Klimawandel könnte Lungenkrebsrisiko durch Radon um fast 50 Prozent erhöhen

Klimaanlagen und längere Aufenthalte im Keller können die Radonbelastung erhöhen. Ein Modell berechnet ein höheres Lungenkrebsrisiko.

In Kellerräumen kann sich radioaktives Radon anreichern. Längere Aufenthalte könnten dadurch das Lungenkrebsrisiko erhöhen. © Symbolbild Pexels

In Kellerräumen kann sich radioaktives Radon anreichern. Längere Aufenthalte könnten dadurch das Lungenkrebsrisiko erhöhen. (Symbolbild) © Pexels

Wenn die Sommer immer heißer werden, suchen viele Menschen Abkühlung im Keller oder schalten die Klimaanlage ein. Doch ausgerechnet diese Gewohnheiten könnten das Lungenkrebsrisiko erhöhen. Der Grund ist Radon, ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas. Es dringt aus dem Boden in Gebäude ein und kann sich dort ansammeln. Besonders hoch ist die Belastung häufig in Kellerräumen.

Für Deutschland, Frankreich und Italien haben Wissenschaftler berechnet, wie sich der Klimawandel über veränderte Wohngewohnheiten auf das Lungenkrebsrisiko auswirken könnte. Demnach könnten bis zum Alter von 85 Jahren zusätzlich 42 von 10.000 Menschen an radonbedingtem Lungenkrebs sterben. Das entspricht einem Anstieg des modellierten Risikos um rund 49 Prozent. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Communications Sustainability. Es handelt sich allerdings um hypothetische Berechnungen, nicht um bereits beobachtete zusätzliche Erkrankungen.

Radon und Lungenkrebs: Risiko steigt bei Hitze deutlich

Radon entsteht beim natürlichen Zerfall von Uran im Erdreich. Das unsichtbare und geruchlose Gas dringt durch Risse, Fugen und andere undichte Stellen in Gebäude ein. Beim Einatmen gelangen auch radioaktive Zerfallsprodukte in die Atemwege. Ihre Strahlung kann Zellen schädigen und langfristig Lungenkrebs verursachen. Radon zählt weltweit zu den wichtigsten Ursachen dieser Erkrankung.

Wie stark die Belastung innerhalb eines Hauses schwankt, hängt unter anderem vom Stockwerk ab. In Kellern liegen die Radonkonzentrationen häufig beim 1,8- bis 2,5-Fachen der Werte höher gelegener Räume. Gleichzeitig bleiben Keller während sommerlicher Hitze meist angenehm kühl. Wer dort regelmäßig arbeitet, schläft oder seine Freizeit verbringt, kann deshalb mehr Radon aufnehmen.

Im Keller steigt die Radonbelastung besonders stark

Für ihre Berechnungen verwendeten die Wissenschaftler ein Modellhaus mit unterschiedlichen Radonkonzentrationen. Im oberen Wohnbereich nahmen sie 74 Becquerel pro Kubikmeter Luft an. Im Keller waren es 185 Becquerel. Die Einheit Becquerel beschreibt die radioaktive Aktivität. Je höher der Wert, desto mehr radioaktive Zerfälle treten innerhalb einer bestimmten Zeit auf.

Anschließend verglichen die Wissenschaftler vier Alltagssituationen. Die Berechnungen berücksichtigten sowohl die Radonbelastung als auch die Aufenthaltsdauer in verschiedenen Räumen:

  • Ausgangssituation: 21 Stunden täglich in Innenräumen, drei Stunden draußen.
  • Mehr Klimatisierung: Drei Sommermonate mit einer angenommenen Erhöhung der Radonkonzentration um 60 Prozent.
  • Mehr Zeit im Keller: Vier Stunden täglich im Untergeschoss und insgesamt eine Stunde länger in Innenräumen.
  • Kombinierte Veränderungen: Häufigere Kelleraufenthalte und stärkere Klimatisierung gleichzeitig.

Die höchste Belastung ergab sich aus der Kombination beider Veränderungen. Im Modell stieg die jährliche Radonexposition gegenüber der Ausgangssituation um 50 Prozent.

Klimaanlagen können Radon stärker anreichern

Eine Klimaanlage erzeugt selbst kein Radon. Problematisch kann vielmehr der geringere Luftaustausch werden. Viele Anlagen kühlen hauptsächlich die vorhandene Raumluft. Fenster und Türen bleiben während des Betriebs häufig geschlossen. Dadurch kann sich Radon im Haus anreichern, sofern nicht ausreichend Frischluft nachströmt.

Für das kombinierte Szenario errechneten die Wissenschaftler im Keller während der Klimatisierungsphase 296 Becquerel pro Kubikmeter. Das entspricht einer Erhöhung um 60 Prozent gegenüber den angenommenen 185 Becquerel ohne zusätzliche Klimatisierung. Wie stark dieser Effekt tatsächlich ausfällt, hängt von der Bauweise, dem Lüftungsverhalten und der eingesetzten Klimatechnik ab.

42 zusätzliche Lungenkrebstote sind möglich

Für die zusammengefasste Bevölkerung Deutschlands, Frankreichs und Italiens ergaben die Berechnungen zunächst 86 radonbedingte Lungenkrebstodesfälle je 10.000 Menschen bis zum Alter von 85 Jahren. Bei stärkerer Klimatisierung stieg der Wert auf 98. Zusätzliche Kelleraufenthalte erhöhten ihn auf 112. Beide Verhaltensänderungen zusammen führten zu 128 Todesfällen.

Die Differenz von 42 Todesfällen gilt ausschließlich für das untersuchte Szenario. Die tatsächliche Entwicklung lässt sich daraus nicht vorhersagen. Auch die verwendeten Risikomodelle lieferten unterschiedliche absolute Werte. Drei untersuchte Modelle kamen jedoch übereinstimmend zu einem höheren Risiko bei zunehmender Radonexposition.

Luftdichte Häuser brauchen ausreichend Frischluft

Neben dem veränderten Verhalten kann auch die energetische Sanierung die Radonbelastung beeinflussen. Neue Fenster, zusätzliche Dämmung und abgedichtete Gebäudehüllen verringern den unkontrollierten Luftaustausch. Das spart Heizenergie, kann aber ohne ausreichende Belüftung die Ansammlung von Radon begünstigen.

Entscheidend ist deshalb eine geeignete Lüftung. Besonders gut gedämmte Häuser mit kontrollierter Zu- und Abluft sowie Wärmerückgewinnung können niedrige Radonkonzentrationen aufrechterhalten. Auch Passivhäuser wiesen in den ausgewerteten Untersuchungen keine höheren Werte auf als unsanierte Gebäude, sofern ihre Lüftung entsprechend ausgelegt war.

Radonmessungen decken unsichtbare Belastungen auf

Wie viel Radon tatsächlich in einem Gebäude vorhanden ist, lässt sich nur durch Messungen feststellen. Besonders relevant sind Räume mit direktem Kontakt zum Erdreich und Bereiche, in denen Menschen regelmäßig mehrere Stunden verbringen. Die Konzentration kann selbst zwischen benachbarten Gebäuden stark variieren.

Bei erhöhten Werten kommen unter anderem Abdichtungen, technische Lüftungssysteme und Maßnahmen zur Ableitung radonhaltiger Bodenluft infrage. Auf Klimaanlagen oder kühle Rückzugsräume muss deshalb niemand grundsätzlich verzichten. Eine wirksame Belüftung und gezielte Maßnahmen gegen eindringendes Radon können die langfristige Strahlenbelastung verringern.

Kurz zusammengefasst:

  • Radon erhöht das Lungenkrebsrisiko: Das radioaktive Gas dringt aus dem Boden in Gebäude ein und kann sich besonders in Kellerräumen ansammeln.
  • Hitze kann die Belastung verstärken: Ein Modell berechnet bis zum Alter von 85 Jahren 42 zusätzliche Lungenkrebstodesfälle je 10.000 Menschen, wenn Keller häufiger genutzt und Wohnungen stärker klimatisiert werden.
  • Richtiges Lüften schützt: Regelmäßige Radonmessungen, ausreichender Luftaustausch und bauliche Schutzmaßnahmen können die Belastung in Wohnräumen verringern.

Übrigens: Radon kann auch im Winter zur Gefahr werden, wenn Fenster geschlossen bleiben und sich das radioaktive Gas in Wohnräumen ansammelt. Warum in Deutschland rund 2.800 Menschen jährlich an radonbedingtem Lungenkrebs sterben, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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