Warum Tiere auf der ganzen Welt im gleichen Takt kommunizieren
Ob Glühwürmchen, Vogelruf oder Popmusik – viele Signale folgen demselben Takt, weil Nervenzellen Reize in diesem Rhythmus besonders effizient wahrnehmen.
In Thailand beobachtete Verhaltensforscher Guy Amichay blinkende Glühwürmchen und zirpende Grillen, die im gleichen Takt sendeten – ein erster Hinweis auf den gemeinsamen Rhythmus der Tierkommunikation. (Symbolbild) © Unsplash
Tierische Kommunikation könnte unterschiedlicher kaum sein: Von Blinken, über Zirpen und Rufen oder auffälligen Bewegungen ist alles dabei. In all dieser Vielfalt zeigt sich jedoch eine Gemeinsamkeit: Viele dieser Signale wiederholen sich in einem ähnlichen Tempo. In der Tierkommunikation liegt dieses Tempo häufig bei etwa zwei Impulsen pro Sekunde. Dieser Rhythmus taucht auch beim Menschen immer wieder auf.
Der Grund liegt im Gehirn. Nervenzellen verarbeiten Reize in festen Zeitabständen. Stimmen Signal und Verarbeitung überein, lassen sich Informationen leichter erkennen. Eine Studie im Fachjournal PLOS Biology, an der auch die Northwestern University beteiligt ist, geht diesem Zusammenhang nach.
Tierkommunikation folgt oft einem engen Taktbereich
Die Auswertung hat ergeben: Viele Signale im Tierreich liegen zwischen 0,5 und 4 Hertz. Das entspricht einem halben bis vier Impulsen pro Sekunde. Besonders häufig liegt der Wert bei etwa 2 Hertz. Dieses Muster zieht sich durch sehr unterschiedliche Arten und Lebensräume. Dazu gehören:
- Glühwürmchen mit Lichtsignalen
- Grillen und Frösche mit Lauten
- Vögel mit Balz- und Rufmustern
- Säugetiere, einschließlich des Menschen
Die Bandbreite ist groß. Laut Studie umfasst sie Tiere mit stark unterschiedlichen Körpergrößen und Kommunikationsformen. Trotzdem bleibt der Takt ähnlich. „Es gibt offenbar viele Organismen, die in einem relativ engen Tempobereich kommunizieren. Sie bleiben meist bei etwa 2 oder 3 Hertz“, erklärt Studienleiter Guy Amichay.
Ein Zufall in Thailand bringt die Forschung ins Rollen
Der Ausgangspunkt liegt in einer Beobachtung im Freien. In Thailand filmte ein Forschungsteam blinkende Glühwürmchen. Gleichzeitig zirpten in der Umgebung Grillen. Beide Signale wirkten zunächst abgestimmt.
Die Analyse zeigt später ein anderes Bild. Die Tiere waren nicht synchron. Ihre Signale lagen jedoch fast im gleichen Tempo. Beide bewegten sich bei etwa 2,4 Hertz, mit nur rund zehn Prozent Unterschied. Amichay erinnert sich: „Wir dachten, es sei verrückt, dass zwei völlig unterschiedliche Arten auf diese Weise zusammenwirken könnten.“
Diese Beobachtung führte zu einer größeren Auswertung. Insgesamt wurden zahlreiche Studien und Datensätze untersucht. Ergänzend prüfte das Team Tierlaute aus einer Datenbank. Dafür sichteten die Forscher 124 Aufnahmen, um 50 passende Beispiele auszuwählen.
Das Gehirn bestimmt, welcher Takt funktioniert
Die Erklärung liegt nicht bei den Tieren selbst, sondern bei ihren Empfängern. Nervenzellen arbeiten in festen Zeitfenstern. Sie brauchen meist einige hundert Millisekunden, um Signale zu verarbeiten. Daraus ergibt sich ein bevorzugter Rhythmus. Signale in diesem Bereich lassen sich besonders gut erkennen. „Wir vermuten, dass dieses Tempo leichter zu verstehen ist, weil es mit dem Gehirn in Resonanz geht – beim Menschen, bei Glühwürmchen oder bei Fröschen“, so Amichay.
