Globaler Stromhunger wächst rasant – vor allem angetrieben durch KI und Klimaanlagen
Der weltweite Energieverbrauch steigt schneller als je zuvor. KI, Klimaanlagen und E-Autos treiben die Stromnachfrage in die Höhe.

Wenn draußen die Hitze steht, brummen drinnen die Geräte: Häuser wie dieses mit Dutzenden Klimaanlagen prägen das Stadtbild vieler Metropolen – und treiben den weltweiten Energieverbrauch an, der 2024 um 2,2 Prozent stieg. © Wikimedia
2024 war ein Jahr der Extreme – auch beim Energieverbrauch: Klimaanlagen liefen im Dauermodus, KI verschlang immer mehr Strom. In Indien und China sorgten wochenlange Hitzewellen dafür, dass Millionen Menschen ihre Geräte fast durchgehend laufen ließen. Gleichzeitig wuchs weltweit die Nutzung von E-Autos und digitaler Infrastruktur. All das hatte direkte Folgen: Der globale Energiehunger stieg so stark wie seit Jahren nicht mehr. Und das betrifft auch Menschen hierzulande – denn wer Strom verbraucht, zahlt dafür. Und das wird teurer.
Laut dem Global Energy Review 2025 der Internationalen Energieagentur (IEA) legte der Energieverbrauch weltweit um 2,2 Prozent zu – deutlich mehr als im Schnitt der letzten zehn Jahre. Wer jetzt denkt, das sei ein fernes Problem, irrt. Denn auch deutsche Haushalte bekommen die Entwicklung zu spüren: durch höhere Strompreise, schwankende Netze und mehr Nachfrage in Spitzenzeiten.
Energieverbrauch explodiert – schuld sind KI und Klimaanlagen
Besonders stark stieg die Nachfrage nach Strom. Mit 4,3 Prozent legte sie fast doppelt so stark zu wie das Weltwirtschaftswachstum. Das hat Gründe: Mehr Menschen wohnen in klimatisierten Wohnungen, laden ihre Autos zu Hause und nutzen KI-Anwendungen – etwa beim Streaming, Online-Shopping oder in der Navigation. Auch viele deutsche Städte meldeten 2024 neue Verbrauchsrekorde.
„Die neuesten Daten zeigen, dass der weltweite Energiehunger 2024 schneller als im Durchschnitt stieg, was zu einer höheren Nachfrage nach allen Energiequellen führte“, heißt es im IEA-Bericht. Dieser Trend macht sich nicht nur in Megastädten bemerkbar – sondern auch in deutschen Wohnzimmern, Büros und Kellern.
Erneuerbare liefern mehr – aber nicht genug
Zwar kamen 38 Prozent des zusätzlichen Stroms aus erneuerbaren Quellen. Vor allem Solarenergie boomte – mit einem Rekordzubau von 700 Gigawatt weltweit. In vielen Regionen deckt die Sonne inzwischen einen großen Teil der Stromversorgung. Auch in Deutschland wächst der Anteil stetig.
Doch die Realität ist komplexer: Weil Sonne und Wind nicht rund um die Uhr verfügbar sind, springen immer noch Kohle- und Gaskraftwerke ein, wenn der Bedarf besonders hoch ist – etwa an heißen Nachmittagen oder kalten Abenden. Das macht den Strom nicht nur klimaschädlicher, sondern auch teurer.
China und Indien treiben Nachfrage in die Höhe
China bleibt weltweit Spitzenreiter beim Energieverbrauch. Auch wenn das Wachstum dort 2024 leicht zurückging, war der absolute Anstieg weiterhin enorm. Indien folgte mit dem zweitgrößten Zuwachs. In beiden Ländern führte die Hitze zu einem massiven Einsatz von Kohle – mit Folgen für den globalen CO2-Ausstoß.
Für Verbraucher bedeutet das: Der weltweite Strommarkt gerät unter Druck. Energie wird zur knappen Ressource – und das kann Preissteigerungen auch hierzulande befeuern. Wer seine Stromkosten im Griff behalten will, sollte deshalb genau hinschauen, wie viel Energie er wofür verbraucht.
