Mücken wachsen in ärmeren Vierteln schneller und größer – invasive Pflanzen helfen dabei

Das Laub invasiver Bäume lässt Mücken in ärmeren Stadtvierteln häufiger überleben und schneller heranwachsen.

Asiatische Tigermücken brauchen nur kleinste Wasseransammlungen für ihre Brut. Ihre trockenheitsresistenten Eier können dort monatelang überleben. © CDC

Asiatische Tigermücken brauchen nur kleinste Wasseransammlungen für ihre Brut. Ihre trockenheitsresistenten Eier können dort monatelang überleben. © CDC

In vielen ärmeren Stadtvierteln von Baltimore und Washington leben besonders viele Mücken. Für die Bewohner steigt damit auch das Risiko, von Arten gestochen zu werden, die Krankheiten übertragen können.

Eine mögliche Ursache wächst am Straßenrand und auf verlassenen Grundstücken: Götterbäume und Blauglockenbäume. Beide stammen ursprünglich aus Asien und breiten sich auch in Deutschland aus. Der Götterbaum gilt hier als invasive Art, der Blauglockenbaum als potenziell invasiv.

Gerade in ärmeren Vierteln finden solche schnell wachsenden Arten gute Bedingungen. Dort gibt es häufiger Brachen, leerstehende Häuser und weniger gepflegte Grünflächen. Wohlhabendere Stadtteile verfügen dagegen eher über die Mittel, heimische Bäume zu pflanzen und dauerhaft zu pflegen.

Invasive Pflanzen schaffen ideale Bedingungen für Mückenlarven

Wenn die Blätter der eingeführten Arten in alten Reifen, Eimern oder Mülltonnen verrotten, entstehen offenbar besonders günstige Bedingungen für Mückenlarven. Im Labor überlebten die Tiere häufiger, entwickelten sich schneller und wurden teilweise größer als in Wasser mit dem Laub heimischer Bäume.

Forscher der University of Maryland und des Cary Institute untersuchten die Asiatische Tigermücke und die Gemeine Stechmücke. Die Ergebnisse erschienen im Journal of Medical Entomology.

„Unsere Studie zeigte, dass die Blätter der Baumarten, die häufiger in einkommensschwachen Vierteln vorkommen, das Wachstum der Mücken messbar und deutlich begünstigten“, sagt Studienleiterin Sarah Rothman.

Laub wird zur Nahrung für Mückenlarven

Für ihre Entwicklung benötigen viele Mückenarten nur kleine Mengen stehenden Wassers. Schon ein alter Reifen, ein Blumentopf oder ein offener Abfallbehälter kann als Brutplatz dienen.

Fällt Laub hinein, beginnt es sich zu zersetzen. Dabei wachsen Bakterien und andere Mikroorganismen, von denen sich die Larven ernähren. Welche Blätter im Wasser liegen, kann deshalb beeinflussen, wie schnell und erfolgreich die Insekten heranwachsen.

Frühere Untersuchungen in US-Städten hatten ein auffälliges Muster ergeben. Wohlhabendere Viertel besitzen häufig mehr Bäume und eine größere Artenvielfalt. Besonders viele und große Mücken fanden Wissenschaftler jedoch in Wohngebieten mit niedrigeren Einkommen. Rothmans Team prüfte deshalb, ob die dort verbreiteten Baumarten zu diesem Unterschied beitragen.

Forscher testen drei Blattmischungen

Die Wissenschaftler sammelten Blätter von sechs Baumarten in Baltimore, Washington und Capitol Heights. Anschließend stellten sie drei Mischungen zusammen, die für unterschiedlich wohlhabende Wohngebiete typisch waren.

Die erste bestand aus Götterbaum und Blauglockenbaum. Beide nicht heimischen Arten waren besonders häufig in einkommensschwächeren Vierteln vertreten.

Für die zweite Mischung verwendete das Team Rot-Ahorn und Amerikanische Ulme. Diese heimischen Bäume kamen häufiger in wohlhabenderen Gegenden vor.

Die dritte Kombination enthielt Schwarznuss und Weißen Maulbeerbaum. Eine Art ist in Nordamerika heimisch, die andere wurde eingeführt. Beide waren in der gesamten Untersuchungsregion verbreitet.

Die Blätter lagen zunächst fünf Tage im Wasser. Danach setzte das Team Larven der Asiatischen Tigermücke und der Gemeinen Hausmücke in die Behälter. Einige Gefäße enthielten nur eine Art, andere beide Arten. Zudem variierten die Wissenschaftler die Zahl der Larven.

Sie erfassten, wie viele Tiere überlebten, wie lange ihre Entwicklung dauerte und welche Körpergröße die erwachsenen Mücken erreichten.

