Batterierecycling in China: Millionen E-Auto-Akkus werden zum Umweltproblem

Beim Batterierecycling in China landen viele alte E-Auto-Akkus bei illegalen Betrieben – mit Risiken für Umwelt und Arbeiter.

Während Millionen Elektroautos in China geladen werden, wächst im Hintergrund die Menge ausgedienter Akkus – und damit der Druck auf ein lückenhaftes Recyclingsystem.

Während Millionen Elektroautos in China geladen werden, wächst im Hintergrund die Menge ausgedienter Akkus – und damit der Druck auf ein lückenhaftes Recyclingsystem. © Unsplash

Ein Elektroauto fährt ohne Abgase. Doch irgendwann ist sein Akku verbraucht – und dann beginnt ein Problem, das beim Kauf kaum jemand sieht. In der chinesischen Provinz Jiangxi zerlegte ein nicht zugelassener Betrieb 364 Tonnen alter Lithium-Eisenphosphat-Batterien. Schadstoffe vernichteten Pflanzen auf rund 2,4 Hektar Wald, mehr als 420 Kubikmeter Holz gingen verloren. Der Fall zeigt, was passieren kann, wenn Chinas riesige Flotte von Elektroautos schneller wächst als ein sicheres System für ihre ausgedienten Batterien, berichtet Inside Climate News.

So schnell wie Chinas Elektroauto-Flotte wächst, so rasch nimmt auch die Zahl ausgedienter Akkus zu. Zwar besitzt das Land große und technisch moderne Recyclinganlagen. Trotzdem gelangen viele Batterien zu informellen Händlern, die höhere Preise zahlen und bei Prüfung, Demontage und Umweltschutz sparen. Dort drohen Brände, Vergiftungen und Schadstoffe in Böden und Gewässern.

Beim Batterierecycling in China wächst der Abfall rasant

China hat innerhalb weniger Jahre den größten Markt für Elektroautos geschaffen. 2018 wurden rund eine Million batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride verkauft, 2025 bereits mehr als 16 Millionen. Da Fahrzeugbatterien meist etwa acht Jahre halten, erreicht nun die erste große Generation chinesischer E-Autos das Ende ihrer Nutzungszeit. Um alte Akkus künftig besser kontrollieren zu können, führt China ein digitales Rückverfolgungssystem ein, das ihren Weg bis zum Recycling erfassen soll.

Im vergangenen Jahr fielen nach offiziellen Angaben rund 400.000 Tonnen ausgediente Fahrzeugbatterien an. Forscher aus China und den USA rechnen in einer aktuellen Studie bis 2030 mit 1,69 Millionen Tonnen. Im Jahr 2040 könnten es bereits 22,39 Millionen Tonnen sein. Alte Akkus enthalten Lithium, Kupfer, Nickel und weitere wertvolle Rohstoffe.

Illegale Betriebe zahlen deutlich höhere Preise

China baut seit 2018 ein geregeltes Rücknahmesystem auf. Mehr als 150 Unternehmen erhielten eine staatliche Zulassung. Ihre Anlagen konnten 2023 zusammen rund 623.000 Tonnen Batterien verarbeiten. Das entsprach mehr als dem Eineinhalbfachen der damals ausgemusterten Menge. Trotzdem landete nur etwa ein Viertel der Akkus bei zertifizierten Betrieben.

Eine Recherche des chinesischen Finanzmediums Yicai offenbarte weitere Lücken. Reporter versuchten, sämtliche Unternehmen auf der staatlichen Liste zu erreichen. Mehr als 100 Firmen hatten den Betrieb eingestellt oder reagierten nicht. Die Reporter bezeichneten den Kampf gegen den informellen Markt deshalb als „verlorene Schlacht“.

Informelle Recycler sparen aggressiv an der Sicherheit

Nicht zugelassene Händler bieten Fahrzeughaltern oft mehr Geld für gebrauchte Batterien. Sie sparen bei Prüfungen, Demontage und Abwasserbehandlung. Auch die Abgabe verläuft meist unkomplizierter. Zertifizierte Betriebe müssen dagegen feststellen, ob sich ein Akku noch für eine zweite Nutzung eignet. Dafür prüfen sie Batteriepacks, Module und teilweise einzelne Zellen.

