Knie knacken beim Treppensteigen? Wann das Geräusch harmlos ist – und wann nicht 

Ein Knacken im Knie bedeutet nicht automatisch Arthrose. Eine große Analyse mit über 36.000 Personen ordnet das Risiko ein.

Person geht eine Treppe runter

Beim Beugen oder Strecken des Gelenks kann ein hörbares Knacken im Knie entstehen. Besonders beim Treppensteigen oder Aufstehen aus dem Sitzen wird dieses Geräusch häufig wahrgenommen. © Pexels

Schon ein kurzes Geräusch im Gelenk kann verunsichern. Wenn es beim Gehen, Aufstehen oder Treppensteigen im Knie knackt, denken viele sofort an Verschleiß oder Arthrose. Die Sorge ist nachvollziehbar, denn das Knie gilt als empfindliches Gelenk und trägt Tag für Tag große Belastungen. Doch nicht jedes Knacken im Knie ist ein Warnsignal.

Eine große Auswertung im British Journal of Sports Medicine, die 103 Studien zusammenführt, ordnet das verbreitete Geräusch deutlich genauer ein.

Knacken im Knie ist weit verbreitet

Der medizinische Fachbegriff für hörbare oder fühlbare Geräusche im Knie, etwa ein Knacken, Knirschen oder Reiben, lautet Knie-Crepitus. Eine große Analyse mit 42.816 untersuchten Kniegelenken zeigt, wie verbreitet dieses Phänomen ist. In der allgemeinen Bevölkerung berichten 41 Prozent über solche Geräusche. Bei Menschen mit diagnostizierter Kniearthrose liegt der Anteil sogar bei 81 Prozent. Doch auch bei anderen Knieproblemen tritt das Geräusch häufig auf.

In der Studie heißt es: „Knie-Crepitus war in der allgemeinen Bevölkerung, bei schmerzfreien Personen sowie bei Menschen mit Kniearthrose und anderen muskuloskelettalen Knieerkrankungen verbreitet.“ Das bedeutet: Das Geräusch allein sagt wenig über den Gesundheitszustand des Gelenks aus.

Erhöhtes Arthrose-Risiko – aber mit Einschränkungen

Die Forscher untersuchten auch den Zusammenhang mit radiologisch nachweisbarer Arthrose. Menschen mit Crepitus hatten statistisch eine mehr als dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit für entsprechende Veränderungen im Röntgenbild. Die sogenannte Odds Ratio lag bei 3,79.

Das klingt dramatisch, ist aber differenziert zu betrachten. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Evidenzqualität niedrig bis sehr niedrig sei. Ein statistischer Zusammenhang bedeutet nicht automatisch, dass das Geräusch eine Erkrankung verursacht oder zuverlässig ankündigt. Viele Menschen mit Knacken im Knie entwickeln nie Beschwerden.

Warum das Knie Geräusche macht

Was genau im Gelenk passiert, wenn es knirscht oder knackt, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Mehrere Erklärungen stehen im Raum:

  • Kleine Gasbläschen in der Gelenkflüssigkeit können platzen
  • Sehnen oder Bänder gleiten über Knochenvorsprünge
  • Unregelmäßigkeiten im Knorpel erzeugen Reibungsgeräusche

Bislang fehlt ein eindeutiger Beweis für eine dieser Theorien. Auch die große Meta-Analyse liefert keine abschließende Ursache. Wichtig ist deshalb der Blick auf Begleitsymptome. Das Geräusch allein besitzt nur begrenzte Aussagekraft. Ärztliche Abklärung empfiehlt sich, wenn neben dem Knacken weitere Beschwerden auftreten. Dazu zählen:

  • Schmerzen
  • Schwellungen
  • Instabilität oder Wegknicken
  • Blockadegefühle im Gelenk
  • Deutlich eingeschränkte Beweglichkeit

Treten solche Symptome auf, sollte das Gelenk untersucht werden. Fehlen sie, bleibt das Geräusch in vielen Fällen harmlos.

Bewegung bleibt wichtig – trotz Geräusch

Viele Menschen schonen ihr Knie aus Angst vor Schäden. Das kann jedoch langfristig nachteilig sein. Muskeln stabilisieren das Gelenk. Regelmäßige Bewegung erhält die Knorpelversorgung. Da Crepitus so weit verbreitet ist – auch bei gesunden Menschen, gilt das Geräusch allein nicht als zuverlässiger Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung.

Entscheidend ist das Gesamtbild: Schmerz, Funktion und Belastbarkeit. Ein stilles Treppenhaus wird möglicherweise weiterhin vom Knacken begleitet. Doch für die meisten bedeutet das Geräusch keinen drohenden Gelenkverschleiß.

Kurz zusammengefasst:

  • Knacken im Knie ist weit verbreitet und meist harmlos: Eine große Auswertung von 103 Studien mit 36.439 Teilnehmern zeigt, dass 41 Prozent der Menschen solche Geräusche kennen – selbst 36 Prozent ohne Schmerzen oder Verletzung.
  • Das Geräusch allein beweist keine Arthrose: Zwar tritt Knieknacken bei 81 Prozent der Menschen mit Arthrose auf und ist statistisch mit einem erhöhten Risiko verbunden, doch die Evidenz ist laut Autoren „gering bis sehr gering“ und viele Betroffene bleiben beschwerdefrei.
  • Wichtig sind Begleitsymptome und Funktion: Treten keine Schmerzen, Schwellungen oder Instabilität auf, gilt das Knacken meist als harmloses Alltagsphänomen – Bewegung und Muskelkräftigung bleiben sinnvoll und schützen das Gelenk langfristig.

Übrigens: Was beim Menschen als Zivilisationskrankheit gilt, trifft längst auch Hunde, Kühe und sogar Wildfische – Übergewicht, Diabetes und Tumoren nehmen weltweit zu. Warum Umwelt, Zucht und moderner Lebensstil Tiere krank machen, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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