In ihrer Gewichtsklasse zählt jeder Schritt – Elefanten planen ihre Touren strategisch
Afrikanische Elefanten sind erstaunlich gut darin, ihr Gelände abzuschätzen und auf Reisen die energieeffizienteste Route zu wählen.

Elefanten überqueren den Ewaso (Uaso) Nyiro-Fluss im Samburu-Wildreservat, Kenia. Die Elefantenkuh, die die Gruppe anführt, trägt ein Halsband zur Ortung per Funk. © Adobe Stock / M. Burgess
Elefanten planen ihre Reisen sorgfältig und sparen Energie, wo immer möglich: Sie bevorzugen dabei Gelände, das wenig Kraftaufwand erfordert. Diese neuen Erkenntnisse stammen aus einer Studie des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Universität Oxford. Forscher analysierten dazu 22 Jahre lang (1998–2020) GPS-Daten von 157 afrikanischen Elefanten im Norden Kenias.
Die Tiere sind bekanntlich riesige Pflanzenfresser und müssen daher täglich große Mengen kalorienarmer Nahrung zu sich nehmen. Gleichzeitig ist es für Elefanten enorm kräftezehrend, weite Landschaften auf Nahrungssuche zu durchstreifen – mit jedem Schritt steigt schließlich ihr Energieverbrauch. Deshalb versuchen Elefanten stets, möglichst effiziente Wege zu wählen.
Es werden noch weitere Untersuchungen nötig sein, um vollständig zu verstehen, wie ein Elefant seinen Lebensraum nutzt. Aber durch diese Studie kennen wir nun ein wesentliches Entscheidungskriterium für die Bewegungsmuster von Elefanten: Energie zu sparen, wann immer es möglich ist.
Professor Fritz Vollrath, Universität Oxford
Elefanten wählen Gelände gezielt aus
Laut der Studie bevorzugten 94 Prozent der beobachteten Elefanten flaches Gelände und mieden steile Hänge oder unwegsame Gebiete. Dies deutet laut den Forschern darauf hin, dass Elefanten sich ihrer Umgebung bewusst sind und Kosten-Nutzen-Entscheidungen treffen, um immer die energieeffizienteste Route zu wählen.
Auch bei der Nahrungssuche handeln Elefanten strategisch. Rund 93 Prozent der Tiere bewegten sich bevorzugt in Regionen mit viel Vegetation und gutem Wasserzugang. Dennoch sind ihre Entscheidungen komplex: Einige Tiere blieben stets nahe an Wasserstellen, andere zogen weitere Strecken. Das deutet darauf hin, dass die Tiere je nach individuellen Bedürfnissen unterschiedliche Strategien verfolgen.
Geschwindigkeit bestimmt Routenwahl deutlich
Je schneller sich Elefanten fortbewegen, desto gezielter meiden sie anspruchsvolles Gelände. Bewegten sie sich langsam, vermieden nur 74 Prozent schwierige Wege. Bei mittlerer Geschwindigkeit waren es bereits 87 Prozent, bei schnellem Tempo sogar 93 Prozent.
Um die Bewegungen der Tiere genauer zu analysieren, nutzte das Forschungsteam eine neue Methode namens ENERSCAPE. Dieses Modell berechnet die Energie, die Elefanten abhängig von Gewicht und Gelände verbrauchen. Die Forscher kombinierten diese Daten dann mit Satellitenbildern. So konnten sie Vegetation und Wasserverfügbarkeit in die Berechnungen einfließen lassen und die Entscheidungen der Elefanten nachvollziehen.
Individuelle Vorlieben bei Wasser und Nahrung
Zusätzlich nutzten die Wissenschaftler statistische Verfahren, sogenannte Stufenauswahlfunktionen. Damit verglichen sie Orte, die Elefanten tatsächlich besuchten, mit anderen möglichen, aber nicht gewählten Regionen. Auf diese Weise identifizierte das Team, welche Umweltfaktoren Elefanten in ihren Entscheidungen besonders beeinflussen.
Die Resultate dieser Studie könnten erheblich zum Artenschutz beitragen – etwa, indem sie dabei helfen, Schutzgebiete besser auszuweisen und mögliche Konflikte zwischen Menschen und Elefanten zu reduzieren.
Klimawandel beeinflusst Elefanten-Routen
In Zukunft wollen die Forscher ihr Modell weiterentwickeln. Dabei berücksichtigen sie zusätzliche Faktoren wie saisonale Schwankungen, Störungen durch Menschen und Auswirkungen des Klimawandels. Diese könnten das Verhalten der Tiere verändern. Gerade der Klimawandel spielt eine große Rolle, da er sowohl die Verfügbarkeit von Nahrung und Wasser als auch den Energieverbrauch der Tiere beeinflusst.
Diese neuen Ergebnisse haben erhebliche Auswirkungen darauf, wie Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen, wie z. B. Wildtierkorridore, geplant und bewertet werden, indem sie die Bewegungsenergie explizit berücksichtigen.
Dr. Emilio Berti, Wissenschaftler bei iDiv und der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Kurz zusammengefasst:
- Afrikanische Elefanten planen ihre Routen gezielt, indem sie Gelände mit geringem Energieaufwand bevorzugen und schwierige Wege meiden.
- Je schneller Elefanten sich fortbewegen, desto stärker achten sie darauf, auf ihren Reisen anstrengendes Gelände zu umgehen.
- Diese Erkenntnisse helfen Forschern, Schutzgebiete besser festzulegen und Konflikte zwischen Menschen und Elefanten zu vermeiden.
Übrigens: Auch andere Tiere verblüffen Forscher mit ihrem Reiseverhalten – Hammerhaie. Die vermeintlichen Dauerwanderer der Meere verzichten freiwillig auf weite Strecken. Warum die Haie plötzlich sesshaft werden, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Adobe Stock / M. Burgess
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