CO₂-Emissionen: Flughafen Frankfurt gehört zu den schlimmsten der Welt

Der Flughafen Frankfurt zählt weltweit zu den größten CO₂-Verursachern. Europas Luftfahrt stößt wieder mehr Kohlendioxid aus als vor Corona.

Am Flughafen Frankfurt starten und landen täglich Hunderte Maschinen. Laut der Analyse gehört das Drehkreuz weltweit zu den Flughäfen mit dem höchsten CO₂-Ausstoß.

Am Flughafen Frankfurt starten und landen täglich Hunderte Maschinen. Laut der Analyse gehört das Drehkreuz weltweit zu den Flughäfen mit dem höchsten CO₂-Ausstoß. © Wikimedia

Wer heute in Europa fliegt, verursacht oft mehr Emissionen als vor der Corona-Pandemie. Obwohl Airlines sparsamere Maschinen einsetzen und seit Jahren klimafreundlichere Konzepte ankündigen, steigt der CO₂-Ausstoß der Luftfahrt weiter an. Besonders große Drehkreuze belasten das Klima inzwischen in einer Größenordnung, in der sonst ganze Staaten rangieren.

Der Flughafen Frankfurt gehört dabei zu den größten Verursachern weltweit. Das geht aus einer internationalen Analyse des Thinktanks ODI Global hervor, die gemeinsam mit Transport & Environment und Daten des International Council on Clean Transportation erstellt wurde. Untersucht wurden mehr als 1300 Flughäfen und deren Auswirkungen auf Klima und Luftqualität.

Europas Flughäfen verursachen enorme CO₂-Emissionen

Frankfurt kam demnach im Jahr 2023 auf rund 14,4 Millionen Tonnen CO₂. Damit liegt Deutschlands größter Flughafen weltweit auf Platz acht der klimaschädlichsten Flughäfen. Vor Frankfurt rangieren unter anderem Dubai, London Heathrow und Los Angeles.

Die Spitzenwerte fallen enorm aus:

  • Dubai verursachte 23,2 Millionen Tonnen CO₂
  • London Heathrow kam auf 21 Millionen Tonnen
  • Los Angeles erreichte 18,8 Millionen Tonnen

Auffällig ist vor allem Europas Rolle. Die untersuchten Flughäfen in Europa verursachten mehr CO₂ als sämtliche analysierten Flughäfen in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten zusammen. Viele der größten Drehkreuze liegen in dicht besiedelten Regionen mit besonders hohem Flugaufkommen.

Nach Corona steigen die Emissionen wieder stark an

Während der Pandemie standen Flugzeuge am Boden. Die Hoffnung vieler Klimaforscher: Die Branche könnte die Pause nutzen, um ihren CO₂-Ausstoß dauerhaft zu senken. Die neuen Zahlen erzählen jedoch eine andere Geschichte.

Der Guardian berichtete auf Grundlage einer T&E-Analyse, dass Europas Luftfahrt 2025 wieder mehr CO₂ ausstieß als vor der Pandemie. Insgesamt entstanden bei abgehenden Flügen rund 195 Millionen Tonnen CO₂. Das entspricht einem Plus von zwei Prozent gegenüber 2019.

Vor allem Billigfluglinien wachsen stark weiter. Ryanair verursachte 2025 laut Analyse rund 16,6 Millionen Tonnen CO₂ und damit etwa 50 Prozent mehr als vor der Pandemie. Zum Vergleich: Das liegt in der Größenordnung der jährlichen Emissionen Kroatiens mit rund 3,9 Millionen Einwohnern. Die Airline transportierte im selben Jahr nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen Passagiere.

CO2-Emissionen steigen trotz neuer Flugzeuge

Viele Fluggesellschaften verweisen auf moderne Maschinen mit geringerem Treibstoffverbrauch. Doch der technische Fortschritt reicht bislang nicht aus, um das starke Wachstum des Flugverkehrs auszugleichen.

Hinzu kommt, dass Langstreckenflüge besonders viel Kerosin verbrauchen. Große internationale Drehkreuze wie Frankfurt, Heathrow oder Dubai profitieren wirtschaftlich stark vom weltweiten Transitverkehr. Für das Klima bedeutet das jedoch hohe Belastungen.

Nur 100 Flughäfen verursachen laut der Analyse rund zwei Drittel aller CO₂-Emissionen aus Passagierflügen weltweit. Die Belastung konzentriert sich damit auf vergleichsweise wenige Standorte.

Sebastian Bock von Transport & Environment Deutschland kritisiert die Entwicklung deutlich. „Wir heizen ungezügelt das Klima an, wenn wir Flughäfen weiter ausbauen, ohne vehement in die klimaneutrale Luftfahrt zu investieren. In den meisten europäischen Hauptstädten und Regionen halten wirtschaftliche Ausbau-Argumente den neuesten Fakten nicht mehr stand“, sagt er.

Auch Sam Pickard von ODI Global sieht die Branche auf problematischem Kurs. „Seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 haben wir beobachtet, wie viele Sektoren ihre Emissionen schrittweise gesenkt haben, während die Luftfahrtemissionen stetig gestiegen sind.“

Nicht nur CO₂ belastet Regionen rund um Flughäfen

Die Analyse beschränkt sich nicht auf Treibhausgase. Der sogenannte „Airport Tracker“ erfasste zusätzlich Stickoxide, Kohlenmonoxid, Feinstaub und weitere Schadstoffe, die rund um Flughäfen entstehen.

Vor allem in Ballungsräumen macht sich das bemerkbar. London gilt laut den Daten in mehreren Kategorien als größter Verursacher flughafenbedingter Umweltverschmutzung in Europa. Dort verteilen sich die Emissionen auf gleich mehrere große Flughäfen.

Viele Schadstoffe entstehen direkt beim Starten und Landen der Maschinen. Dazu kommen Emissionen durch Bodenverkehr, Wartung und den Transport von Passagieren und Fracht.

Kritik gibt es außerdem am europäischen Emissionshandelssystem. Es erfasst bislang vor allem Flüge innerhalb Europas. Interkontinentalflüge, die besonders viel Treibstoff verbrauchen, fallen häufig nicht darunter.

Kurz zusammengefasst:

  • Frankfurt zählt laut ODI Global weltweit zu den zehn Flughäfen mit den höchsten CO₂-Emissionen; 2023 waren es rund 14,4 Millionen Tonnen.
  • Europas Luftfahrt stößt inzwischen wieder mehr CO₂ aus als vor Corona, obwohl Airlines sparsamere Flugzeuge und klimafreundlichere Konzepte ankündigen.
  • Große Drehkreuze belasten nicht nur das Klima, sondern auch die Luftqualität vor Ort – etwa durch Stickoxide, Feinstaub und weitere Schadstoffe.

Übrigens: Nicht nur Flughäfen reißen große Lücken in die Klimabilanz – auch Kläranlagen stoßen weltweit deutlich mehr Treibhausgase aus als bislang gemeldet. Bis zu 150 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente fehlen jedes Jahr in offiziellen Berichten. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Ubahnverleih via Wikimedia unter CC0 1.0

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