El Niño 2026: NOAA sieht das Klimaphänomen ab Juni bis August zurückkehren

Die US-Klimabehörde NOAA prognostiziert ab Sommer steigende Chancen für El Niño. Das Klimaphänomen könnte die Erderwärmung zusätzlich antreiben.

Luftbildaufnahme der Pazifikküste in Oregon

Die wahrscheinliche Rückkehr des Pazifik-Klimaphänomens El Niño könnte die Klimakrise zusätzlich verschärfen. © Unsplash

Klimarekorde entstehen nicht nur, weil die Erde sich durch Treibhausgase immer weiter aufheizt. Es gibt auch natürliche Klimamuster, die diesen Trend zusätzlich verstärken. Das könnte nun wieder passieren. Im Pazifik mehren sich die Anzeichen für ein neues El-Niño-Ereignis, das sich nach aktuellen Prognosen im Sommer 2026 entwickeln könnte. Sollte es dazu kommen, würde das die globale Temperatur weiter nach oben treiben. In vielen Weltregionen stiege dann das Risiko für Dürren, Starkregen, Waldbrände und Krankheiten.

Eine aktuelle Mitteilung der US-Behörde NOAA deutet darauf hin, dass die kühlere La-Niña-Phase voraussichtlich im April ausläuft. Danach dürfte zunächst ein neutraler Zustand folgen. Ab dem Sommer wächst dann die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño zurückkehrt.

NOAA und Columbia erwarten El Niño ab Sommer

Nach Angaben der NOAA liegt die Wahrscheinlichkeit für El Niño zwischen Juni und August bei 62 Prozent. Im Herbst steigt sie auf 80 Prozent. Auch das Klimainstitut der Columbia University hält eine Rückkehr schon im Sommer für sehr wahrscheinlich und nennt ebenfalls 80 Prozent. Offen ist weiter, wie stark das Ereignis am Ende ausfallen würde.

Der Grund ist einfach: El Niño erwärmt große Teile des äquatorialen Pazifiks. Weil der Pazifik rund ein Viertel der Erdoberfläche bedeckt, bleibt dieser Effekt nicht auf eine Region begrenzt. Im Mittel steigt die globale Temperatur dann um 0,2 bis 0,3 Grad Celsius. Das klingt nach wenig, ist im Klimasystem aber viel.

Der vorherige El Niño von 2023 bis 2024 war der fünftstärkste seit Beginn der Messungen. Er erreichte kein Extremniveau, trug aber dazu bei, dass 2024 erstmals mehr als 1,5 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit erreicht wurden. Der Ozeanograf Matthieu Lengaigne sagt laut Le Monde: „Wenn sich El Niño in diesem Jahr bildet, ist man nahezu sicher, dass das nächste Jahr das wärmste sein wird und erneut über 1,5 Grad Erwärmung liegt.“ Gemeint ist vor allem 2027.

Ab Juni bis August 2026 steigt die Wahrscheinlichkeit für El Niño laut NOAA auf 62 Prozent – und das Klimaphänomen könnte bis mindestens Ende 2026 anhalten. © NOAA
NOAA Ab Juni bis August 2026 steigt die Wahrscheinlichkeit für El Niño laut NOAA auf 62 Prozent – und das Klimaphänomen könnte bis mindestens Ende 2026 anhalten. © NOAA

So deutet sich El Niño 2026 im Pazifik an

Noch wirkt im tropischen Pazifik La Niña. Diese Phase steht meist für kühlere Bedingungen im zentralen und östlichen Pazifik. Laut NOAA hielt sie auch im Februar 2026 an. Gleichzeitig nehmen unter der Oberfläche die Hinweise auf einen Wechsel zu.

Die Temperaturen in tieferen Wasserschichten steigen. Zudem schwächen sich die Passatwinde ab. Sie treiben warmes Wasser normalerweise in Richtung Asien. Lengaigne beschreibt die Lage so: „Man beobachtet eine Ansammlung warmer Wassermassen unter der Oberfläche des westlichen Pazifiks sowie eine Abschwächung der Passatwinde.“

Wenn diese Winde schwächer werden, verlagert sich mehr warmes Wasser in Richtung Mitte und Osten des Pazifiks. Dort verstärkt es die Erwärmung weiter. Deshalb richtet sich der Blick nun besonders auf die Monate Juni bis August.