Auch Studienautor Daniel M. Abrams erklärt die Rolle des Grundtakts: „Der richtige Takt ist entscheidend für effiziente Kommunikation. Er dient als Basis, damit Signale überhaupt Aufmerksamkeit bekommen.“
Um diese Idee zu testen, bauten die Forscher ein Modell aus einfachen neuronalen Netzwerken. Das Ergebnis ist eindeutig. Diese Netzwerke reagieren am stärksten auf Signale im Bereich von etwa 2 Hertz.
Warum 2 Hertz auch beim Menschen vertraut klingt
Der Befund endet nicht bei Tieren. Auch beim Menschen taucht dieser Rhythmus regelmäßig auf. Viele bekannte Songs liegen bei etwa 120 Schlägen pro Minute. Das entspricht genau 2 Hertz. Auch andere Abläufe passen dazu:
- Schritte beim Gehen
- Sprachrhythmus im Alltag
- einfache Bewegungen
„Dieser Rhythmus passt zu unserem Körper. Wir gehen ungefähr in diesem Takt, deshalb lässt sich zu Musik mit 2 Hertz leicht tanzen“, erklärt Amichay.
Nicht alle Arten halten sich an diesen Takt
Der enge Taktbereich kommt häufig vor, ist aber kein Gesetz. Einige Tiere senden deutlich schneller. Dazu zählen etwa Buschgrillen, die Signale mit 11 bis 14 Hertz erzeugen, sowie bestimmte Fledermäuse, deren Rufe ebenfalls in diesem schnellen Bereich liegen. Solche Beispiele zeigen, dass Tiere grundsätzlich auch andere Tempi nutzen können. Dennoch bleibt der Bereich um wenige Impulse pro Sekunde für viele Arten typisch, weil er sich für das Gehirn besonders gut verarbeiten lässt.
Für die Auswertung wurden nur Signale berücksichtigt, die klar und regelmäßig wiederholt wurden. Ein Signal musste dafür mindestens fünf Mal in ähnlichem Abstand auftreten. Zudem durften die Zeitabstände nur leicht schwanken, maximal um etwa ein Viertel. Diese festen Kriterien stellen sicher, dass die Ergebnisse zuverlässig vergleichbar sind.
Der Rhythmus sorgt dafür, dass Signale überhaupt ankommen
Der Takt erfüllt eine grundlegende Funktion. Er bildet die Basis, auf der Informationen übertragen werden. Ähnlich wie in der Musik gibt der Rhythmus den Rahmen vor.
„Der Takt selbst trägt nicht unbedingt die Information, sondern schafft die Grundlage, damit Signale effizient erkannt werden“, sagt Abrams. Viele Arten könnten theoretisch schneller oder langsamer senden. Physikalisch wäre das möglich. Trotzdem bleiben sie oft in diesem engen Bereich.
Kurz zusammengefasst:
- In der Tierkommunikation wiederholen sich viele Signale in einem engen Bereich von etwa 0,5 bis 4 Hertz, besonders häufig um 2 Hertz – unabhängig von Art, Lebensraum oder Signalform.
- Dieser gemeinsame Takt hängt mit dem Gehirn zusammen: Nervenzellen verarbeiten Reize am besten in diesem Tempo, weshalb Signale in genau diesem Bereich leichter wahrgenommen werden.
- Der gleiche Rhythmus taucht auch beim Menschen auf, etwa in Sprache, Gehen und Musik (ca. 120 Beats pro Minute), und bildet damit eine grundlegende Struktur für verständliche Kommunikation.
Übrigens: So wie Tiere oft im gleichen Takt kommunizieren, sehen sie ihre Umwelt ganz anders als wir – viele erkennen sogar unsichtbares UV-Licht. Neue Kameratechnik macht diese verborgenen Farbsignale erstmals realistisch sichtbar. Mehr dazu in unserem Artikel.
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