Umfrage zeigt: Wer sich ausgeschlossen fühlt, verliert das Vertrauen in die Politik

Eine neue Studie zeigt, dass nicht Alter, Geschlecht oder Wohnort zuerst über politisches Vertrauen entscheiden – sondern das Gefühl, dazuzugehören oder ausgeschlossen zu sein.

Der deutsche Bundestag mit Deutschlandfahnen von außen.

Während Polizei und Justiz hohe Vertrauenswerte erreichen, schneiden Regierung und Parteien in aktuellen Umfragen deutlich schwächer ab. © Pexels

Ob hohe Preise im Supermarkt, neue Regeln aus Berlin oder Diskussionen über Migration – politische Entscheidungen betreffen den Alltag direkt. Damit ein demokratisches System stabil bleibt, braucht es Akzeptanz. Doch wie steht es um das Vertrauen in Politik in Deutschland?

Eine aktuelle Untersuchung kommt zu einem klaren Ergebnis: Nicht Alter oder Geschlecht entscheiden in erster Linie darüber, wie Menschen politische Institutionen bewerten. Ausschlaggebend ist vor allem das Gefühl, gesellschaftlich dazuzugehören: Wer sich ausgeschlossen fühlt, verliert deutlich häufiger das Vertrauen.

Vertrauen in Politik unterscheidet sich stark je nach Institution

Die Daten stammen aus dem Deutschen Alterssurvey. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen hat sie ausgewertet und veröffentlicht. Grundlage ist eine Zusatzbefragung aus dem Winter 2023/2024. Befragt wurden Menschen in der zweiten Lebenshälfte (ab 43 Jahren).

Die Ergebnisse zeigen eine klare Rangliste. Manche Institutionen genießen hohes Ansehen, andere deutlich weniger.

  • 79 bis 89 Prozent der Befragten vertrauen Polizei, Wissenschaft und Justiz.
  • 22 bis 40 Prozent äußern Vertrauen in Bundestag, Bundesregierung und Europäische Union.
  • Am geringsten fällt das Vertrauen gegenüber politischen Parteien und Medien aus.

Diese Unterschiede sind erheblich. Institutionen mit klaren Aufgaben und rechtlicher Autorität schneiden besser ab als politische Akteure.

Soziale Ausgrenzung schwächt Vertrauen deutlich

Der stärkste Befund betrifft das Gefühl sozialer Ausgrenzung. Menschen, die angeben, sich gesellschaftlich ausgeschlossen zu fühlen, äußern deutlich weniger Vertrauen.

Je nach Institution beträgt der Unterschied zwischen 12 und 28 Prozentpunkten. Besonders stark wirkt sich das beim Vertrauen in die Wissenschaft aus. Selbst bei politischen Parteien bleibt der Abstand zweistellig.

„Menschen, die sich gesellschaftlich ausgeschlossen fühlten, vertrauten politischen Institutionen und Akteuren deutlich seltener“, sagt die Erstautorin Lisa J. Klasen. Die Unterschiede fallen stärker aus als jene zwischen Altersgruppen, Geschlechtern oder Regionen. Soziale Einbindung spielt also eine zentrale Rolle.

Ältere ab 76 Jahren vertrauen häufiger

Ein weiteres Ergebnis betrifft das Alter. Menschen ab 76 Jahren äußern mehr Vertrauen in Bundestag, Bundesregierung, Europäische Union und Parteien als jüngere Gruppen in der zweiten Lebenshälfte. Zwischen den übrigen Altersgruppen zeigen sich kaum Unterschiede.

Zwischen Männern und Frauen gibt es keine nennenswerten Differenzen. Das Vertrauen fällt ähnlich aus.

Beim Einkommen zeigen sich dagegen klare Abstände. Menschen mit höherem Einkommen vertrauen stärker – vor allem in:

  • Justiz
  • Bundesregierung
  • Bundestag
  • Wissenschaft

Hier sind die Unterschiede besonders deutlich.

Ost und West bleiben unterschiedlich

Auch regionale Unterschiede sind sichtbar. In Ostdeutschland fällt das Vertrauen in Justiz, Bundesregierung und Bundestag geringer aus als in Westdeutschland. Bei anderen Institutionen zeigen sich keine signifikanten Differenzen.

Diese Ergebnisse knüpfen an frühere Untersuchungen an, die bereits Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland festgestellt haben. Neu ist jedoch, wie deutlich soziale Erfahrungen ins Gewicht fallen. Das Gefühl, gesellschaftlich eingebunden oder ausgeschlossen zu sein, beeinflusst das Vertrauen stärker als die regionale Herkunft.

Warum Vertrauen für die Demokratie wichtig ist

Politisches Vertrauen hat konkrete Folgen. Wer Institutionen als fair und kompetent erlebt, akzeptiert politische Entscheidungen eher. Das gilt für wirtschaftliche Belastungen ebenso wie für staatliche Maßnahmen in Krisenzeiten.

„Politisches Vertrauen ist wichtig für eine funktionierende Demokratie. Ohne Vertrauen werden politische Prozesse erschwert“, so Klasen. „Vertrauen entsteht nicht von selbst.“ Es wachse über längere Zeit – vor allem dann, wenn Menschen politische Entscheidungen als fair empfinden und sich mit grundlegenden Werten repräsentiert fühlen.

Was die Zahlen konkret zeigen

Der Abstand von bis zu 28 Prozentpunkten macht deutlich, wie stark das Gefühl sozialer Ausgrenzung politische Einstellungen beeinflusst. Entscheidend sind weniger Parteiprogramme oder Wahlentscheidungen. Es geht um das Gefühl, Teil der Gesellschaft zu sein.

Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Ein Großteil der Befragten vertraut weiterhin zentralen staatlichen Institutionen. Polizei, Wissenschaft und Gerichte erreichen hohe Zustimmungswerte. Dieses Vertrauen wirkt stabil.

Die Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen liefert damit eine klare Botschaft: Vertrauen in Politik hängt eng mit sozialer Einbindung zusammen. Wer sich eingebunden fühlt, bewertet Institutionen deutlich positiver. Wer sich ausgeschlossen fühlt, verliert Vertrauen – und das in messbarer Größenordnung.

Kurz zusammengefasst:

  • Soziale Ausgrenzung senkt Vertrauen massiv: Wer sich ausgeschlossen fühlt, vertraut politischen Institutionen um bis zu 28 Prozentpunkte weniger.
  • Große Unterschiede zwischen Institutionen: Polizei, Wissenschaft und Justiz genießen hohes Vertrauen, Bundestag, Regierung, EU, Parteien und Medien deutlich weniger.
  • Vertrauen hängt von Zugehörigkeit ab: Entscheidend ist das Gefühl, Teil der Gesellschaft zu sein – stärker als Alter, Geschlecht oder Region.

Übrigens: Das Vertrauen in Politik beeinflusst nicht nur Wahlentscheidungen, sondern auch ganz konkrete Gesundheitsfragen – wer der Regierung misstraut, ließ sich während der Corona-Pandemie deutlich seltener impfen. Eine große Studie zeigt, wie stark politische Haltung und Impfverhalten zusammenhängen – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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