Wie kräftig El Niño am Ende ausfallen könnte, bleibt offen. Für Oktober bis Dezember sieht die NOAA eine Chance von etwa eins zu drei für ein starkes Ereignis. Als stark gilt El Niño ab einem Niño-3.4-Index von mindestens plus 1,5 Grad.

Dürren und Starkregen könnten vielerorts zunehmen

El Niño verändert Wettermuster in vielen Regionen der Welt. In Australien, Indonesien und weiten Teilen Südostasiens steigt oft die Gefahr trockener Bedingungen. Monsunregen können schwächer ausfallen. Das erhöht das Risiko für Dürre und Waldbrände.

In anderen Regionen fällt eher mehr Regen. Teile Südamerikas, das Horn von Afrika und Zentralasien müssen dann häufiger mit Starkregen und Überschwemmungen rechnen. Auch Korallenriffe geraten stärker unter Druck, weil warmes Meerwasser Bleichen beschleunigen kann.

Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten. Im Zusammenhang mit El Niño werden immer wieder Dengue und Cholera genannt. Außerdem verändern sich die Bedingungen für tropische Wirbelstürme. Im zentralen und östlichen Pazifik kann ihre Bildung begünstigt werden, im Atlantik eher nicht.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Zwischen Juni und August 2026 liegt die El-Niño-Wahrscheinlichkeit laut NOAA bei 62 Prozent.
  • Im Herbst steigt sie auf 80 Prozent.
  • El Niño tritt im Mittel alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert meist neun bis zwölf Monate.
  • Im globalen Durchschnitt kommen 0,2 bis 0,3 Grad Celsius zusätzliche Erwärmung hinzu.
  • Für Oktober bis Dezember 2026 sieht die NOAA eine Chance von etwa eins zu drei für ein starkes Ereignis.

Warum Europa die Folgen trotzdem spüren kann

Europa gehört nicht zu den Regionen mit den stärksten direkten El-Niño-Effekten. Hier überlagern andere Wettermuster, vor allem aus dem Atlantik, den Einfluss des Pazifiks. Ganz außen vor bleibt der Kontinent trotzdem nicht.

Wenn in wichtigen Anbauregionen Dürre oder Überschwemmungen zunehmen, trifft das auch Ernten, Lieferketten und Preise. Dazu kommen Belastungen für Versicherungen, Infrastruktur und humanitäre Hilfe, wenn Extremereignisse weltweit schwerer ausfallen.

Michelle L’Heureux von der NOAA betont einen wichtigen Punkt: „Da El Niño schon vor seinen wichtigsten Wirkungsmonaten vorhergesagt werden kann, können sich die Menschen darauf vorbereiten.“ Anders als ein plötzliches Unwetter kündigt sich dieses Klimamuster oft Monate vorher an.

Für die nächsten Monate gilt derzeit dieser Ablauf:

  • La Niña dürfte im April enden.
  • Von Mai bis Juli 2026 wird zunächst ein neutraler ENSO-Zustand mit 55 Prozent Wahrscheinlichkeit erwartet.
  • Danach könnte El Niño entstehen und laut NOAA bis mindestens Ende 2026 anhalten.

Ein möglicher El Niño träfe auf eine Welt, die durch Treibhausgase ohnehin schon stark erwärmt ist. Diese Kombination erhöht den Druck auf das Klima in den Jahren 2026 und 2027.

Kurz zusammengefasst:

  • El Niño könnte 2026 zurückkehren und die Erderwärmung zusätzlich anheizen. Laut NOAA steigen die Chancen dafür ab dem Sommer deutlich.
  • Das Phänomen erwärmt den Pazifik und kann die globale Temperatur um 0,2 bis 0,3 Grad erhöhen. Dadurch wachsen weltweit Risiken wie Dürre, Starkregen, Brände und Krankheiten.
  • Europa trifft El Niño meist nicht direkt, die Folgen können trotzdem ankommen. Schlechtere Ernten, höhere Preise und gestörte Lieferketten wären auch hier spürbar.

Übrigens: Während El Niño womöglich schon bald neue Wetterextreme verschärft, zeigt eine Nature-Studie, dass der Meeresspiegel an vielen Küsten offenbar höher liegt als lange berechnet – mit womöglich größeren Risiken für Millionen Menschen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert