30 Tage nur im Bett – so bereitet China Menschen auf die Mondlandung vor

China testet mit bis zu 30 Tagen Bettruhe, wie sich Astronauten auf Schwerelosigkeit und eine bemannte Mondmission vorbereiten lassen.

China bereitet eine bemannte Landung vor und entwickelt dafür Technik und Training weiter.

China bereitet eine bemannte Landung vor und entwickelt dafür Technik und Training weiter. © NASA via Wikimedia unter Public Domain

Monatelang bereiten sich Astronauten auf einen Flug ins All vor. In China gehört dazu derzeit eine besonders ungewöhnliche Methode: Freiwillige verbringen bis zu 30 Tage nahezu ununterbrochen im Bett. Sie essen im Liegen, waschen sich im Liegen und gehen auch zur Toilette, ohne aufzustehen. Manche liegen dabei mit dem Kopf sechs Grad tiefer als die Füße. So wollen Mediziner möglichst genau nachbilden, was Schwerelosigkeit mit Muskeln, Knochen und Kreislauf macht – und herausfinden, wie sich Menschen auf eine Mondmission vorbereiten lassen.

Über die inzwischen abgeschlossenen Versuche berichtet Xinhua. Parallel entwickelt China den Mondanzug „Wangyu“ weiter. Er soll leichter und kompakter werden und Astronauten zugleich vor den extremen Bedingungen auf der Mondoberfläche schützen. Beides gehört zu den Vorbereitungen auf Chinas erste bemannte Mondlandung, die noch vor 2030 geplant ist.

Warum Menschen für die Raumfahrt wochenlang liegen müssen

Bei Bettruheexperimenten lässt sich ein Teil der körperlichen Belastungen eines Raumflugs auf der Erde nachstellen. Eine häufig verwendete Methode ist die sogenannte Kopftieflage: Die Versuchspersonen liegen mit dem Kopf sechs Grad tiefer als die Füße. Dadurch verschieben sich Körperflüssigkeiten in Richtung Oberkörper und Kopf, während Beine und Muskeln deutlich weniger belastet werden.

Für „Dixing-3“ verbrachten die Teilnehmer je nach Gruppe 15 oder 30 Tage in festgelegter Bettruhe. Untersucht wurden unter anderem:

  • Muskelkraft und Muskelvolumen,
  • Knochendichte und Knochenstoffwechsel,
  • Herz, Kreislauf und Gehirndurchblutung,
  • Blutwerte und hormonelle Veränderungen,
  • psychische Belastungen während der langen Isolation.

Ein Teil der Teilnehmer blieb weitgehend passiv, während eine zweite Gruppe regelmäßig trainierte. Dazu gehörten Widerstandsübungen und ein Fahrradergometer, das sich im Liegen benutzen lässt. Die Mediziner wollten prüfen, wie gut solche Maßnahmen Muskelabbau, Knochenverlust und Veränderungen des Kreislaufs begrenzen können.

„Dixing-3“ ist auf künftige Mondmissionen zugeschnitten

China hat bereits Bettruheversuche über 15, 60 und 90 Tage durchgeführt. Bei „Dixing-3“ wurden die Bedingungen stärker auf geplante Raumflüge und eine Mondmission abgestimmt.

Neben der klassischen Kopftieflage kam deshalb auch eine Position mit leicht erhöhtem Kopf zum Einsatz. Damit untersuchen die Mediziner, wie sich der Körper an unterschiedliche Schwerkraftbedingungen anpasst. Auf dem Mond beträgt die Schwerkraft nur rund ein Sechstel derjenigen auf der Erde.

Nach Abschluss des Experiments erklärte das Astronaut Center of China, die getesteten Gegenmaßnahmen hätten Knochen, Muskeln und das Herz-Kreislauf-System wirksam geschützt. Wie groß die Effekte tatsächlich waren, ist bislang allerdings offen. Konkrete Messwerte wurden nicht veröffentlicht, auch ein wissenschaftliches Paper mit den vollständigen Ergebnissen liegt noch nicht vor.

Chinas Mondanzug „Wangyu“ soll leichter und kompakter werden

Parallel zu den medizinischen Tests arbeitet China an der Ausrüstung für die Mondoberfläche. Der Mondanzug trägt offiziell den Namen „Wangyu“, sinngemäß „ins Universum blicken“. Das chinesische bemannte Raumfahrtprogramm gab den Namen bereits 2025 bekannt. Damals befand sich der Anzug gemeinsam mit dem bemannten Mondrover „Tansuo“ bereits in der Prototypenentwicklung.

Der „Wangyu“-Anzug wird seit 2020 entwickelt. Nach aktuellen Angaben des Astronaut Center of China wurden inzwischen mehrere Dutzend Schlüsseltechnologien umgesetzt.

Der Anzug soll leichter und kompakter werden als bisherige chinesische Raumanzüge. Zugleich muss er Astronauten vor den Bedingungen auf dem Mond schützen. Dazu gehören starke Temperaturschwankungen, Vakuum, Strahlung und feiner Mondstaub. Arme, Beine und Gelenke müssen trotzdem beweglich genug bleiben, damit die Astronauten gehen, sich bücken, Geräte bedienen und Proben sammeln können.

Erfahrungen aus der chinesischen Raumstation fließen bereits in die Entwicklung ein. Die dort verwendeten „Feitian“-Anzüge sind inzwischen für eine Einsatzdauer von vier Jahren und mindestens 20 Außenbordeinsätze ausgelegt.

Chinas Mondanzug schützt außen – der Körper muss wechselnde Schwerkraft trotzdem verkraften

Für eine Mondmission reicht es jedoch nicht, allein die Technik weiterzuentwickeln. Die Astronauten wechseln auf ihrer Reise mehrfach zwischen sehr unterschiedlichen Bedingungen: von der Erdschwerkraft in die Schwerelosigkeit, anschließend in die geringe Mondgravitation und schließlich wieder zurück auf die Erde.

Was der menschliche Körper dabei aushalten muss, lässt sich zumindest teilweise schon lange vor dem Start untersuchen – indem Versuchspersonen wochenlang nicht aus dem Bett aufstehen.

Kurz zusammengefasst:

  • China untersucht mit dem Bettruheexperiment „Dixing-3“, wie sich fehlende oder geringe Schwerkraft auf Muskeln, Knochen und Kreislauf auswirkt.
  • Die Teilnehmer lagen je nach Gruppe 15 oder 30 Tage nahezu ununterbrochen im Bett; ein Teil absolvierte dabei gezieltes Training.
  • Die Ergebnisse sollen Chinas bemannte Mondmission vorbereiten, während parallel der Mondanzug „Wangyu“ für den Einsatz auf der Mondoberfläche entwickelt wird.

Übrigens: Für Chinas Mondpläne zählt nicht nur, wie Menschen die Reise verkraften, sondern auch, womit später gebaut werden kann. Forscher testen bereits Fasern aus echtem Mondboden als möglichen Baustoff für künftige Stationen – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © NASA via Wikimedia unter Public Domain

What do you feel about this?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert