Die Grippeinfektion schon in der Nase stoppen – Nasenimpfstoffe hindern Viren am Eindringen
Immunzellen in der Nase können Grippeviren bremsen, bevor eine Infektion entsteht. Darum könnten Nasenimpfstoffe laut einer neuen Studie künftig wichtiger werden.
Immungedächtniszellen in der Nase bremsen Grippeviren früh und können vor schweren Verläufen schützen. © Magnific
Eine Infektion mit Grippeviren beginnt in der Nase. Noch bevor Fieber oder Husten auftreten, läuft dort schon die erste Abwehr. In der Nasenschleimhaut treffen Grippeviren auf spezialisierte Immunzellen, die sie am Eindringen hindern – hier setzt das Prinzip von Nasenimpfstoffen an.
Neue Erkenntnisse zeigen, wie stark dieser frühe Schutz den Verlauf einer Infektion beeinflussen kann. Die sogenannten Gedächtniszellen reagieren schneller als viele andere Teile des Immunsystems. Sie greifen ein, bevor sich das Virus im Körper vermehren kann. Der Schutz entsteht damit nicht erst im Blut, sondern direkt am Einfallstor des Körpers, der Nase.
Ein Nasenimpfstoff könnte Grippe früh ausbremsen
Eine aktuelle Studie der Universität von Göteborg untersucht dieses Abwehrsystem in der Nase genauer. Die Forscher kombinierten Mausversuche mit Proben gesunder Erwachsener und fanden dabei dieselben Grippe-spezifischen Gedächtniszellen direkt in der Nasenschleimhaut – genau dort, wo das Virus zuerst auf den Körper trifft.
„Wir zeigen, dass CD4-Gedächtniszellen nach einer Grippeinfektion im Nasengewebe verbleiben und sich schnell reaktivieren, wenn das Virus zurückkehrt“, erklärt Nimitha R. Mathew von der Sahlgrenska Academy. „Das bedeutet, dass das Immunsystem direkt am Eintrittsort des Virus reagieren kann.“
Diese frühe Reaktion hat klare Folgen: Die Virusmenge bleibt niedriger, das Risiko für einen schweren Verlauf sinkt. Hier setzen Überlegungen für neue Impfstoffe an. Ein Nasenimpfstoff könnte gezielt diesen Bereich stärken.
Schnelle Abwehr reagiert früh und bleibt lange aktiv
Gedächtniszellen entstehen innerhalb weniger Tage nach einer durchgemachten Infektion. Bereits zehn Tage später lassen sie sich nachweisen. Viele dieser Zellen bleiben über Monate hinweg im Gewebe. Doch ihre Aktivität verändert sich mit der Zeit:
- Anfangs sind rund 60 Prozent der Zellen aktiv und teilen sich
- Später sinkt dieser Anteil auf etwa 10 bis 15 Prozent
Trotzdem bleiben sie einsatzbereit. Kommt das Virus erneut mit dem Körper in Berührung, reagieren sie sofort. Sie hindern die Viren an der Vermehrung direkt in der Nase. Dadurch gelangen weniger Viren in tiefere Atemwege.
Immunzellen schützen auch vor neuen Varianten
Ein wichtiger Vorteil zeigt sich bei veränderten Grippeviren, den sogenannten Virusvarianten. Klassische Antikörper verlieren an Wirkung, wenn sich die Oberfläche des Virus verändert. Die Gedächtniszellen arbeiten anders. Sie erkennen die stabilen Bestandteile des Virus, die auch nach einer Mutation noch bestehen.
So bleibt ein Teil des Schutzes erhalten, selbst wenn sich Varianten verbreiten. In den Versuchen ließ sich beobachten, dass diese Zellen die Virusvermehrung auch bei veränderten Viren kontrollieren konnten.
Nasenimpfstoff wirkt gezielter als klassische Impfung
Die meisten Impfstoffe werden in den Muskel gespritzt. Sie stärken vor allem die Abwehr im Blut. Der direkte Schutz in der Nase bleibt dabei begrenzt. Ein Nasenimpfstoff könnte diese Lücke schließen:
- Aufbau von Abwehrzellen direkt in der Nasenschleimhaut
- Schnellere Reaktion beim ersten Kontakt mit dem Virus
- Geringere Ausbreitung im Körper
Immunzellen schützen das Gewebe und damit vor weiteren Infektionen
Neben der Virusabwehr schützen einige dieser Immunzellen auch das Gewebe. In den Versuchen mit Mäusen zeigte sich, dass sie Schäden in der Nasenschleimhaut mindern können.
Fehlen diese Zellen, steigt die Virusmenge und Gewebeschäden nehmen zu. „Diese Zellen können die Virusvermehrung begrenzen und gleichzeitig Gewebeschäden reduzieren“, erklärt Davide Angeletti von der Sahlgrenska Academy. Die Immunreaktion der Gedächtniszellen wirkt also doppelt: Sie bremst das Virus und stabilisiert die Schleimhaut. Eine intakte Nasenschleimhaut schützt wiederum besser vor anderen Infektionen.
Viele Menschen tragen diesen Schutz bereits in sich
Die Analysen der Nasenschleimhaut gesunder Erwachsener zeigten vorhandene Abwehrmechanismen durch Gedächtniszellen. Gut 63 Prozent verfügten bereits über eine Abwehrreaktion in der Nase. 79,5 Prozent der Untersuchten reagierten im Blut auf Virusbestandteile.
Entscheidend für eine gute Immunreaktion ist aber nicht nur die Stärke, sondern auch ihr Einsatzort. Eine Abwehrreaktion in der Nase setzt an, bevor sich das Virus im Körper vermehren kann. Das bringt gesundheitliche Vorteile:
- geringere Viruslast
- mildere Symptome
- geringeres Risiko für schwere Verläufe
„Viele Menschen haben solche Gedächtniszellen bereits in der Nase, aber sie reichen nicht immer aus, um das Virus vollständig zu stoppen“, sagt Angeletti. Bezogen auf die Entwicklung von Nasenimpfstoffen folgert er: „Entscheidend ist, dass wir jetzt wissen, welche Zellen das Virus am Eintrittsort begrenzen können.“
Kurz zusammengefasst:
- In der Nasenschleimhaut sitzen Gedächtniszellen, welche die Grippeviren am Eindringen hindern und die Virusmenge im Körper reduzieren.
- Diese Immunzellen bleiben lange aktiv, reagieren auch auf veränderte Viren und schützen zusätzlich das Gewebe vor Schäden.
- Ein Nasenimpfstoff gegen Grippe könnte diese lokale Abwehr gezielt stärken und Infektionen deutlich früher stoppen.
Übrigens: Während Immunzellen in der Nase eine Grippe früh bremsen, kann das Immunsystem bei einer COVID-Infektion im Alter nicht so gut schützen. In der Lunge können veränderte Gewebezellen Entzündungen verstärken und schwere Verläufe begünstigen. Mehr dazu in unserem Artikel.
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