Industriestaaten mit überraschendem Comeback
Auch in den Industrieländern wuchs der Energiebedarf wieder – nach Jahren des Rückgangs. Im Schnitt legte der Verbrauch um rund ein Prozent zu. In den USA stieg er sogar so stark wie in keinem anderen Industriestaat. Die EU verzeichnete erstmals seit 2017 wieder ein Wachstum, abgesehen vom pandemiebedingten Rebound.
In Europa übertrafen Wind- und Solarstrom 2024 erstmals gemeinsam den Anteil von Kohle und Gas an der Stromerzeugung. In den USA erreichten Wind und Solar zusammen einen Anteil von 16 Prozent – mehr als die Kohle.
E-Autos boomen, Rechenzentren wachsen
Ein weiterer Treiber des Stromverbrauchs: Elektrofahrzeuge. Weltweit wurden über 17 Millionen E-Autos verkauft – ein Plus von mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sie machten damit ein Fünftel aller Autoverkäufe aus.
Auch Rechenzentren trugen spürbar zum Energiebedarf bei. Ihre installierte Leistung stieg weltweit um 15 Gigawatt – das entspricht etwa dem Jahresverbrauch eines kleineren Industriestaats. Besonders in den USA und China entstanden viele neue Kapazitäten.
CO2-Ausstoß steigt weiter – aber langsamer
Die energiebedingten CO2-Emissionen stiegen 2024 um 0,8 Prozent. Das entspricht rund 300 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr. Ohne die extremen Temperaturen wäre der Anstieg nur halb so groß gewesen, so die IEA. Der Hauptteil des Zuwachses kam aus Schwellen- und Entwicklungsländern außerhalb Chinas.
Gleichzeitig bremsten erneuerbare Energien, Atomkraft, Wärmepumpen und E-Autos den Emissionsanstieg. Diese Technologien verhinderten laut dem Bericht rund 2,6 Milliarden Tonnen CO2 – etwa sieben Prozent der weltweiten Emissionen.
Energieeffizienz macht kaum Fortschritte
Trotz technologischem Fortschritt blieb die Effizienzsteigerung hinter den Erwartungen zurück. Die sogenannte Energieintensität – also die Energiemenge pro erwirtschaftetem BIP – verbesserte sich nur um ein Prozent. Das liegt unter anderem an der industriellen Wachstumsstrategie vieler Schwellenländer sowie der starken Nachfrage in heißen Jahren.
Die IEA sieht darin ein zentrales Problem für die Energiewende. Denn je geringer die Effizienzgewinne, desto mehr Energie wird trotz technologischem Fortschritt verbraucht.
Ausbau von Kernkraft legt deutlich zu
Auch die Atomkraft feierte ein Comeback. 2024 wurden weltweit über 7 Gigawatt neue Kernkraftkapazität installiert – ein Drittel mehr als im Vorjahr. Der Ausbau war damit so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Alle neuen Reaktoren basierten auf chinesischen oder russischen Designs.
Der Strom aus Kernkraftwerken stieg insgesamt um 100 Terawattstunden – einer der höchsten Anstiege seit der Jahrtausendwende. Parallel stieg die Zahl neuer Bauprojekte um 50 Prozent.
Kurz zusammengefasst:
- Der weltweite Energieverbrauch stieg 2024 um 2,2 Prozent – getrieben durch Hitzewellen, Klimaanlagen, Elektroautos und den wachsenden Strombedarf für KI und Rechenzentren.
- Erneuerbare Energien deckten zwar den größten Teil des Anstiegs, doch auch Kohle, Gas und Öl legten wieder zu – mit Folgen für CO2-Ausstoß und Strompreise.
- Verbraucher spüren die Entwicklung direkt: durch höhere Kosten, schwankende Netze und den steigenden Einfluss digitaler Technik auf den Alltag.
Übrigens: Künstliche Intelligenz gehört zu den größten Stromfressern unserer Zeit – doch ein Forschungsteam aus Saarbrücken zeigt jetzt, wie KI mit bis zu 90 Prozent weniger Energie auskommen kann. Wie das gelingt und warum das auch für Unternehmen und Verbraucher hierzulande eine echte Chance ist – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Dietmar Rabich via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0