Forscher wollen Alien-Leben auf dem Mond stoppen, bevor es die Erde erreicht
Forscher schlagen eine Mond-Quarantäne für außerirdische Proben vor, um die Erde vor möglichen Alien-Keimen zu schützen.
Der Mond soll zur biologischen Schutzbarriere werden: Dort könnten Proben aus dem All sicher untersucht werden, bevor mögliche Mikroben die Erde erreichen. © NASA via Wikimedia
Die Raumfahrt steht vor einem heiklen Moment: Was auf dem Mars, auf Asteroiden oder auf eisigen Monden eingesammelt wird, soll eines Tages zurück zur Erde kommen. In solchen Proben könnten Spuren früheren Lebens stecken – vielleicht sogar unbekannte Mikroorganismen.
Die beiden Autoren Frederick I. Moxley und Anthony Ricciardi wollen dieses Risiko nicht erst auf der Erde prüfen. In einem Fachbeitrag im Journal Ambio, über den die McGill University berichtet, schlagen sie eine Quarantäne auf dem Mond vor. Dort soll fremdes Material aus dem All untersucht werden, bevor es bei einem Unfall die irdische Biosphäre erreichen kann.
Moxley beschreibt diese Anlage als eine Art „Firewall zwischen der Erde und möglichen gefährlichen lebenden Organismen, die künftige Raumfahrtmissionen begleiten könnten“.
Roboter und Quarantäne auf dem Mond
Gemeint sind Proben vom Mond, vom Mars oder von weiter entfernten Zielen. Auch Asteroiden und eisige Monde kommen infrage, weil dort manche Forscher nach Spuren früheren oder einfachen Lebens suchen. Die Existenz außerirdischer Organismen ist bisher nicht bestätigt. Doch die Autoren halten Vorsorge für nötig, bevor Raumfahrtagenturen und private Unternehmen immer mehr Material durchs Sonnensystem transportieren.
Die Anlage auf dem Mond soll anders funktionieren als ein gewöhnliches Labor. Menschliche Hände sollen die Proben dort möglichst gar nicht berühren. Moxley und Ricciardi empfehlen fortschrittliche Robotersysteme, die alles übernehmen: Öffnen, Sortieren, Untersuchen, Sichern. Dadurch sinkt das Risiko, dass Astronauten in Kontakt mit unbekanntem Material kommen oder etwas aus Versehen freigesetzt wird.
Warum der Mond als sichere Barriere in Frage kommt
Der Mond erscheint den Autoren als geeigneter Ort, weil er der Erde nah ist und zugleich natürlich getrennt von ihr liegt. Außerdem gilt er nach heutigem Wissensstand als Himmelskörper ohne eigene Biosphäre. Eine Panne auf dem Mond hätte deshalb andere Folgen als ein Unfall auf der Erde. Dort leben Milliarden Menschen, unzählige Tier- und Pflanzenarten sowie Mikroben in eng verflochtenen Ökosystemen.
Ricciardi bringt seine Erfahrung mit biologischen Invasionen ein. Auf der Erde haben eingeschleppte Arten immer wieder Schäden ausgelöst, weil sie in neuen Lebensräumen keine natürlichen Gegenspieler hatten. Sein Vergleich ist bewusst vorsichtig, aber deutlich. „Jahrzehnte der Forschung zu invasiven Arten haben gezeigt, wie ein Organismus am falschen Ort zur falschen Zeit sich unkontrolliert ausbreiten kann – mit potenziell verheerenden und unumkehrbaren Langzeitfolgen für Ökosysteme“, so der Biologe.
Unbekannte Mikroben könnten jedes Labor überfordern
Auf außerirdische Mikroben lässt sich dieses Wissen nicht einfach übertragen. Niemand weiß, ob solche Organismen überhaupt existieren. Niemand weiß auch, ob sie in irdischer Luft, in Wasser, im Boden oder in Lebewesen überleben könnten. „Die Menschheit tritt in eine neue Ära der Weltraumforschung ein, aber unsere Strategien zum Schutz des Planeten haben mit den Risiken zurückgebrachter außerirdischer Proben nicht Schritt gehalten“, erklärt Moxley.
Besonders heikel wären Unfälle beim Rücktransport. Ein Raumschiff könnte abstürzen. Eine Kapsel könnte beschädigt werden. Astronauten könnten nach Kontakt mit fremdem Material zurückkehren. Moxley und Ricciardi argumentieren, dass keine bestehende Anlage auf der Erde absolute Sicherheit garantieren könne, falls ein unbekannter außerirdischer Mikroorganismus entweicht. Auch eine spätere Beseitigung oder Kontrolle ließe sich nicht sicher planen.
Mondlabor soll fremde Proben sicher abfangen
Staaten planen neue Mondmissionen, private Unternehmen entwickeln Raketen, Landefähren und Raumstationen. Dazu kommen Vorhaben, Proben vom Mars oder von weiter entfernten Himmelskörpern zurückzubringen. Mit jedem solchen Transport wächst das Risiko, dass Material aus fremden Umgebungen beschädigt, falsch gelagert oder unkontrolliert freigesetzt wird.
Moxley und Ricciardi halten deshalb strengere Sicherheitsregeln für nötig. Ein Fund außerhalb der Erde wäre wissenschaftlich enorm wertvoll. Doch fremde Proben müssten so untersucht werden, dass die Erde bei einem Unfall nicht direkt betroffen wäre. Der Mond läge dafür nahe genug für Forschung – und weit genug entfernt, um als biologische Sicherheitsbarriere zu dienen.
Kurz zusammengefasst:
- Außerirdische Proben könnten künftig zuerst auf dem Mond untersucht werden, bevor sie die Erde erreichen.
- Eine Quarantäne-Anlage auf dem Mond soll als Sicherheitsbarriere dienen, falls fremdes Material unbekannte Mikroben enthält.
- Der Vorschlag folgt dem Vorsorgeprinzip: Alien-Keime sind nicht nachgewiesen, doch ein Unfall auf der Erde könnte sich kaum zuverlässig kontrollieren lassen.
Übrigens: Während der Mond als Schutzwall gegen Alien-Keime diskutiert wird, könnte Raumfahrt auch gegen Krankenhauskeime helfen. Schwerelosigkeit macht bestimmte Viren offenbar wirksamer gegen resistente Bakterien – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © NASA via Wikimedia unter Public Domain
