Frauen tragen ihr Herzinfarkt-Risiko früher im Körper als Männer

Studie mit über 4.000 Teilnehmenden zeigt: Bei Frauen steigt das Herzinfarkt-Risiko schon bei geringerer Plaque-Belastung als bei Männern.

Frau greift sich an die Brust

Schon geringere Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen können bei Frauen das Risiko für Herzinfarkt oder instabile Angina deutlich erhöhen. © Freepik

Auch bei Frauen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache. Trotzdem hält sich die Vorstellung, sie seien durch weniger Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen besser geschützt. Neue Daten widersprechen. Das Herzinfarkt-Risiko beginnt bei Frauen offenbar früher als gedacht. Weniger Plaque heißt nicht weniger Gefahr.

Eine Analyse von 4.267 Patienten (Durchschnittsalter gut 60 Jahre, darunter 2.199 Frauen) zeigt: Frauen haben seltener und in geringerem Umfang Ablagerungen als Männer – erleiden aber ähnlich häufig schwere Herzereignisse. Die Studie erschien im Fachjournal Circulation: Cardiovascular Imaging der American Heart Association (AHA).

Über 4.200 Patienten gut zwei Jahre begleitet

Die Daten stammen aus der großen PROMISE-Studie. Eingeschlossen waren Menschen mit anhaltenden Brustschmerzen, aber ohne bekannte koronare Herzkrankheit.

Alle Teilnehmenden erhielten eine CT-Untersuchung der Herzkranzgefäße. Danach beobachteten die Ärzte ihren Gesundheitsverlauf für durchschnittlich 26 Monate. Erfasst wurden Todesfälle, nicht-tödliche Herzinfarkte und Krankenhausaufenthalte wegen instabiler Angina – also einer gefährlichen Form von Brustschmerz.

Frauen haben deutlich weniger Ablagerungen

Die Unterschiede sind klar:

  • Plaque in den Herzgefäßen fanden Ärzte bei 55 Prozent der Frauen
  • Bei Männern lag der Anteil bei 75 Prozent
  • Das mittlere Volumen der Ablagerungen betrug bei Frauen 78 mm³
  • Bei Männern waren es 156 mm³

Frauen hatten also im Schnitt nur etwa halb so viel Plaque wie Männer. Trotzdem kam es zu schweren Herz-Ereignissen bei 2,3 Prozent der Frauen und 3,4 Prozent der Männer. Angesichts der deutlich geringeren Ablagerungen ist dieser Unterschied kleiner als erwartet.

Das Risiko steigt bei Frauen früher

Entscheidend ist nicht nur, wie viel Plaque vorhanden ist – sondern ab welchem Punkt es gefährlich wird. Bei Frauen begann das Risiko bereits dann zu steigen, wenn rund 20 Prozent des Gefäßquerschnitts durch Ablagerungen betroffen waren. Bei Männern lag diese Schwelle bei 28 Prozent.

Noch deutlicher wird der Unterschied bei stärkerer Belastung: Ein deutlich erhöhtes Risiko erreichten Frauen bereits bei etwa 32 Prozent Plaque-Anteil. Bei Männern wurde dieser Bereich erst bei rund 42 Prozent erreicht.

Auch bei weichen, nicht verkalkten Ablagerungen zeigte sich das gleiche Muster. Hier stieg das Risiko bei Frauen früher an als bei Männern. Die Unterschiede blieben bestehen, selbst wenn klassische Risikofaktoren wie Blutdruck, Cholesterin oder Diabetes statistisch berücksichtigt wurden.

„Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass Frauen trotz geringerer Plaquemengen nicht vor koronaren Ereignissen geschützt sind“, sagte Studienautor Borek Foldyna von der Harvard Medical School.

Biologie macht den Unterschied

Ein möglicher Grund liegt in der Anatomie. Frauen haben im Durchschnitt kleinere Herzkranzgefäße. Schon kleinere Ablagerungen können dort den Blutfluss stärker beeinträchtigen. „Diese Ergebnisse sind ein weiteres wichtiges Beispiel dafür, warum wir anerkennen müssen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen Männer und Frauen sehr unterschiedlich betreffen können“, sagte Stacey E. Rosen, Präsidentin der American Heart Association.

Laut aktuellen Zahlen der Organisation starben in einem Jahr 433.254 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das entspricht 47,3 Prozent aller kardiovaskulären Todesfälle. Die Studie zeigt damit vor allem eines: Weniger Ablagerung bedeutet für Frauen nicht automatisch weniger Gefahr. Werte, die bei Männern noch moderat erscheinen, können bei Frauen bereits kritisch sein.

Kurz zusammengefasst:

  • Frauen haben im Schnitt weniger Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen als Männer, doch ihr Risiko für Herzinfarkt oder instabile Angina ist nahezu ähnlich hoch.
  • Kritisch wird es bei Frauen früher: Schon ab etwa 20 Prozent Gefäßverengung steigt das Risiko messbar, bei Männern erst ab rund 28 Prozent.
  • Entscheidend ist die Biologie: Kleinere Herzgefäße können bewirken, dass selbst moderate Ablagerungen bei Frauen schneller gefährlich werden.

Übrigens: Während neue Daten zeigen, dass Frauen schon bei geringerer Plaque-Belastung ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko tragen, steigt bei Männern das Gesamtrisiko bereits ab Mitte 30 deutlich an – oft Jahre vor ersten Symptomen. Warum sich die Risiken so unterschiedlich entwickeln und was das für die Vorsorge bedeutet, lesen Sie in unserem Artikel.

Bild: © Freepik

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