Steckt im Steak ein Schutzfaktor? – US-Studie prüft Zusammenhang zwischen Kreatin und Krebs

US-Daten von 25.879 Erwachsenen zeigen: Mehr Kreatin in der Ernährung war mit niedrigerer Krebsrate verbunden – vor allem im höheren Alter.

Mann beißt in ein Stück Fleisch

Kreatin steckt vor allem in Fleisch und Fisch – in der US-Analyse war eine höhere Aufnahme über die Ernährung mit einer etwas geringeren Krebswahrscheinlichkeit verbunden. © Pexels

Krebserkrankungen zählen in Europa und den USA weiterhin zu den führenden Todesursachen. Für das Jahr 2024 verzeichneten die Vereinigten Staaten rund zwei Millionen Neuerkrankungen und mehr als 600.000 Todesfälle. Deshalb gehen Forscher der Frage nach: Hat das, was täglich auf dem Teller liegt, Einfluss auf das persönliche Risiko? Ein Stoff sorgt in diesem Zusammenhang für neue Aufmerksamkeit – Kreatin. Bekannt aus der Fitnessszene, steckt es vor allem in Fleisch und Fisch. Viele Sportler nehmen es zusätzlich als Pulver ein, um ihre Muskeln zu stärken oder schneller zu regenerieren. Eine große Analyse fand nun Hinweise darauf, dass Menschen mit höherer Kreatinaufnahme seltener an Krebs erkranken.

Grundlage sind Daten aus einer großen US-Gesundheitsuntersuchung mit rund 26.000 Erwachsenen. Etwa 10 Prozent der Teilnehmenden gaben an, bereits an Krebs erkrankt zu sein. Im Schnitt waren sie etwa 50 Jahre alt.

Große Bevölkerungsdaten liefern neue Einblicke

Entscheidend war die Frage: Wie viel Kreatin nehmen Menschen über ihre normale Ernährung auf? Dafür werteten die Forschenden zwei Ernährungsprotokolle aus, in denen die Teilnehmenden jeweils angaben, was sie innerhalb von 24 Stunden gegessen hatten. Kreatin kommt fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor – vor allem in Rindfleisch, Geflügel und Fisch.

Im Durchschnitt nahmen die Teilnehmenden täglich 0,12 Gramm Kreatin auf. Männer kamen auf etwa 0,14 Gramm, Frauen auf rund 0,10 Gramm. Anschließend teilte das Forschungsteam alle Personen in vier Gruppen ein – von sehr geringer bis zu vergleichsweise hoher Kreatinaufnahme.

Der Unterschied war messbar:

  • In der Gruppe mit der niedrigsten Aufnahme hatten 10,7 Prozent eine Krebsdiagnose.
  • In der Gruppe mit der höchsten Aufnahme waren es 9,2 Prozent.
  • Mit jeder moderaten Steigerung der Kreatinmenge sank die Krebswahrscheinlichkeit statistisch um etwa 5 Prozent.
  • Insgesamt lag sie im höchsten Viertel um 16 Prozent niedriger als im niedrigsten.

Das sind keine dramatischen Unterschiede. Aber es zeigt sich ein klarer Zusammenhang.

Männer und Ältere profitieren stärker

Bei Männern zeigte sich der Zusammenhang klarer als bei Frauen. Schon kleine Unterschiede bei der Kreatinmenge – rund 0,09 Gramm pro Tag – gingen bei Männern mit etwa 7 Prozent geringerer Krebswahrscheinlichkeit einher. Bei Frauen ließ sich dieser Zusammenhang nach genauer statistischer Berechnung nicht mehr sicher nachweisen.

Auch das Körpergewicht spielte eine Rolle. Übergewichtige Teilnehmende hatten bei höherer Kreatinaufnahme eine um etwa 8 Prozent niedrigere Krebswahrscheinlichkeit. Bei Untergewichtigen zeigte sich dagegen ein gegenteiliger Trend: Hier war das Risiko deutlich höher. Das ist ein auffälliger Befund, der genauer untersucht werden muss.

Beim Alter wurde der Unterschied besonders sichtbar. Ab etwa 52 Jahren war eine höhere Kreatinaufnahme mit einer um bis zu 14 Prozent niedrigeren Krebswahrscheinlichkeit verbunden. Bei jüngeren Erwachsenen fiel dieser Zusammenhang deutlich schwächer aus.