Dieser Aufwand kann erheblich sein. Ein Akku des Tesla Model Y enthält beispielsweise mehr als 4.000 Zellen. Informelle Betriebe zerlegen solche Packs häufig ohne umfassende Tests. Manche Zellen gelangen anschließend in nicht genehmigte Zusatzakkus, die die Reichweite eines Fahrzeugs erhöhen sollen. Defekte oder falsch kombinierte Zellen erhöhen jedoch die Gefahr von Bränden.

Alte Akkuzellen geraten erneut auf die Straße

Im November geriet in Changzhou in der Provinz Jiangsu ein elektrischer Xiaomi SU7 in Brand. Nach Angaben des Besitzers stammte der betroffene Akku nicht aus dem Werk, heißt es im Bericht von Inside Climate News. Es habe sich um eine nachträglich eingebaute Reichweitenverlängerung gehandelt. Ob unsachgemäß geprüfte Altzellen den Brand verursachten, blieb offen.

Laixiang Sun von der University of Maryland nennt die möglichen Folgen informeller Recyclingmethoden drastisch: „Es kommt zu Vergiftungen, Explosionen und Bränden durch eine unsachgemäße Demontage von Batterien. Abwasser wird in Flüsse geleitet, Schadstoffe gelangen ins Grundwasser und verseuchen die Böden.“ Es gehe „um Gesundheit, Menschenrechte und die Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden“.

Moderne Verfahren gewinnen Rohstoffe effizient zurück

Professionelle Betriebe zerkleinern alte Akkus zu einer dunklen Pulvermischung, der sogenannten Black Mass. Sie enthält unter anderem Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit. Spezialisierte Anlagen trennen diese Materialien voneinander und bereiten sie für neue Batterien auf. Moderne Verfahren gewinnen bei einigen Rohstoffen mehr als 95 Prozent zurück.

Informelle Recycler erreichen solche Quoten meist nicht. Ihnen fehlen Maschinen, chemische Anlagen und geschulte Fachkräfte. Beschäftigte können dadurch mit giftigen Stoffen in Kontakt kommen. „Lithium, Kupfer und Nickel dürfen nicht einfach in die Umwelt gelangen“, sagt Yan Wang, Professor für Maschinenbau am Worcester Polytechnic Institute und Mitgründer des US-Recyclingunternehmens Ascend Elements.

Nach Berechnungen von Suns Forschungsteam verarbeiteten informelle Betriebe 2023 fast 270.000 Tonnen ausgediente Akkus. Ohne stärkere Kontrollen könnten es 2030 bereits 1,26 Millionen Tonnen sein. Für 2040 prognostiziert das Team 16,79 Millionen Tonnen.

Seit dem 1. April gelten in China strengere Regeln. Autohersteller müssen ausgediente Batterien stärker zurücknehmen und über zugelassene Wege entsorgen lassen. Das System ähnelt dem europäischen Batteriepass. Sun fordert dennoch weitere Schritte: „Autohersteller müssen Verantwortung übernehmen, selbst wenn dadurch die Kosten steigen.“ Auch Fahrzeughalter müssten auf einen kleinen Teil des Verkaufserlöses verzichten, statt ihre Akkus an informelle Händler abzugeben.

Kurz zusammengefasst:

  • China verfügt über große Recyclingkapazitäten, doch viele alte E-Auto-Akkus gelangen weiterhin zu nicht zugelassenen Betrieben.
  • Unsachgemäßes Zerlegen kann Brände, Vergiftungen sowie Schäden an Böden, Gewässern und der Gesundheit von Beschäftigten verursachen.
  • Strengere Rücknahmepflichten für Hersteller und kontrollierte Recyclingwege sollen mehr Batterien in zertifizierte Anlagen bringen.

Übrigens: Während China um das Recycling alter E-Auto-Akkus ringt, arbeiten Forscher bereits an der nächsten Batteriegeneration für extreme Kälte. Ein neuer Elektrolyt soll selbst bei minus 50 Grad hohe Energiedichten ermöglichen – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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