WM 2026 als CO₂-Schleuder? Ausgerechnet die Fans treiben die Klimabilanz nach oben

Neue Cambridge-Studie zur WM 2026: Fanreisen verursachen 82 Prozent der CO₂-Emissionen, vor allem durch Flüge über Nordamerika.

Nicht das Stadion ist der größte Klimafaktor der WM 2026, sondern die Anreise: Laut Cambridge-Studie entstehen 82 Prozent der Emissionen durch Fanreisen. Nicht das Stadion ist der größte Klimafaktor der WM 2026, sondern die Anreise: Laut Cambridge-Studie entstehen 82 Prozent der Emissionen durch Fanreisen. © Unsplash

Nicht das Stadion ist der größte Klimafaktor der WM 2026, sondern die Anreise: Laut Cambridge-Studie entstehen 82 Prozent der Emissionen durch Fanreisen. © Unsplash

Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko neigt sich dem Ende zu. Erstmals traten 48 Teams an – verteilt auf mehr Spiele, mehr Stadien und längere Reisewege. Für die CO₂-Bilanz der WM 2026 zählt daher nicht nur, was in den Arenen passiert. Der größte Teil entsteht auf dem Weg dorthin: in Flugzeugen, Hotels, Fernbussen, Mietwagen und Zügen.

Eine neue Studie der Universität Cambridge liefert dazu ungewöhnlich konkrete Zahlen. Die Arbeit erschien im Fachjournal Communications Sustainability. Das Forschungsteam berechnet den CO₂-Fußabdruck der WM 2026 und vergleicht ihn mit der Europatour von Coldplay im Jahr 2024. Das Ergebnis ist klar: Stadien, Strom und Verpflegung fallen weniger ins Gewicht als die Anreise der Fans.

Bei der WM 2026 entsteht CO₂ vor allem durch Flugreisen

Für die WM 2026 kommen die Forscher auf rund 4,23 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Diese Einheit fasst verschiedene Treibhausgase zusammen und rechnet ihre Klimawirkung in CO₂ um. Rund 3,48 Millionen Tonnen entfallen laut Berechnung allein auf Reisen. Das sind 82 Prozent der gesamten Emissionen. Internationale Anreisen verursachen davon rund 3,07 Millionen Tonnen. Dazu kommen Fahrten zwischen den Austragungsorten und innerhalb der Städte.

Der größte Posten ist der Flugverkehr. Die Forscher rechnen für das Turnier mit etwa 3,4 Millionen Passagierflügen. Pro durchschnittlichem WM-Besucher entstehen rund 1,8 Tonnen CO₂-Äquivalente. Pro Eintrittskarte sind es etwa 0,6 Tonnen. Zur Einordnung ziehen die Autoren einen Vergleich: Die Emissionen der WM 2026 liegen in einer ähnlichen Größenordnung wie die jährlichen Treibhausgasemissionen Islands.

Plus 16 Prozent: Mehr Teams treiben die Klimabilanz hoch

Die Erweiterung von 32 auf 48 Mannschaften verändert die Rechnung zusätzlich. Nach dem Modell der Forscher verursacht das größere Turnier rund 594.000 Tonnen CO₂-Äquivalente mehr als ein hypothetisches 32-Team-Turnier. Das entspricht einem Plus von etwa 16 Prozent. Mehr Teams bringen mehr Spiele, mehr Reisebewegungen und mehr Übernachtungen mit sich.

Aus diesen Emissionen leiten die Forscher auch Klimakosten ab. Sie arbeiten mit einem angenommenen gesellschaftlichen CO₂-Preis von 186 Dollar pro Tonne CO₂-Äquivalent. Für die WM 2026 ergeben sich daraus rund 786,7 Millionen Dollar, also etwa 679 Millionen Euro. Würde diese Summe gleichmäßig auf alle Eintrittskarten verteilt, käme ein Aufschlag von etwa 114 Dollar heraus, umgerechnet rund 98 Euro. Einen Pauschalbetrag halten die Autoren für problematisch, weil günstige Karten dadurch viel stärker belastet würden als teure Kategorien.

