Gefürchteter Jäger wird zum Gärtner der Everglades: Python verändert Floridas Sümpfe
Die Burma-Python in Florida tötet Tiere und verbreitet dabei Samen. Eine Studie zeigt, wie tief sie die Everglades verändert.
Eine Python aus der Nähe: In Florida verändert die invasive Burma-Python nicht nur die Tierwelt, sondern kann laut Studie auch Pflanzensamen verbreiten. © Pexels
Fast sechs Meter lang und 57 Kilogramm schwer: 2023 fingen Forscher im Big Cypress National Preserve in den Everglades die bislang längste weibliche Burma-Python Floridas. Doch die eigentliche Gefahr liegt nicht in ihrer Größe. Die Riesenschlange stammt aus Südostasien, wurde vermutlich über ausgesetzte Haustiere eingeschleppt und frisst sich seither durch ein empfindliches Ökosystem. Selbst ausgewachsene Hirsche stehen auf ihrem Speiseplan.
Die Burma-Python gilt in Florida längst als Symbol für ein Problem, das außer Kontrolle geraten ist. In den Everglades setzt sie heimische Tiere massiv unter Druck. Eine neue Studie beschreibt nun eine zweite, weniger sichtbare Folge: Die Schlange frisst Vögel und Säugetiere, die zuvor Früchte aufgenommen haben. So gelangen Samen in ihren Verdauungstrakt. Manche überstehen diesen Weg und können später keimen.
Die Studie erschien im Fachjournal Journal of Zoology. Beteiligt waren Forscher der Universität von Florida und des U.S. Geological Survey. Felddaten lieferte das Python-Team der Conservancy of Southwest Florida. Die Arbeit untersucht, wie invasive Reptilien die Verbreitung von Pflanzensamen in den Greater Everglades verändern. Neben der Burma-Python geht es auch um den Argentinischen Schwarzweißen Teju, eine eingeschleppte Echsenart.
So wird der Jäger zum Gärtner
Pflanzen sind bei der Ausbreitung oft auf Tiere angewiesen. Vögel und Säugetiere fressen Früchte, bewegen sich durch die Landschaft und scheiden die Samen später aus. Auf diese Weise erreichen Pflanzen neue Standorte. Wenn ein großer Räuber solche Tiere frisst, kann er einen Teil dieser Rolle übernehmen, ohne selbst Pflanzen zu fressen. Die Forscher sprechen bei der Python deshalb von sekundärer Samenverbreitung. Die Schlange frisst ein Tier, das bereits Samen im Magen oder Darm trägt. Am Ende können sie an einem anderen Ort wieder in die Umwelt gelangen.
In den Proben aus Verdauungstrakten von Pythons fanden die Wissenschaftler 25 verschiedene Samentypen. Darunter waren heimische Pflanzen der Everglades wie Kohlpalme und Kriechgurke. Beim Argentinischen Schwarzweißen Teju fanden sie sogar 73 Samentypen. Insgesamt erfasste das Team Samen aus 38 Pflanzenfamilien.
Fast 40 Prozent der Kohlpalmen-Samen keimten wieder
Besonders anschaulich wird der Befund bei der Kohlpalme. Nach Angaben der Conservancy of Southwest Florida überstanden fast 40 Prozent der untersuchten Samen den Weg durch den Darm einer Python und keimten später. Damit ist die Samenverbreitung durch die Schlange nicht nur eine theoretische Möglichkeit.
Für das empfindliche Ökosystem der Everglades kann das mehrere Folgen haben. Die Samen können von heimischen Arten stammen, aber auch von eingeschleppten Pflanzen. Ein fragiles Feuchtgebiet kann sich dadurch verändern. Für Renaturierung und Naturschutz wird es zunehmend schwieriger, die Folgen der Python-Ausbreitung abzuschätzen.
Die Studie beschreibt drei Wege, über die invasive Reptilien die Pflanzenwelt verändern können:
- Sie fressen selbst Früchte und verteilen Samen direkt.
- Sie fressen Tiere, bevor diese Samen weitertragen können.
- Sie fressen Tiere, die bereits Samen aufgenommen haben, und verteilen diese später indirekt.
Beim Teju steht der erste Weg stärker im Vordergrund, weil die Echse als Allesfresser auch Früchte frisst. Bei der Python wirkt vor allem der dritte Weg. Sie bleibt ein Räuber, wird aber nebenbei zu einem Transportmittel für Samen.
Die Everglades verlieren wichtige Samenverteiler
Die Rolle der Python wiegt auch deshalb so schwer, weil sie andere Tiere aus dem System drängt. In Teilen Südfloridas sind die Populationen vieler kleinerer und mittelgroßer Säugetiere stark zurückgegangen. Einige dieser Arten tragen zur Samenverbreitung bei. Wenn sie fehlen, verändern sich nicht nur Beutebeziehungen, sondern auch Wege der Pflanzenverbreitung.
Die Forscher schreiben der Python keine nützliche Rolle im einfachen Sinn zu. Der Befund macht das Problem eher komplexer. Die Schlange frisst heimische Tiere, verändert Nahrungsketten und kann Samen an andere Orte bringen. Dadurch mischt sie sich tiefer in ökologische Abläufe ein, als es bei einem reinen Blick auf gefressene Beutetiere sichtbar wird.
„Invasive Arten formen Ökosysteme auf eine Weise um, die nicht immer offensichtlich ist“, heißt es bei der Conservancy of Southwest Florida. Der Satz passt zu der neuen Studie, weil die Folgen für Boden, Pflanzenbestände und der Verteilung von Arten erst mit Verzögerung deutlich werden.
Naturschützer müssen genau hinschauen
Für das ökologische Management der Everglades reicht es nicht, nur die Zahl gefangener Pythons zu erfassen. Die Studie legt nahe, dass invasive Reptilien inzwischen tief in Netzwerke der Samenverbreitung eingebunden sind.
Für den Schutz der Everglades als größte subtropische Wildnis der USA und einzigartiges Ökosystem ist das ein praktisches Problem. Wenn Naturschützer geschädigte Lebensräume wiederherstellen wollen, müssen sie wissen, welche Pflanzen sich ausbreiten und welche Tiere daran beteiligt sind. In den Everglades gehört die Burma-Python inzwischen offenbar zu diesem System, obwohl sie dort nie heimisch war.
Kurz zusammengefasst:
- Die Burma-Python in Florida frisst Vögel und Säugetiere, die zuvor Früchte aufgenommen haben, und kann dadurch Samen weitertragen.
- Laut Studie fanden Forscher 25 verschiedene Samentypen in Python-Proben; bei fast 40 Prozent der Kohlpalmen-Samen gelang später die Keimung.
- Die invasive Riesenschlange verändert damit nicht nur die Tierwelt der Everglades, sondern kann auch beeinflussen, welche Pflanzen sich in dem empfindlichen Ökosystem ausbreiten.
Übrigens: Nicht nur auf das Ökosystem der Everglades haben invasive Arten mittlerweile einen großen Einfluß, auch in Europa verändern und bedrohen tierische Einwanderer Natur, die Tierwelt und auch uns Menschen. Mehr dazu in unserem Artikel.
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