Kündigung wegen KI: Mitarbeiter in China wehrt sich und gewinnt vor Gericht
Ein Gericht in China gab einem Mitarbeiter nach einer Kündigung wegen KI recht. Die Firma hatte zuvor seine Aufgaben durch Software ersetzt.
Ein Mitarbeiter in China verlor seinen Job, nachdem KI seine Aufgaben übernehmen sollte. Vor Gericht scheiterte die Kündigung. © Unsplash
Wenn der Chef plötzlich sagt, eine KI könne den Job billiger machen, wird aus Technik schnell Existenzangst. Das erlebte ein Mitarbeiter in China. Seine Arbeit war es, Antworten eines großen KI-Sprachmodells zu prüfen. Dann wollte seine Firma ihn versetzen und sein Gehalt massiv kürzen. Er lehnte ab und bekam die Kündigung. Doch der Fall endete nicht mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes. Vor Gericht bekam der Mann recht, wie Bloomberg berichtet.
Damit geht es nicht nur um einen einzelnen Job in China. Der Fall zeigt, wie schnell KI zur Machtfrage im Betrieb wird. Darf eine Firma Beschäftigte schlechter stellen, nur weil Software manche Aufgaben billiger erledigt? Das Gericht zog hier eine klare Grenze: So einfach dürfen Arbeitgeber es sich nicht machen.
Kündigung wegen KI scheitert vor Gericht in China
Zhou arbeitete in der Qualitätsprüfung für KI-Antworten. Er kontrollierte also, ob Ausgaben eines großen Sprachmodells richtig waren. Solche Aufgaben entstehen, wenn Unternehmen KI-Systeme trainieren, verbessern oder für Kunden nutzbar machen. Menschen prüfen dabei, ob die Maschine verlässlich arbeitet.
Dann veränderte sich Zhous Job. Dem Bericht zufolge erklärte das Unternehmen, sein Projekt stehe durch KI-Technologie unter Druck. Ein KI-Ersatz habe zudem Kostenvorteile. Die Firma wollte Zhou deshalb auf eine andere Stelle versetzen. Sein Monatsgehalt sollte von 25.000 Yuan auf 15.000 Yuan sinken. Das entspricht einer Kürzung um 40 Prozent.
Zhou nahm diese Änderung nicht hin. Als er die Versetzung mit weniger Gehalt ablehnte, kündigte ihm das Unternehmen. Danach ging der Fall erst in ein Schiedsverfahren und anschließend vor Gericht. Die Richter in Hangzhou gaben dem Mitarbeiter recht und werteten die Entlassung als rechtswidrig.
Gericht sieht KI nicht als Freibrief für Entlassungen
Das Gericht zog eine klare arbeitsrechtliche Grenze. Die Firma konnte nicht ausreichend begründen, warum der Arbeitsvertrag mit Zhou nicht mehr fortgeführt werden konnte. Der Hinweis auf KI und geringere Kosten reichte den Richtern nicht.
In der Begründung heißt es, die Firma habe weder eine schlechte Geschäftslage noch andere ausreichende Gründe für die Kündigung nachweisen können. Auch die Bedingung, dass der Arbeitsvertrag nicht mehr erfüllt werden könne, sah das Gericht nicht erfüllt.
Unternehmen dürfen KI einsetzen, Arbeitsabläufe ändern und Stellenprofile anpassen. Wer Beschäftigte schlechter stellt, muss aber ein angemessenes Angebot machen und ernsthaft verhandeln. Im Fall Zhou sah das Gericht diese Voraussetzung nicht erfüllt. Die neue Stelle hätte einen massiven Einkommensverlust bedeutet.

Weiterbildung soll vor dem Jobverlust stehen
Das Gericht formuliert in seiner Bewertung auch einen möglichen Weg für Unternehmen. Wenn KI Arbeitsbereiche verändert, sollen Firmen zunächst prüfen, ob Beschäftigte weiterqualifiziert werden können. Mitarbeiter könnten dadurch auf anspruchsvollere Tätigkeiten wechseln, bei denen menschliche Prüfung weiter nötig bleibt.
In der Veröffentlichung heißt es sinngemäß, KI solle dazu dienen, Arbeit zu erleichtern, Beschäftigung zu fördern und den Menschen zu nützen.
Gericht bremst KI-Firmen auch bei Kosten und Überstunden
Laut Bloomberg gehen auch andere Rechtsfälle von KI- und Technologieunternehmen in diese Richtung. Ein Unternehmen durfte die Kosten für gekaufte Software nicht einfach einem Mitarbeiter aufbürden. In einem weiteren Fall musste eine Firma Überstunden bezahlen, obwohl sie behauptete, diese seien nicht genehmigt gewesen.
Die Richter zeigen damit klar: KI-Unternehmen dürfen neue Technik entwickeln und Abläufe verändern. Sie dürfen die wirtschaftlichen Folgen solcher Entscheidungen aber nicht einfach auf Beschäftigte verlagern und müssen sich an das geltende Arbeitsrecht halten – auch in China.
Kurz zusammengefasst:
- Ein Mitarbeiter in China verlor seinen Job, nachdem seine Firma Aufgaben durch KI ersetzen wollte und ihm eine schlechter bezahlte Stelle angeboten hatte.
- Das Mittlere Volksgericht Hangzhou gab dem Mitarbeiter recht, weil technische Veränderungen allein keine Kündigung rechtfertigen.
- Unternehmen dürfen KI einsetzen, müssen bei Versetzungen, Gehaltsänderungen und Kündigungen aber die Rechte der Beschäftigten beachten.
Übrigens: Während ein Gericht in China einem Mitarbeiter nach einer Kündigung wegen KI recht gibt, warnen Tech-CEOs längst vor einem viel größeren Einschnitt am Arbeitsmarkt. Vor allem Berufseinsteiger in Bürojobs könnten unter Druck geraten, meint Anthropic-Chef Dario Amodei. Mehr dazu in unserem Artikel.
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