Hautkrebs im Gesicht kann tiefer reichen als gedacht – Ultraschall zeigt, was unter der Haut verborgen bleibt

Hautkrebs im Gesicht kann tiefer ins Gewebe reichen als sichtbar. Mit Ultraschall kann die Tumortiefe vor der Behandlung eingeschätzt werden.

Jahrelange UV-Strahlung trifft besonders häufig ungeschützte Bereiche im Gesicht. An Nase, Ohren oder Stirn können dadurch Hauttumoren entstehen.

Jahrelange UV-Strahlung trifft besonders häufig ungeschützte Bereiche im Gesicht. An Nase, Ohren oder Stirn können dadurch Hauttumoren entstehen. © Pexels

Hautkrebs im Gesicht entsteht häufig dort, wo die Haut über viele Jahre besonders viel Sonne abbekommt: an Nase, Ohren, Stirn oder Kopfhaut. Vor einer Behandlung zählt deshalb nicht allein, wie groß eine verdächtige Stelle von außen aussieht. Ein Tumor kann unter der Haut weiter in die Tiefe reichen und dort Knorpel oder andere Strukturen erreichen. Hochfrequenter Ultraschall kann Ärzten bereits vor einem Eingriff Hinweise darauf geben, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat. Das kann die Wahl der Therapie und die Planung einer Operation beeinflussen.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) ist die Methode vor allem bei weißem Hautkrebs nützlich, etwa Basalzell- und Plattenepithelkarzinomen. Grundlage sind unter anderem Ultraschall-Untersuchungen von Hauttumoren an Nase und Ohr vor Operationen. Eine aktuelle Studie im Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft untersuchte hochfrequenten Ultraschall als Instrument für die Behandlungsplanung bei weißem Hautkrebs. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Methode zusätzliche Informationen über die Ausdehnung solcher Tumoren liefern kann.

Ultraschall zeigt bei Hautkrebs im Gesicht, wie tief ein Tumor reicht

Bei der Untersuchung kommt ein spezieller Ultraschallkopf zum Einsatz, der oberflächennahe Gewebeschichten mit hoher Auflösung darstellen kann. Das unterscheidet die Methode von vielen Ultraschalluntersuchungen, die etwa aus der Schwangerschaftsvorsorge oder der Untersuchung innerer Organe bekannt sind. In der Dermatologie geht es um Strukturen, die nur wenige Millimeter unter der Haut liegen.

Vor allem an der Nase kann diese zusätzliche Sicht ins Gewebe hilfreich sein. Dort folgen auf engem Raum Haut, Fettgewebe, Knorpel und Knochen. Ein äußerlich kleiner Tumor muss deshalb nicht zwangsläufig auf die oberste Hautschicht begrenzt sein. „Mit hochfrequentem Ultraschall können wir vor einer Operation besser einschätzen, ob ein Tumor nur oberflächlich wächst oder ob angrenzende Strukturen betroffen sind“, sagt Privatdozentin Dr. Diana Crisan, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Ulm.

Die Tumortiefe kann die Behandlung deutlich verändern

Wie weit ein Hauttumor gewachsen ist, kann darüber mitbestimmen, welche Behandlung infrage kommt. Bei sehr oberflächlichen Basalzellkarzinomen sind unter bestimmten Voraussetzungen örtliche Verfahren möglich. Dazu gehören beispielsweise:

  • spezielle Cremes, die direkt auf die betroffene Haut aufgetragen werden,
  • photodynamische Verfahren mit lichtempfindlichen Wirkstoffen,
  • eine Behandlung mit Kälte, die sogenannte Kryotherapie.

Reicht der Tumor dagegen tiefer oder wächst er unregelmäßig, spricht dies eher für einen operativen Eingriff. Der Ultraschall kann dann schon vor der Operation Hinweise darauf liefern, mit welchem Ausmaß Ärzte rechnen müssen. Das erleichtert die Vorbereitung, vor allem wenn Knorpel oder andere Strukturen betroffen sein könnten.

Bei Tumoren an der Nase spielt auch die spätere Wiederherstellung des Gewebes eine Rolle. Wird erst während des Eingriffs sichtbar, dass mehr Gewebe entfernt werden muss als erwartet, kann die Rekonstruktion aufwendiger werden. „Das hilft uns, Patientinnen und Patienten realistischer zu beraten und eine mögliche Rekonstruktion frühzeitig mitzudenken“, sagt Crisan über den Einsatz des hochfrequenten Ultraschalls.

Auch Knochenveränderungen können im Ultraschall auffallen

Bei weiter fortgeschrittenen Tumoren kann die Sonografie Hinweise darauf geben, ob tiefer liegende Strukturen bereits geschädigt sind. Dazu gehören auch Veränderungen am Knochen, die sich mit Ultraschall darstellen lassen können. Ein solcher Befund kann Auswirkungen auf die weitere Therapie haben. Unter bestimmten Umständen raten Ärzte dann von einer Operation ab und prüfen andere Möglichkeiten.

Je nach Erkrankungsstadium kommen beispielsweise medikamentöse Therapien oder eine Bestrahlung infrage. Der Ultraschall liefert dabei einen Teil der Informationen, auf deren Grundlage die Behandlung geplant wird. Er ersetzt jedoch nicht die Untersuchung des Tumorgewebes im Labor. „Weiterhin wichtig bleibt zudem die Untersuchung des Gewebes im Labor“, so Crisan. Erst die feingewebliche Analyse kann die Diagnose absichern und nach einer Operation klären, ob der Tumor vollständig entfernt wurde.

Die Methode ist schmerzfrei und kommt ohne Strahlung aus

Für die Untersuchung selbst ist weder ein operativer Eingriff noch eine Strahlenbelastung nötig. Hochfrequenter Ultraschall lässt sich bei oberflächennahen Tumoren direkt in die dermatologische Diagnostik einbinden und nimmt meist nur wenig Zeit in Anspruch. In ausgewählten Fällen kann die Methode außerdem genutzt werden, um den Verlauf einer örtlichen Behandlung zu kontrollieren.

Zum Standard gehört das Verfahren in der Hautkrebschirurgie bislang dennoch nicht überall. Die Bildgebung verlangt Erfahrung, weil schon kleine Unterschiede in den Gewebeschichten richtig erkannt und eingeordnet werden müssen. Hinzu kommt das nötige hautärztliche und onkologische Fachwissen. Die DEGUM fordert deshalb feste Qualitätsstandards für die Ausbildung und einen breiteren Einsatz moderner Ultraschallverfahren in der dermatologischen Versorgung.

Kurz zusammengefasst:

  • Hochfrequenter Ultraschall kann bei Hautkrebs im Gesicht zeigen, wie tief ein Tumor in das Gewebe wächst und ob angrenzende Strukturen betroffen sind.
  • Die Tumortiefe kann beeinflussen, ob eine örtliche Behandlung ausreicht oder ob eine Operation besser vorbereitet werden muss.
  • Die Ultraschalluntersuchung ist schmerzfrei und strahlenfrei, ersetzt aber nicht die feingewebliche Untersuchung zur sicheren Diagnose und Kontrolle der vollständigen Tumorentfernung.

Übrigens: Während Ultraschall die Tiefe von Hauttumoren besser sichtbar machen soll, könnten Mikronadeln künftig auch ihre Behandlung verbessern – indem sie Wirkstoffe tiefer ins Gewebe bringen und Licht gleichmäßiger verteilen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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