Eine Hand greift in einen Mückenbehälter: Im Labor prüften Wissenschaftler, wie verschiedene Blattmischungen Wachstum und Überleben der Tiere beeinflussen. © Edwin Remsberg / University of Maryland
© Edwin Remsberg / University of Maryland Im Labor prüften Wissenschaftler, wie verschiedene Blattmischungen Wachstum und Überleben der Tiere beeinflussen. © Edwin Remsberg / University of Maryland

Nicht heimisches Laub verbessert Entwicklung

Mischungen mit mindestens einer nicht heimischen Baumart boten den Larven bessere Bedingungen als die rein heimische Kombination aus Rot-Ahorn und Amerikanischer Ulme.

Je nach Mückenart und Besatzdichte überlebten mehr Tiere, sie erreichten früher das Erwachsenenstadium oder wurden größer. Besonders deutlich fiel der Effekt bei der Mischung aus Götterbaum und Blauglockenbaum aus, die für ärmere Wohnblöcke typisch war.

„Wachstum und Überleben der Mücken verbesserten sich deutlich, wenn sie mit Blattmischungen aufgezogen wurden, die mindestens eine nicht heimische Baumart enthielten“, sagt Mitautorin Shannon LaDeau.

Bei einer der beiden Mückenarten waren auch die Flügel länger. Die Flügellänge dient als Maß für die Körpergröße. Größere Tiere können unter bestimmten Bedingungen Krankheitserreger besser übertragen.

Blätter zerfallen unterschiedlich schnell

Die drei Mischungen unterschieden sich beim Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff, bei ihrer Zersetzungsgeschwindigkeit sowie beim Gehalt an Tanninen und Lignin. Stickstoffreiches Laub lässt sich häufig leichter abbauen. Nährstoffe können dadurch schneller ins Wasser gelangen und den Mikroorganismen früher zur Verfügung stehen.

Bei der gesamten Menge dieser Mikroorganismen fanden die Wissenschaftler allerdings keinen deutlichen Unterschied zwischen den Blattmischungen. Unklar bleibt, ob sich stattdessen ihre Zusammensetzung veränderte.

Bestimmte Bakterien oder Pilze könnten für Mückenlarven nahrhafter sein als andere. Welche Arten sich auf den verschiedenen Blättern ansiedelten, wurde in dem Versuch nicht untersucht.

Auch die gemeinsame Herkunft könnte eine Rolle spielen. Götterbaum, Blauglockenbaum und Asiatische Tigermücke stammen ursprünglich aus Asien. Die Mücke könnte an Bedingungen angepasst sein, die beim Zerfall dieser Pflanzen entstehen.

Stadtentwicklung beeinflusst das Mückenrisiko

Nach Angaben der Forscher hängt die Verteilung der Bäume auch mit jahrzehntelangen geringeren Investitionen in ärmere Stadtviertel zusammen. Dort gibt es häufiger Brachen und verlassene Grundstücke, auf denen sich schnell wachsende nicht heimische Arten ausbreiten.

„Jahrzehntelange kommunale und staatliche Unterinvestitionen in einkommensschwachen Vierteln spielen bei dieser Ungleichheit eine wichtige Rolle“, sagt LaDeau.

Heimische Bäume als Teil der Mückenbekämpfung

Ob sich Mückenbestände unter realen Bedingungen durch das Pflanzen heimischer Bäume und den Austausch nicht heimischer Arten tatsächlich verringern lassen, ist allerdings noch offen. Der Versuch fand im Labor statt. In Städten wirken zugleich Temperatur, Niederschlag, Schatten, Wasserqualität und Fressfeinde auf die Larven ein.

Weitere Untersuchungen sollen deshalb klären, ob der Effekt auch bei anderen Baumarten und direkt in Wohnvierteln auftritt.

Kurz zusammengefasst:

  • In ärmeren Vierteln von Baltimore und Washington wachsen häufiger nicht heimische Bäume, deren verrottendes Laub Mückenlarven besonders gute Bedingungen bietet.
  • Im Labor überlebten Asiatische Tigermücken und Gemeine Stechmücken mit solchen Blattmischungen häufiger, entwickelten sich schneller und wurden teils größer als mit heimischem Laub.
  • Die Ergebnisse stammen aus einem kontrollierten Versuch; ob heimische Bäume Mückenbestände in Städten tatsächlich senken, muss noch unter realen Bedingungen geprüft werden.

Übrigens: Während invasive Pflanzen Mückenlarven bessere Bedingungen bieten können, soll eine neue Lasertechnik die erwachsenen Tiere binnen Millisekunden erkennen und abschießen. Wie der „Todesstern für Stechmücken“ funktioniert, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: ©  Centers for Disease Control and Prevention (CDC) via Wikimedia unter Public Domain

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