Warum bei der WM 2026 CO₂ nicht nur im Stadion entsteht

Die Forscher plädieren daher für geteilte Verantwortung. Fans wählen ihr Verkehrsmittel selbst. Doch die Veranstaltung erzeugt den Reiseanlass. Veranstalter bestimmen Orte, Spielplan, Ticketpreise und mögliche Anreize. „Wirksame Klimastrategien für Mega-Events wie die Weltmeisterschaft gehen weit darüber hinaus, die Betriebsemissionen an den Veranstaltungsorten zu senken“, sagt Shaun T. Larcom von der Universität Cambridge.

Was praktisch möglich ist, zeigt der Vergleich mit Coldplay. Die Europatour der Band hätte ohne Reduktionsmaßnahmen rund 109.100 Tonnen CO₂-Äquivalente verursacht. Mit Maßnahmen sank der Wert auf etwa 58.500 Tonnen. Das entspricht einer Verringerung um rund 46 Prozent. Auch dort stammten fast alle Emissionen aus Fanreisen: 97 Prozent der Gesamtbilanz entfielen auf das Publikum.

Coldplay senkt Emissionen stark über Fanreisen

Coldplay setzte unter anderem auf Reiseinformationen, App-Funktionen und Rabatte für klimafreundlichere Anreisen. Die reisebedingten Emissionen der Fans sanken laut Studie um 48 Prozent. Rund 98 Prozent der gesamten Einsparung gingen auf freiwillige Änderungen beim Reiseverhalten zurück. Die eigene Bühnentechnik der Band fiel in der Gesamtbilanz viel weniger ins Gewicht.

Für große Sportveranstaltungen ergeben sich daraus mehrere Ansätze:

  • Rabatte für Fans, die mit Bahn, Bus oder Fahrgemeinschaft anreisen
  • Spielorte, die lange Flugstrecken möglichst reduzieren
  • höhere Klimabeiträge bei teuren Tickets statt pauschaler Aufschläge
  • Investitionen in klimafreundlichere Mobilität und seriöse CO₂-Entnahme

Die Forscher erwähnen auch eine Abgabe auf Übertragungen. Eine Gebühr von 4,50 Dollar pro Zuschauer könnte rechnerisch die Klimakosten der WM 2026 decken, also etwa 3,90 Euro. Politisch wäre das jedoch heikel.

Rabatte könnten Fans anders reisen lassen

Die Autoren stufen die WM 2026 nach ihrer Kosten-Nutzen-Rechnung nicht automatisch als untragbar ein. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Nutzen liegt in ihrem Modell über den berechneten Klimakosten. Die Bilanz fällt aber weit knapper aus als bei Coldplay. Bei höheren CO₂-Kosten könnte ein Turnier in dieser Form rechnerisch an Grenzen stoßen.

„Live-Unterhaltung hat Folgen für die Umwelt“, sagt Jascha Servi, einer der Erstautoren. Mega-Events verdienen viel Geld und erreichen ein riesiges Publikum. Daraus entsteht aus Sicht der Forscher eine besondere Verantwortung. Ihr Vorschlag lautet nicht, Fans vom Stadion fernzuhalten. Sie fordern, Reisen als Teil der Veranstaltung zu behandeln. Für die Klimabilanz großer Turniere zählt daher nicht nur, wie gespielt wird, sondern auch, wie Millionen Menschen dorthin kommen.

Kurz zusammengefasst:

  • Die WM 2026 verursacht laut Cambridge-Studie rund 4,23 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. 82 Prozent davon entstehen durch Fanreisen, vor allem durch Flüge.
  • Die Erweiterung auf 48 Teams erhöht die Klimabilanz um etwa 594.000 Tonnen CO₂-Äquivalente, weil mehr Spiele, Reisen und Übernachtungen anfallen.
  • Die Forscher sehen die Verantwortung nicht allein bei den Fans: Veranstalter könnten mit besseren Spielorten, Rabatten für eine klimafreundliche Anreise und fairen Ticketmodellen die Emissionen deutlich senken.

Übrigens: Nach dem Aus der DFB-Elf zeigt sich, wie eng WM-Stimmung und Fanartikel zusammenhängen – ohne sportlichen Erfolg landen Trikots, Schals und Fahnen seltener im Einkaufswagen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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