Großbritannien plant 14 Mini-Atomkraftwerke – Strom für fast acht Millionen Haushalte

Ein Konsortium will in Großbritannien 14 kleine modulare Reaktoren (SMR) bauen. Ab 2034 sollen sie Strom für acht Millionen Haushalte liefern.

SGE setzt bei seinen Mini-Atomkraftwerken auf die Technologie von GE Hitachi. Die modularen Reaktoren sollen künftig Strom und Wärme in Polen, Großbritannien und Mitteleuropa liefern.

SGE setzt bei seinen Mini-Atomkraftwerken auf die Technologie von GE Hitachi. Die modularen Reaktoren sollen künftig Strom und Wärme in Polen, Großbritannien und Mitteleuropa liefern. © SGE

Vierzehn neue Reaktoren, drei Standorte, Strom für fast acht Millionen Haushalte: In Großbritannien nimmt ein privater Atomplan Gestalt an, der deutlich größer ausfällt als viele bisherige SMR-Projekte. Die Anlagen sollen zusammen 4,2 Gigawatt Leistung erreichen. Der erste Reaktor könnte 2034 kommerziell Strom liefern.

Nach Angaben von SGE, einer in Warschau ansässigen europäischen Entwicklungsplattform für kleine modulare Reaktoren, soll die geplante Flotte rund elf Prozent des britischen Strombedarfs abdecken. Die Kraftwerke sollen mindestens 60 Jahre laufen. Hinter dem Vorhaben steht ein Konsortium aus mehreren Industrie- und Energiefirmen. Geplant sind Reaktoren des Typs BWRX-300 von GE Vernova Hitachi.

Warum Großbritannien 14 Mini-Atomkraftwerke plant

Das Konsortium plant die Reaktoren nicht als Einzelprojekte an verstreuten Orten. Stattdessen soll eine ganze Flotte baugleicher Anlagen entstehen. Drei Standorte sind vorgesehen. Am ersten sollen sechs Reaktoren gebaut werden, zwei weitere Standorte sollen danach folgen.

Die Wiederholung gehört zum Kern des Plans. Die Reaktoren sollen nach demselben Muster entstehen, mit möglichst einheitlichen Bauteilen, Abläufen und Bauplänen. So will das Konsortium schneller bauen, Risiken verringern und die Kosten besser kalkulierbar machen. SGE-Chef Rafał Kasprów sagt: „Standardisierung, Wiederholung, Modularisierung und eine Flottenstrategie sind die wirksamsten Wege, um neue Atomprojekte erfolgreich umzusetzen.“

Zum Einsatz kommen soll der BWRX-300 von GE Vernova Hitachi. Dabei handelt es sich um einen kleinen modularen Siedewasserreaktor mit rund 300 Megawatt Leistung pro Einheit. Vierzehn Reaktoren würden zusammen auf 4,2 Gigawatt kommen. Damit könnte das Projekt einen relevanten Anteil zur künftigen Stromversorgung Großbritanniens beitragen.

BWRX-300 soll besonders schnell vorankommen

Der BWRX-300 hat in Großbritannien bereits einen Teil der Prüfung durchlaufen. Im Dezember 2025 schloss der Reaktortyp die zweite Stufe der britischen Generic Design Assessment ab. Beteiligt waren die Environment Agency, das Office for Nuclear Regulation und Natural Resources Wales. Laut SGE fanden die Prüfer keine grundlegenden Mängel bei Sicherheit, Sicherung oder Umweltschutz, die einen Einsatz in England und Wales verhindern würden.

In Kanada ist die Technik schon weiter. Am Standort Darlington in Ontario wird ein BWRX-300 gebaut. GE Vernova Hitachi nennt ihn den ersten kommerziellen SMR im Bau in der westlichen Welt. Für SGE dient das Projekt als praktischer Nachweis, dass die Technik nicht nur auf dem Papier existiert. Jason Cooper, Chef von GE Vernova Hitachi Nuclear Energy, sagt, der Reaktor biete „Vertrauen, das aus echter Projekterfahrung entsteht“.

Das britische Vorhaben soll privat finanziert werden. SGE plant nach eigenen Angaben eine Entwicklung über das britische Contract-for-Difference-Modell. Auch der National Wealth Fund ist eingebunden. Verbraucher sollen laut Unternehmen erst zahlen, wenn die Reaktoren Strom erzeugen.

Bis zum ersten Strom bleiben viele Fragen offen

Der Zeitplan sieht mehrere offene Schritte vor. Im November 2026 soll das Projekt in die Advanced Nuclear Pipeline aufgenommen werden. Bis Mitte 2027 sollen die Standorte feststehen und die Gespräche über staatliche Unterstützung abgeschlossen sein. Danach könnten Investitionen, Standortvorbereitung und Genehmigungen beginnen.

Zum Konsortium gehören neben SGE und GE Vernova Hitachi unter anderem Samsung C&T, Laing O’Rourke, Aecon Group, Fermi Development und Etara. Auch ein Atomkraftwerksbetreiber soll beteiligt sein. Für das Projekt in Großbritannien hat SGE eine eigene Gesellschaft gegründet: SGE SMR UK Limited.

SGE-Gründer Michał Sołowow verweist auf die britische Lieferkette. „Wir werden uns stark auf die britische Lieferkette stützen; sie ist ein entscheidender Teil unseres Projekts“, sagt er. Welche Standorte ausgewählt werden und wie die staatliche Unterstützung konkret aussieht, ist bislang offen.

Auch alte Kohlekraftwerke werden für Mini-Reaktoren geprüft

SGE ist nicht der einzige Akteur, der in Großbritannien auf Mini-Atomkraftwerke setzt. In Nottinghamshire soll das frühere Kohlekraftwerk Cottam zu einem Standort für neue Kerntechnik werden. Dort plant das US-Unternehmen Holtec gemeinsam mit EDF Energy einen kleinen modularen Reaktor vom Typ SMR-300.

Der Vorteil: Alte Kraftwerksflächen bringen oft bereits Netzanschlüsse, Infrastruktur und Industrieflächen mit. Britische Behörden haben das Reaktordesign in einer wichtigen Prüfphase bewertet und keine grundlegenden Mängel festgestellt. Ganz abgeschlossen ist das Verfahren aber nicht: 14 Punkte muss Holtec noch weiter ausarbeiten.

Kurz zusammengefasst:

  • Großbritannien plant 14 kleine modulare Atomreaktoren an drei Standorten, die zusammen 4,2 Gigawatt Leistung erreichen und Strom für fast acht Millionen Haushalte liefern könnten.
  • Zum Einsatz kommen soll der BWRX-300 von GE Vernova Hitachi, ein kleiner modularer Siedewasserreaktor mit rund 300 Megawatt Leistung pro Einheit.
  • Noch sind Standorte, Genehmigungen, Finanzierung und staatliche Unterstützung offen; nach dem Zeitplan des Konsortiums könnte der erste Reaktor 2034 Strom liefern.

Übrigens: Nicht nur Großbritannien setzt bei der Suche nach verlässlichem Strom auf Mini-Atomkraftwerke. Auch Schweden plant neue Reaktoren – mit Rolls-Royce-Technik und möglicher Signalwirkung für Europas Energiepolitik. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © SGE

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