Neuer Styropor-Ersatz aus Pflanzen – verursacht bis zu 80 Prozent weniger CO₂
Der pflanzliche Styropor-Ersatz EPLA soll laut Fraunhofer bis zu 80 Prozent weniger CO₂ verursachen und auf bestehenden Anlagen laufen.
Styropor steckt in Dämmungen und Verpackungen. Der neue Pflanzen-Schaum EPLA soll ähnliche Aufgaben übernehmen – mit deutlich kleinerem CO₂-Fußabdruck. © Pexels
Styropor ist leicht, dämmt gut und steckt deshalb in Millionen Verpackungen und Gebäuden. Doch das Material basiert auf fossilen Rohstoffen. Am Fraunhofer ICT ist nun ein biobasierter Styropor-Ersatz entstanden: EPLA wird aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt und soll gegenüber herkömmlichem EPS einen bis zu 80 Prozent geringeren CO₂-Fußabdruck haben.
Dabei soll die Industrie ihre bisherigen Anlagen weiternutzen können. Das junge Unternehmen Nexofoam, eine Ausgründung des Fraunhofer ICT, bringt die dort entwickelte und patentierte Technologie auf den Markt. EPLA ist für bestehende EPS-Verarbeitungsketten ausgelegt: Maschinen, Werkzeuge und Materialhandling können laut Fraunhofer weiter genutzt werden. Vom 12. bis 16. Oktober präsentiert Nexofoam das Material auf der Kunststoffmesse FAKUMA in Friedrichshafen.
Was hinter dem biobasierten Styropor-Ersatz steckt
EPS steht für expandiertes Polystyrol und ist vor allem unter dem Markennamen Styropor bekannt. Beim Aufschäumen entstehen viele kleine, mit Luft gefüllte Zellen. Das macht den Kunststoff leicht und sorgt für seine dämmende Wirkung. EPLA soll ähnliche Aufgaben übernehmen, setzt bei der Materialbasis jedoch auf pflanzliche Rohstoffe.
Die Angabe zum CO₂-Fußabdruck stammt vom Fraunhofer ICT. Das Institut beziffert die mögliche Verringerung gegenüber EPS auf bis zu 80 Prozent. Eine detaillierte Ökobilanz mit unterschiedlichen Produktions- und Anwendungsszenarien nennt die Pressemitteilung nicht. Die Höhe der Einsparung lässt sich deshalb nicht pauschal auf jede spätere Anwendung übertragen.
Bestehende Styropor-Maschinen können weiterlaufen
EPLA wurde als sogenannte Drop-in-Lösung für vorhandene EPS-Verarbeitungsketten entwickelt. Hersteller müssen ihre Produktion nach Angaben des Fraunhofer ICT nicht vollständig umbauen. Vorgesehen ist vielmehr, wesentliche Teile der vorhandenen Infrastruktur weiterzuverwenden:
- Maschinen: Bestehende EPS-Anlagen können weiterhin eingesetzt werden.
- Werkzeuge: Auch vorhandene Werkzeuge sollen nutzbar bleiben.
- Materialhandling: Die bestehenden Abläufe können weitgehend erhalten bleiben.
- Investitionen: Neue Produktionsanlagen oder grundlegende Prozessumstellungen seien nicht erforderlich.
Damit unterscheidet sich EPLA von Werkstoffen, für deren Einführung zunächst neue Produktionslinien aufgebaut werden müssen. Nexofoam will dadurch Investitionsbedarf, technische Risiken und den Aufwand bei der Umstellung verringern.
Granulat wächst erst beim Verarbeiter zum Schaum
Nexofoam liefert EPLA nicht als fertigen Schaumstoff, sondern als kompaktes, expandierbares Granulat. Erst beim Verarbeiter wird das Material aufgeschäumt und erreicht sein größeres Volumen. Dadurch benötigt es beim Transport weniger Platz und lässt sich in bestehende Abläufe integrieren.
Für Dämmungen zählt vor allem, wie gut ein Material den Wärmestrom bremst. Fraunhofer gibt für EPLA eine Wärmeleitfähigkeit von 29 bis 33 Milliwatt pro Meter und Kelvin an. Ein niedriger Wärmeleitwert steht für eine geringe Wärmeübertragung und damit für eine gute Dämmwirkung.
EPLA ist recyclingfähig und biologisch abbaubar
Weitere Eigenschaften sollen den Einsatz in industriellen Produkten ermöglichen. Nach Angaben des Fraunhofer ICT erreicht EPLA die Brandklasse E gemäß EN ISO 13501. Das Institut bezeichnet den Werkstoff außerdem als recyclingfähig und biologisch abbaubar.
Damit vereint EPLA mehrere Eigenschaften eines industriell nutzbaren Partikelschaums: geringes Gewicht, Wärmedämmung und die Verarbeitung zu aufgeschäumten Formteilen. Anders als konventionelles EPS stammt seine Materialbasis aus pflanzlichen Rohstoffen.
Fraunhofer-Ausgründung bringt EPLA in die Industrie
Die Technologie hinter EPLA wurde am Fraunhofer ICT entwickelt und patentiert. Für die Vermarktung entstand daraus das Unternehmen Nexofoam. Die Ausgründung übernimmt nun die Überführung des Werkstoffs in industrielle Anwendungen.
Auf der FAKUMA in Friedrichshafen präsentiert Nexofoam EPLA gemeinsam mit dem Fraunhofer ICT. Die Kunststoffmesse findet vom 12. bis 16. Oktober 2026 statt. Dort richtet sich das Unternehmen insbesondere an Partikelschaum-Verarbeiter, die bereits mit EPS arbeiten.
Neben EPLA zeigt das Fraunhofer ICT weitere neue Kunststoffanwendungen. Dazu gehören biobasierte und recycelte Materialien für Nutzfahrzeuge, geschäumte Folien für Verpackungen sowie Kunststoffkomponenten für Elektromotoren und Luftfahrtanwendungen.
Kurz zusammengefasst:
- EPLA ist ein biobasierter Styropor-Ersatz aus pflanzlichen Rohstoffen, dessen CO₂-Fußabdruck laut Fraunhofer ICT bis zu 80 Prozent unter dem von EPS liegt.
- Der neue Schaumstoff ist für bestehende EPS-Produktionsanlagen ausgelegt, sodass Maschinen, Werkzeuge und Materialhandling weiter genutzt werden können.
- Fraunhofer nennt für EPLA eine Wärmeleitfähigkeit von 29 bis 33 mW/(m·K) und bezeichnet das Material als recyclingfähig und biologisch abbaubar.
Übrigens: Nicht nur pflanzliche Rohstoffe können Kunststoffe verändern – Forscher machen biologisch abbaubares Material durch eine neue Molekülstruktur zugleich fester und flexibler. Wie das funktioniert, mehr dazu in unserem Artikel.
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