Magic Mushrooms lindern Depression – doch die Wirkung von Psilocybin bleibt begrenzt

Psilocybin bei Depression wirkt schwächer als erhofft: Eine aktuelle Studie zeigt begrenzte Effekte und häufige Nebenwirkungen.

Bunte Pilze wachsen an einem Baumstamm

Psilocybin ist ein natürlicher Wirkstoff aus Magic Mushrooms und wird als möglicher Ansatz zur Behandlung von Depressionen untersucht. © Unsplash

Psilocybin steht seit einiger Zeit für eine neue Hoffnung in der Behandlung schwerer Depression. Viele verbinden mit dem Wirkstoff aus sogenannten Magic Mushrooms die Aussicht auf schnelle Hilfe, vor allem dann, wenn klassische Medikamente nicht mehr wirken. Therapieresistente Depressionen führen oft zu jahrelangen Belastungen im Alltag.

Neue Daten aus einer großen klinischen Untersuchung zeichnen nun ein deutlich nüchterneres Bild. Psilocybin kann Symptome zwar lindern, der Effekt fällt aber kleiner aus als lange erhofft. Zugleich treten Nebenwirkungen häufiger auf. Die Erwartungen an diese Therapie werden damit spürbar gedämpft.

Psilocybin zeigt begrenzte Wirkung bei Depression

Die Studie untersuchte 144 Erwachsene mit schwer behandelbarer Depression. Viele der Teilnehmenden hatten bereits mehrere Medikamente ohne Erfolg ausprobiert. Die Behandlung fand unter kontrollierten Bedingungen statt, begleitet von intensiver Psychotherapie. Beteiligt waren unter anderem das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim und die Charité Berlin.

Nach sechs Wochen ergab die Untersuchung: Die erwartete deutliche Verbesserung blieb aus. Nur 17 Prozent der Patienten mit hoher Dosis erreichten eine starke Symptomreduktion. In der Vergleichsgruppe lag der Wert bei 10,6 Prozent. Der Unterschied fiel statistisch nicht eindeutig aus. Das ist ein wichtiger Punkt. Denn genau hier lag die größte Erwartung. Ein klarer Durchbruch ließ sich nicht belegen.

Frühe Wirkung überzeugt – hält aber nicht lange an

Interessant fällt der Blick auf die ersten Tage nach der Behandlung aus. Bereits nach einer Woche berichteten 34 Prozent der Patienten mit hoher Dosis über eine deutliche Verbesserung. In der Placebo-Gruppe waren es nur 6,4 Prozent. Dieser schnelle Effekt erklärt, warum Psilocybin lange als besonders vielversprechend galt.

Doch die Wirkung flacht im Verlauf ab. Nach zwölf Wochen lagen die Ergebnisse aller Gruppen eng beieinander. Das bedeutet: Der anfängliche Vorteil verliert sich mit der Zeit.

Rolle der Therapie bleibt offen

Trotz des verfehlten Hauptziels zeigen die Daten klare Veränderungen bei den Symptomen. Messwerte auf Depressionsskalen gingen stärker zurück als in der Vergleichsgruppe. Die Unterschiede lagen bei mehreren Punkten und gelten als klinisch relevant. Für Betroffene heißt das:

  • Die Behandlung kann Symptome spürbar lindern
  • Die Wirkung fällt jedoch moderat aus
  • Ein dauerhafter Vorteil gegenüber anderen Ansätzen ist unklar

Damit bietet eine Behandlung Psilocybin zwar eine Option, ist aber kein Ersatz für bestehende Therapien.

Nebenwirkungen treten unter hoher Dosis deutlich häufiger auf

Ein zweiter wichtiger Aspekt betrifft die Sicherheit. Unter der hohen Dosis berichteten alle Teilnehmenden über Nebenwirkungen. Viele davon traten direkt am Behandlungstag auf. Typische Effekte waren:

  • veränderte Wahrnehmung und Halluzinationen
  • ungewöhnliche Körperempfindungen
  • kurzfristige Verunsicherung oder Angst

Vier Prozent der Patienten berichteten über Suizidgedanken am Behandlungstag. In den Vergleichsgruppen lag dieser Wert niedriger. Zudem traten vereinzelt schwerwiegende Nebenwirkungen auf, darunter eine anhaltende Wahrnehmungsstörung.

Dauer der Depression prägt den Therapieerfolg

Die meisten Probanden lebten bereits seit Jahren mit ihrer Erkrankung. Im Durchschnitt bestand die Depression seit fast 14 Jahren. Viele hatten schon mehrere Therapien und Medikamente ohne durchgreifenden Erfolg hinter sich. Das ist für die Bewertung der Ergebnisse wichtig. Bei langjährigen und schweren Verläufen sprechen Patienten oft schlechter auf neue Behandlungen an. Auch deshalb fällt die Wirkung von Psilocybin in dieser Gruppe eher begrenzt aus.

Hinzu kommt die intensive psychotherapeutische Begleitung. Alle Teilnehmenden wurden eng betreut. Der beobachtete Effekt lässt sich deshalb nicht nur dem Wirkstoff zuschreiben.

Kurz zusammengefasst:

  • Psilocybin kann bei schwerer Depression Symptome lindern, erreicht aber keine deutlich bessere Wirkung als Vergleichsbehandlungen und verfehlt zentrale Erwartungen.
  • Die Wirkung setzt oft schnell ein, lässt jedoch nach einigen Wochen nach, sodass langfristig kein klarer Vorteil bestehen bleibt.
  • Nebenwirkungen treten häufig auf, teils auch schwer, weshalb Psilocybin als ergänzende Option gilt, aber kein Durchbruch ist.

Übrigens: Während neue Therapien wie Psilocybin bei Depression nur begrenzt wirken, zeigt eine Studie, wie stark das eigene Selbstbild den Alltag beeinflusst. Wer seine Stärken erkennt, erreicht mehr. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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