweils einen Punkt. Daraus entstand ein Wert zwischen null und fünf. Die Kriterien waren:

  • Rauchen: Nie regelmäßig geraucht oder als früherer Raucher weniger als 30 Packungsjahre erreicht.
  • Körpergewicht: Ein Body-Mass-Index (BMI) über 18,5 und unter 25.
  • Bewegung: Ausreichend körperliche Aktivität durch Gehen, Sport oder andere körperliche Betätigung.
  • Ernährung: Eine vergleichsweise hohe Ernährungsqualität nach dem Bewertungssystem der Untersuchung.
  • Alkohol: Höchstens zwölf Gramm reiner Alkohol täglich bei Frauen und 24 Gramm bei Männern.

Ein Packungsjahr entspricht beispielsweise 20 Zigaretten täglich über ein Jahr. Wer zehn Jahre lang jeden Tag eine Packung raucht, kommt damit auf zehn Packungsjahre. Auch ehemalige Raucher konnten folglich einen Punkt für ihr Rauchverhalten erhalten.

Beim Alkohol verwendeten die Wissenschaftler die Grenzwerte eines bereits etablierten Bewertungssystems. Daraus lässt sich jedoch keine gesundheitlich unbedenkliche Trinkmenge ableiten. Moderater Alkoholkonsum war für sich genommen nicht eindeutig mit einem geringeren Gesamtkrebsrisiko verbunden.

Selbst bei seltenen Tumoren zeigen sich deutliche Unterschiede

Auch bei Weichteilsarkomen, einer vergleichsweise seltenen Krebsart, fiel das Erkrankungsrisiko unterschiedlich aus. Solche bösartigen Tumoren können beispielsweise in Muskeln, Fettgewebe oder Bindegewebe entstehen. Menschen mit einem hohen Lebensstil-Score hatten ein um 39 Prozent niedrigeres relatives Risiko als Teilnehmer mit einem niedrigen Wert.

„Wir belegen die Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Erkrankungsrisiko jedoch auch für einige seltenere Krebsarten, für die bislang deutlich weniger Daten vorlagen“, sagt Studienleiter Michael Hoffmeister vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Bei Weichteilsarkomen ergab sich allerdings eine Besonderheit: Keiner der fünf Lebensstilfaktoren war für sich genommen signifikant mit einem geringeren Risiko verbunden. Der Zusammenhang trat erst bei der gemeinsamen Bewertung der Gewohnheiten auf. Ob das Zusammenspiel mehrerer Faktoren dafür verantwortlich ist, bleibt offen.

Mehr als die Hälfte der Lungenkrebsfälle statistisch mit dem Lebensstil verbunden

Die Wissenschaftler berechneten zusätzlich, welcher Anteil der Krebsfälle in der untersuchten Bevölkerung statistisch damit zusammenhing, dass die fünf Empfehlungen zum Lebensstil nicht vollständig eingehalten wurden.

Besonders hoch war dieser Anteil bei Kehlkopfkrebs mit 65,5 Prozent. Bei Lungenkrebs waren es 51,9 Prozent und bei Rachenkrebs 30,2 Prozent. Auch bei mehreren Krebsarten des Verdauungssystems fielen die Werte hoch aus: 29,9 Prozent bei Speiseröhrenkrebs, 25,9 Prozent bei Magenkrebs und 24 Prozent bei Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Die Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass sich ebenso viele Krebsfälle durch einen gesünderen Lebensstil tatsächlich verhindern ließen. Sie zeigen zunächst nur, welcher Anteil der Erkrankungen nach den statistischen Berechnungen mit den untersuchten Lebensstilfaktoren zusammenhing. Ob und in welchem Umfang diese Faktoren die Erkrankungen tatsächlich verursacht haben, lässt sich daraus nicht ableiten.

Bei Prostatakrebs fällt das Erkrankungsrisiko überraschend höher aus

Nicht bei allen Krebsarten war ein gesünderer Lebensstil mit einem niedrigeren Erkrankungsrisiko verbunden. Bei Prostatakrebs lag das relative Risiko in der Gruppe mit vier bis fünf gesunden Verhaltensweisen sogar um elf Prozent höher.

Eine mögliche Erklärung sind Unterschiede bei der Früherkennung. Männer mit gesundheitsbewussten Gewohnheiten könnten häufiger einen PSA-Test durchführen lassen. Dadurch würden auch Tumoren entdeckt, die andernfalls zunächst unbemerkt geblieben wären. Allerdings blieb der statistische Zusammenhang selbst nach Berücksichtigung solcher Untersuchungen bestehen.

Auch bei einzelnen anderen Risikofaktoren traten widersprüchliche Ergebnisse auf. So war ein normaler BMI mit einem höheren relativen Lungenkrebsrisiko verbunden. Möglicherweise beeinflusst das Rauchverhalten diesen Zusammenhang. Die biologischen Ursachen sind bislang nicht ausreichend geklärt.

Die Gesundheitsangaben der Teilnehmer stammten überwiegend aus der Zeit ihrer Aufnahme in die UK Biobank. Spätere Veränderungen beim Rauchen, beim Gewicht oder bei der Ernährung flossen nicht vollständig in die Bewertung ein. Zudem beruhten zahlreiche Angaben auf Selbstauskünften.

Kurz zusammengefasst:

  • Gesunder Lebensstil: Menschen mit vier bis fünf gesunden Lebensgewohnheiten hatten ein um 29 Prozent geringeres relatives Krebsrisiko als Menschen mit höchstens einer dieser Gewohnheiten.
  • 13 Krebsarten: Besonders groß war der Unterschied bei Kehlkopfkrebs (88 Prozent) und Lungenkrebs (81 Prozent); Rauchen und Übergewicht waren mit besonders vielen Krebsarten verbunden.
  • Keine Garantie: Die Studie mit 287.745 Menschen belegt statistische Zusammenhänge, aber nicht, dass ein gesunder Lebensstil Krebs in jedem Fall verhindern kann.

Übrigens: Nicht nur das Krebsrisiko hängt eng mit dem Lebensstil zusammen – eine Studie mit über zwei Millionen Menschen ergab, dass Frauen ohne fünf wichtige Gesundheitsrisiken im Durchschnitt 14,5 Jahre länger leben als Frauen mit allen fünf Risiken. Welche Rolle Rauchen, Blutdruck, Cholesterin, Diabetes und Übergewicht dabei spielen, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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