Sanierung oder Neubau: Was ist besser für die Umwelt?

Die Sanierung eines Altbaus spart viel CO2, ein Neubau punktet meist mit Energieeffizienz: Die Vor- und Nachteile für das Klima im Überblick.

Sanierung Neubau

Wer sich den Traum vom Eigenheim erfüllen will, sollte sich auch Gedanken über die Klimabilanz dieses Unterfangens machen. © Unsplash

Was ist klimafreundlicher: Die Sanierung alter Häuser oder doch eher ein Neubau? Ersteres kann zwar viel CO2 einsparen, Neubauten überzeugen hingegen oft mit besserer Energieeffizienz. Beide Ansätze haben also ihre Vor- und Nachteile, und die richtige Entscheidung hängt von vielen Faktoren ab.

Einer der wichtigsten ist die sogenannte „graue Energie“, die in alten Häusern steckt. So bezeichnet man die Energiemenge, die zur Herstellung und zum Transport der Baumaterialien benötigt wird – sie ist quasi der „CO2-Fußabdruck“ eines Gebäudes. Da man bei der Sanierung eines alten Hauses weniger Material benötigt als bei einem Abriss mit anschließendem Neubau, ist eine Sanierung in der Regel nicht nur mit einem geringeren Kostenaufwand verbunden – mit ihr lässt sich auch viel graue Energie einsparen. Lydia Haak, Präsidentin der Architektenkammer Bayern, erklärte diesen Sachverhalt gegenüber dem Bayerischen Rundfunk wie folgt:

Um ein Gebäude zu errichten, habe ich Transportenergie und Herstellungskosten für Materialien, bis der Neubau fertig ist. Wenn ich abreiße und neu baue, dann vernichte ich diese Energie und verbrauche auch noch Energie dadurch, dass ich die Materialien entsorgen muss.

Ein sanierter Altbau kann – abhängig vom Zustand des Gebäudes – bis zu 90 Prozent der bisher verbrauchten Heizenergie einsparen. Weitere Vorteile sind die Erhaltung der Bausubstanz und damit auch der von vielen geliebte „Altbau-Charme“, sowie der reduzierte Flächenverbrauch – vorausgesetzt, dass ein Neubau an einer bis dato unbebauten Stelle stattfinden würde. Die so freigebliebene Fläche dient dann im besten Fall zum CO2-Ausgleich.

Herausforderungen der Sanierung

Trotz klarer Vorteile kann eine Sanierung einen aber auch vor große Herausforderungen stellen: Viele Hausbesitzer fürchten hohe Kosten durch unvorhersehbare Probleme, wie zum Beispiel Schadstoffe in der Bausubstanz. Kostet die Sanierung eines Altbaus mehr als ein Neubau, dann macht es für die meisten Menschen keinen Sinn, ihn zu erhalten.

Zudem bieten auch Neubauten klare Vorteile gegenüber sanierten Altbauten: Sie sind oft energieeffizienter, nutzen erneuerbare Energien besser und sind bedarfsgerecht planbar. Ein neues Haus ist meist optimal gedämmt und mit modernen Heizsystemen ausgestattet, was im Altbau schwierig oder sogar unmöglich ist. Auch Grundrisse und Wohnflächen kann man beim Neubau flexibler und effizienter gestalten. Viele alte Häuser sind als Mehrgenerationenhäuser konzipiert und fallen für heutige Familien ohnehin viel zu groß aus.

Der Standort als entscheidender Faktor

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Standort: Altbauten liegen oft zentraler, was kürzere Wege und weniger Autoverkehr bedeutet. Neubauten hingegen entstehen häufig am Stadtrand, was längere Wege und höhere CO2-Emissionen zur Folge hat. Daher ist eine möglichst zentrale Lage – oder aber eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn – für die Klimabilanz eines Hauses am besten.

Was ist sinnvoller – Sanierung oder Neubau?

Insgesamt ist die Sanierung alter Häuser oft klimafreundlicher als ein Neubau. Dies liegt hauptsächlich an der Einsparung grauer Energie und den geringeren CO2-Emissionen durch kürzere Wege. Dennoch sind Neubauten nicht pauschal abzulehnen, da sie in Sachen Energieeffizienz, Nutzung erneuerbarer Energien und Platzeffizienz Vorteile bieten können. Eine Entscheidung sollte also stets von Fall zu Fall und unter Berücksichtigung aller Faktoren getroffen werden.

Was du dir merken solltest:

  • Die Sanierung alter Häuser spart in der Regel CO2, da man hierfür weniger Baumaterial benötigt und die „graue Energie“, die ursprünglich beim Bau des Gebäudes aufgewendet wurde, erhalten bleibt.
  • Neubauten sind oft energieeffizienter als Altbauten, zudem kann der Bedarf an Wohnfläche leichter an heutige Familienstrukturen angepasst werden.
  • Die Standortwahl spielt ebenfalls eine große Rolle bei der Klimabilanz, da zentrale Lagen kürzere Wege und weniger CO2-Ausstoß ermöglichen.

Bild: © Yves Cedric Schulze via Unsplash

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