China baut Straßen aus Plastikmüll – 6.000 Milchflaschen machten den Anfang

In China wurden 6.000 Milchflaschen zu Asphalt verarbeitet. Neue Projekte nutzen bereits mehr als 33 Tonnen Recyclingkunststoff.

Asphalt muss längst nicht nur aus klassischen Rohstoffen bestehen. In China wird er bereits mit recyceltem Kunststoff versetzt – mit dem Ziel, Abfall zu verwerten und Material einzusparen.

Asphalt muss längst nicht nur aus klassischen Rohstoffen bestehen. In China wird er bereits mit recyceltem Kunststoff versetzt – mit dem Ziel, Abfall zu verwerten und Material einzusparen. (Symbolbild) © Pexels

Plastikmüll gehört zu den hartnäckigsten Umweltproblemen unserer Zeit: Er bleibt jahrzehntelang erhalten, wird oft verbrannt oder deponiert und lässt sich längst nicht immer sinnvoll recyceln. In China bekam ein Teil dieses Abfalls eine ungewöhnliche zweite Verwendung. Mehr als 6.000 ausgediente Milchflaschen und weitere schwer recycelbare Kunststoffe wurden 2021 in den Asphalt einer Straße in Shanghai eingebaut.

Die Idee dahinter ist simpel: weniger Plastikabfall, weniger klassische Rohstoffe im Straßenbau. Inzwischen wird das Prinzip deutlich größer erprobt – auf einer zwei Kilometer langen Straße in Suqian stecken bereits mehr als 33 Tonnen Recyclingkunststoff.

Die ausgedienten Flaschen wurden dafür nicht zu einer Fahrbahn aus Kunststoff eingeschmolzen. Beim Projekt von Dow und Shiny Meadow wurde das aufbereitete Recyclingmaterial dem Asphalt beigemischt. So entstand ein polymermodifizierter Straßenbelag, in dem schwer verwertbarer Kunststoff einen Teil der eingesetzten Materialien ersetzt.

Wenn aus Plastikmüll Straße wird

Ein Grund für den neuen Verwertungsweg liegt in der Beschaffenheit der Verpackungen. Rückstände von Milch und anderen Lebensmitteln können die Aufbereitung erschweren und den Wert des Materials für Recyclingbetriebe senken. Dow suchte deshalb nach Anwendungen, in denen auch solche Kunststoffe noch genutzt werden können.

Bambang Candra von Dow erklärte bei der Vorstellung des Projekts, schwer verwertbare Kunststoffe landeten häufig auf Deponien oder gelangten in die Umwelt. Ziel sei es, „Abfallflaschen einen neuen Zweck zu geben“, so Candra.

Plastikstraße in China wird deutlich größer

Wie weit sich das Prinzip ausbauen lässt, zeigt ein neueres Projekt in Suqian in der Provinz Jiangsu. Dort wurde Kunststoffabfall auf einer zwei Kilometer langen und 6,4 Meter breiten Straße eingesetzt. Insgesamt kamen 33,4 Tonnen Recyclingkunststoff in den Straßenbelag.

Nach Angaben von China Energy News ersetzten die Projektpartner dabei gleich zwei klassische Bestandteile des Asphalts:

  • Recycelte Thermoplaste ersetzten 20 Prozent des eingesetzten Bitumens.
  • Recycelte Duroplaste ersetzten 50 Prozent des mineralischen Füllstoffs.

Beteiligt waren unter anderem die Nanjing Tech University sowie ein gemeinsames Forschungszentrum von Saudi Aramco und chinesischen Partnern. Dadurch sank nach Angaben des Projekts der Preis der Asphaltmischung um 18,6 Prozent. Die berechneten CO₂-Emissionen lagen 36 Prozent niedriger als bei der Vergleichsmischung. Diese Werte gelten allerdings für das konkrete Demonstrationsprojekt und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Straßen übertragen.

Mindestens ebenso wichtig ist die Haltbarkeit. Nach rund zehn Monaten Betrieb hatte die Straße bereits einen Sommer und einen Winter überstanden. Die Prüfungen erfüllten weiterhin die technischen Anforderungen. Wie sich der Belag über viele Jahre verhält, soll weiter untersucht werden.

Projektleiter Hou Shuguang von der Nanjing Tech University sieht darin einen doppelten Nutzen. Die Technik könne den Bedarf an herkömmlichen Straßenbaustoffen senken und gleichzeitig Kunststoffabfälle verwerten. Sie eröffne „einen Weg für das Recycling von Kunststoffabfällen“, sagte er.

Plastik im Asphalt hat auch Risiken

Weniger Bitumen und mehr Recyclingmaterial bedeuten allerdings nicht automatisch eine bessere Umweltbilanz. Entscheidend ist, welche Kunststoffe eingesetzt werden, wie stark sie erhitzt werden und was während Bau und Nutzung des Straßenbelags freigesetzt wird.

Eine 2025 in Environmental Research veröffentlichte Untersuchung zu Kunststoffabfällen in Asphalt fand deutliche Unterschiede zwischen den Materialien:

  • Polypropylen konnte bei bestimmten Mischungen die Gesamtmenge flüchtiger organischer Verbindungen beim Erhitzen senken.
  • Bei PVC und höheren Anteilen bestimmter Polyethylene nahmen dagegen einzelne problematische Emissionen zu.

Für eine vollständige Umweltbilanz zählen außerdem mögliche Mikroplastikemissionen durch Abrieb, die spätere Wiederverwertung des Straßenbelags und vor allem seine Lebensdauer. Hält ein Kunststoff-Asphalt länger und benötigt weniger neue Rohstoffe, kann das seine Bilanz verbessern. Muss er dagegen früher erneuert werden oder entstehen bei Verarbeitung und Abrieb zusätzliche Schadstoffe, schrumpft dieser Vorteil.

In Suqian ersetzt Recyclingkunststoff bereits erhebliche Mengen klassischer Straßenbaustoffe. Die ersten Monate sprechen dafür, dass der Belag technisch funktioniert. Ob solche Straßen auch nach vielen Jahren Vorteile gegenüber herkömmlichem Asphalt bieten, hängt nun vor allem von Haltbarkeit, Emissionen und Wiederverwertbarkeit ab.

Kurz zusammengefasst:

  • Plastik kann Teil einer Straße werden: In China wurden schon 6.000 Milchflaschen in Asphalt verarbeitet, heute kommen bei größeren Projekten bereits Dutzende Tonnen Recyclingkunststoff zum Einsatz.
  • Der Kunststoff ersetzt Rohstoffe: In Suqian ersetzten recycelte Kunststoffe Teile von Bitumen und mineralischem Füllstoff; laut Projektangaben sanken dabei Kosten und berechnete CO₂-Emissionen.
  • Der Härtetest läuft noch: Entscheidend sind Haltbarkeit, Abrieb, mögliche Schadstoffemissionen und die Frage, ob sich der Straßenbelag später wieder gut recyceln lässt.

Übrigens: Auch bei E-Auto-Akkus entscheidet Recycling darüber, ob wertvolle Rohstoffe im Kreislauf bleiben oder neue Umweltprobleme entstehen. In China wächst die Menge alter Batterien rasant – und viele landen noch immer bei informellen Betrieben. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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