Alter bleibt der große Treiber

So interessant die Ergebnisse zu Kreatin auch sind – der mit Abstand wichtigste Risikofaktor bleibt das Alter. Mit zunehmenden Lebensjahren stieg die Krebswahrscheinlichkeit stark an. Rein statistisch vervielfachte sie sich mit jeder größeren Altersstufe deutlich.

Besonders klar wird das im direkten Vergleich der Altersgruppen:

  • Menschen zwischen 20 und 36 Jahren dienten als Referenz.
  • Bei den 66- bis 80-Jährigen war die Krebswahrscheinlichkeit mehr als 18-mal so hoch.

Das zeigt: Entscheidend ist vor allem das Alter – nicht Kreatin und nicht ein einzelnes Lebensmittel.

Was passiert im Körper?

Kreatin wird im Körper aus Aminosäuren gebildet. In den Muskeln hilft es dabei, schnell Energie bereitzustellen – deshalb ist es im Sportbereich so beliebt. Außerdem soll Kreatin Zellen vor schädlichen Sauerstoffverbindungen schützen und Entzündungen im Körper abschwächen.

Für die Studienergebnisse liefert dies den Autoren zufolge vermutlich auch mögliche biologische Erklärungen. Kreatin könnte demnach Prozesse beeinflussen, die mit der Krebsentstehung in Verbindung stehen. Allerdings zeigen die Daten nur einen statistischen Zusammenhang – sie beweisen nicht, dass Kreatin Krebs verhindert.

Statistischer Zusammenhang – aber kein Beweis für Schutz

Von 100 Erwachsenen in dieser Untersuchung hatten etwa 10 eine Krebsdiagnose. In der Gruppe mit höherer Kreatinaufnahme waren es eher 9. Ein Unterschied, aber kein dramatischer.

Die Analyse berücksichtigte viele Faktoren: Rauchen, Alkoholkonsum, Bluthochdruck, Diabetes, Bildungsstand sowie Blei- und Cadmiumwerte im Blut. Trotzdem bleibt es eine Beobachtungsstudie. Manche Teilnehmende könnten nach einer Krebsdiagnose ihre Ernährung geändert haben. Nahrungsergänzungsmittel wurden nicht gesondert ausgewertet.

Wie viel Kreatin braucht der Körper – und wo steckt es drin?

Der Körper benötigt täglich etwa zwei Gramm Kreatin. Rund ein Gramm stellt er selbst in Leber, Niere und Bauchspeicheldrüse her. Ein weiteres Gramm stammt üblicherweise aus der Nahrung – vor allem aus Hering, Rindfleisch, Schweinefleisch, Lachs oder Geflügel. Pflanzliche Lebensmittel enthalten praktisch kein Kreatin, Milch nur sehr geringe Mengen.

Beim Braten oder Kochen geht ein Teil verloren, da Kreatin hitzeempfindlich ist. Für gesunde Erwachsene gelten Mengen von drei bis fünf Gramm täglich als gut untersucht und allgemein sicher. Menschen mit Nierenerkrankungen sollten vor einer zusätzlichen Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Kurz zusammengefasst:

  • Bei 25.879 Erwachsenen war eine höhere Kreatinaufnahme aus Fleisch und Fisch mit einer etwas niedrigeren Krebsrate verbunden – der Unterschied lag bei rund einem Prozentpunkt.
  • Der Zusammenhang zeigte sich vor allem bei Männern, Übergewichtigen und Menschen über 50 Jahren; bei Frauen war er nicht eindeutig.
  • Der wichtigste Faktor bleibt das Alter: Menschen zwischen 66 und 80 Jahren hatten ein deutlich höheres Krebsrisiko als junge Erwachsene – Kreatin ist, wenn überhaupt, nur ein kleiner Baustein im Gesamtbild.


Übrigens: Während eine große US-Analyse Kreatin mit einer geringeren Krebswahrscheinlichkeit in Verbindung bringt, zeigt eine weitere Studie, dass hohe Dosen den müden Kopf nach einer schlaflosen Nacht kurzfristig leistungsfähiger machen können. Wie Kreatin unter Extrembedingungen Reaktionszeit und Aufmerksamkeit verbessert – und warum das kein Alltagstrick ist, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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