Volle Mehrwertsteuer auf Fleisch: PIK sieht großen Klimaeffekt bei kleinen Kosten

Steueränderung mit Wirkung: Eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch könnte Klima und Umwelt messbar entlasten – bei nur geringen jährlichen Mehrkosten pro Haushalt.

Mann brät Fleisch in einer Pfanne

Eine Reform der Mehrwertsteuer auf Fleisch könnte die Umweltbelastungen der Ernährung je nach Kategorie um drei bis sechs Prozent senken und Haushalte im Schnitt rund 26 Euro pro Jahr kosten. © Pexels

Rund ein Viertel der klimarelevanten Emissionen entsteht durch das, was täglich auf dem Teller landet. Beim Wasserverbrauch sowie bei der Belastung von Böden und Flüssen liegt der Anteil der Ernährung sogar zwischen 56 und 71 Prozent. Hier wiegt Essen schwerer als Autofahren oder Heizen. Vor allem die Tierhaltung benötigt große Mengen Wasser, Dünger und Fläche und verdrängt dadurch natürliche Lebensräume.

Eine aktuelle Analyse des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt, dass eine Reform der Mehrwertsteuer auf Fleisch diese Belastungen spürbar senken könnte. Die Mehrkosten für Haushalte blieben dabei überschaubar.

Warum Fleischpreise politisch neu bewertet werden

In vielen EU-Ländern gelten für Lebensmittel reduzierte Steuersätze. Auch Fleisch profitiert davon. In Deutschland liegt die Mehrwertsteuer bei sieben Prozent, während für die meisten anderen Waren 19 Prozent fällig werden. Ähnliche Vergünstigungen existieren in 22 der 27 EU-Staaten. Diese Regelung senkt den Preis an der Kasse, lässt die Umweltfolgen der Produktion jedoch außen vor.

Dabei trägt Fleisch erheblich zum ökologischen Fußabdruck der Ernährung bei. Rund 28 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgase gehen auf Fleischprodukte zurück. Hinzu kommen hohe Belastungen durch Flächenverbrauch, Nährstoffeinträge und den Verlust von Arten. Vor diesem Hintergrund haben die Forschenden untersucht, welche Folgen der Wegfall dieses Steuervorteils hätte.

Mehrwertsteuer auf Fleisch mit spürbarer Umweltwirkung

Ein regulärer Steuersatz würde Fleisch im Schnitt um gut zehn Prozent verteuern. Haushalte kaufen dann weniger Fleisch und weichen auf andere Produkte aus. Das entlastet Umwelt und Klima messbar.

EU-weit könnten die Umweltbelastungen durch Ernährung je nach Kategorie um rund 3,5 bis knapp sechs Prozent sinken. Besonders stark fällt der Effekt beim Klima aus. Etwa 30 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente werden laut Studie eingespart. Gleichzeitig verringert sich der Wasserverbrauch deutlich. Mehr als zehn Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche werden nicht mehr benötigt. Auch die Einträge von Stickstoff und Phosphor in Böden und Gewässer gehen spürbar zurück.

Mehrkosten im Alltag bleiben überschaubar

Die Analyse beschränkt sich nicht auf Umweltzahlen, sondern beziffert auch die Folgen für den Alltag. Die jährlichen Ausgaben für Lebensmittel steigen im Durchschnitt um etwa 109 Euro pro Haushalt. Gleichzeitig nimmt der Staat zusätzliche Steuereinnahmen ein. Pro Haushalt liegen sie bei rund 83 Euro.

Diese Einnahmen könnten an die Bevölkerung zurückgegeben werden, etwa über pauschale Ausgleichszahlungen. In diesem Fall bliebe eine Netto-Mehrbelastung von rund 26 Euro pro Jahr. Das entspricht gut zwei Euro im Monat und liegt deutlich unter den Kosten eines einzelnen Restaurantbesuchs.

Ein CO₂-Preis auf Lebensmittel als Alternative

Neben der Steuerreform auf Fleisch haben die Forschenden ein weiteres Szenario berechnet. Dabei würde ein einheitlicher CO₂-Preis auf alle Lebensmittel erhoben. Der angesetzte Wert liegt bei rund 52 Euro pro Tonne CO₂. Zum Vergleich: Der CO₂-Preis für Benzin und Heizöl bewegt sich bereits heute in einer ähnlichen Größenordnung.

Auch dieses Instrument senkt die Emissionen deutlich. Die Klimawirkung entspräche etwa der Abschaffung des Steuerbonus für Fleisch. Zusätzlich gingen Wasserverbrauch, Landnutzung sowie Stickstoff- und Phosphoremissionen stärker zurück. Produkte mit hoher Klimabelastung würden teurer, klimafreundlichere Alternativen weniger.

Zunächst steigen die Bruttokosten laut PIK-Rechnung. Um den bisherigen Lebensstandard bei der Ernährung zu halten, fallen im Schnitt rund 150 Euro mehr pro Jahr an. Gleichzeitig erzielt der Staat Mehreinnahmen von etwa 138 Euro pro Haushalt. Nach einer Rückverteilung bleibt eine Netto-Belastung von rund zwölf Euro jährlich.

Preissignale als pragmatischer erster Schritt

Aus ökonomischer Sicht ist das Prinzip eindeutig. Preise sollten widerspiegeln, welche Kosten bei der Produktion anfallen. Charlotte Plinke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagt dazu:

Aus ökonomischer Perspektive sollte man je nach Produkt die Umweltkosten, die bei der Herstellung entstehen, auf den Preis aufschlagen.

Eine fein abgestufte Bepreisung aller Lebensmittel gilt jedoch als komplex. Deshalb haben die Forschenden bewusst eine politisch einfache Variante untersucht. Der Wegfall der Steuervergünstigung für Fleisch nutzt bestehende Strukturen und lässt sich vergleichsweise schnell umsetzen. PIK-Experte Michael Sureth erklärt: „Ein umfassendes Preissignal lässt sich im Laufe der Zeit verstärken und besser an Umweltziele anpassen.“ Die Abschaffung des Steuerbonus für Fleisch funktioniert sofort. Aufwendigere Lösungen lassen sich später ergänzen.

Kurz zusammengefasst:

  • Ernährung verursacht einen großen Teil der Umweltbelastung privater Haushalte, vor allem bei Klima, Wasserverbrauch, Böden und Biodiversität, doch diese Kosten spiegeln sich bisher kaum in den Lebensmittelpreisen wider.
  • Eine Reform der Mehrwertsteuer auf Fleisch kann Umweltkosten sichtbar machen, Umweltbelastungen um rund 3,5 bis knapp 6 Prozent senken und etwa 30 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen.
  • Für Haushalte bleibt die Belastung überschaubar, denn nach Rückverteilung der Einnahmen liegen die Mehrkosten im Schnitt bei etwa 26 Euro pro Jahr, während Preise das Konsumverhalten ohne Verbote lenken.

Übrigens: Während beim Klimaschutz weniger Fleisch als sinnvoller Hebel gilt, zeigt eine große chinesische Langzeitstudie im sehr hohen Alter ein anderes Bild: Untergewichtige Menschen wurden häufiger 100 Jahre alt, wenn Fleisch regelmäßig auf dem Teller landete. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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