Drogen erhöhen das Schlaganfall-Risiko deutlich – auch bei Menschen im mittleren Lebensalter
Eine Analyse von über 100 Millionen Daten hat ergeben: Kokain, Amphetamine und Cannabis stehen mit erhöhtem Schlaganfall-Risiko in Verbindung – auch bei Jüngeren.
Eine große Analyse der University of Cambridge zeigt, dass Cannabis, Kokain und Amphetamine das Schlaganfall-Risiko deutlich erhöhen. © Pexels
Schlaganfälle gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Viele denken dabei an ältere Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes. Neue Daten zeigen jedoch, dass auch Erwachsene unter 55 Jahren ein deutlich höheres Schlaganfall-Risiko haben, wenn sie bestimmte Drogen nehmen.
Eine internationale Analyse mit mehr als 100 Millionen Datensätzen kommt zu dem Ergebnis, dass Kokain, Amphetamine und Cannabis das Risiko deutlich steigern. Ein Forschungsteam der University of Cambridge wertete 32 Studien aus und veröffentlichte die Ergebnisse im Fachjournal International Journal of Stroke.
Laut Dr. Megan Ritson vom Stroke Research Group in Cambridge ist „dies ist die bislang umfassendste Analyse zum Zusammenhang zwischen Freizeitdrogen und Schlaganfall. Sie liefert überzeugende Hinweise darauf, dass Kokain, Amphetamine und Cannabis kausale Risikofaktoren sind.“
Kokain und Amphetamine verdoppeln teils das Risiko
Neben klassischen Beobachtungsdaten nutzten die Forschenden genetische Analysen. So konnten sie prüfen, ob nicht nur Begleitfaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck eine Rolle spielen, sondern ob die Substanzen selbst das Gefäßrisiko erhöhen.
Wer Kokain konsumiert, hatte in den ausgewerteten Studien ein um 96 Prozent höheres Risiko für einen Schlaganfall. Bei Amphetaminen lag der Anstieg sogar bei 122 Prozent. Cannabis-Konsum war ebenfalls mit einem Plus von 37 Prozent verbunden. Für Opioide ergab sich kein statistisch gesicherter Zusammenhang.
Besonders auffällig war der Effekt bei Hirnblutungen. Kokain stand in engem Zusammenhang mit intrazerebralen Blutungen sowie mit sogenannten kardioembolischen Schlaganfällen. Dabei entsteht ein Blutgerinnsel im Herzen, das ins Gehirn wandert. Amphetamine erhöhten sowohl das Risiko für Gefäßverschlüsse als auch für Blutungen.
Auch unter 55 Jahren deutlich erhöhte Werte
Die Daten zeigen, dass das erhöhte Risiko nicht nur ältere Menschen betrifft. In der Altersgruppe unter 55 Jahren war das Schlaganfall-Risiko bei Amphetaminen um 174 Prozent erhöht. Bei Kokain lag der Anstieg bei 97 Prozent. Cannabis zeigte einen moderateren, aber messbaren Effekt.
„Unsere Analyse legt nahe, dass es die Drogen selbst sind, die das Schlaganfall-Risiko erhöhen – nicht nur andere Lebensstilfaktoren der Konsumenten“, Dr. Eric Harshfield.
Für Amphetamine konnten keine zusätzlichen genetischen Analysen durchgeführt werden, da bisher keine ausreichend großen Datensätze vorliegen.
So greifen Drogen Gefäße und Herz direkt an
Die Cambridge-Analyse nennt mehrere Mechanismen, die das erhöhte Risiko erklären könnten:
- plötzliche starke Blutdruckanstiege
- Gefäßverengungen durch Krämpfe der Gefäßmuskulatur
- Herzrhythmusstörungen
- verstärkte Blutgerinnung
- Entzündungen der Gefäßwände
Diese Prozesse können Gefäßverschlüsse oder Hirnblutungen auslösen – also genau jene Ereignisse, die einen Schlaganfall verursachen. Schlaganfälle gelten grundsätzlich als teilweise vermeidbar. Viele Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Neben Bluthochdruck, Diabetes oder Bewegungsmangel gilt somit auch der Konsum bestimmter Drogen als riskant.
Auch in Deutschland steigen Konsum und Risiken
Laut dem REITOX-Jahresbericht 2024 der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht konsumierten zuletzt 3,6 Prozent aller Erwachsenen innerhalb eines Jahres illegale Drogen. Einschließlich Cannabis lag der Anteil bei 9,6 Prozent. Die Zahlen stammen aus der Zeit vor der Entkriminalisierung von Cannabis.
Zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede. In Berlin lag der Anteil bei 19,3 Prozent, in Sachsen bei 7,0 Prozent – jeweils inklusive Cannabis.
Besonders besorgniserregend ist der Trend bei Kokain. Der Anteil der 18- bis 59-Jährigen, die mindestens einmal im Jahr Kokain konsumieren, stieg innerhalb von sechs Jahren von 0,6 Prozent im Jahr 2015 auf 1,6 Prozent im Jahr 2021. Gleichzeitig erreichten die Sicherstellungen durch Polizei und Zoll einen Rekordwert. Wurden 2017 noch acht Tonnen Kokain beschlagnahmt, waren es 2023 bereits 43 Tonnen.
Auch die gesundheitlichen Folgen sind deutlich sichtbar. Im Jahr 2023 wurden 2.227 Drogentote registriert – der höchste Wert seit Beginn der Erfassung. In zwei Dritteln der Fälle wurde mehr als eine psychoaktive Substanz festgestellt. Burkhard Blienert, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, warnt: „Die Zahlen sprechen eine sehr deutliche Sprache: Die Lage ist ernst.“
Kurz zusammengefasst:
- Eine große Analyse von 32 Studien mit über 100 Millionen Menschen zeigt, dass Drogen wie Kokain und Amphetamine das Risiko für einen Schlaganfall deutlich erhöhen; auch Cannabis steht in einem messbaren Zusammenhang, während sich für Opioide kein klarer Effekt fand.
- Das erhöhte Risiko betrifft nicht nur ältere Menschen, sondern zeigt sich auch bei unter 55-Jährigen – besonders ausgeprägt bei Amphetaminen und Kokain.
- Ergänzende genetische Auswertungen stützen den Verdacht, dass die Substanzen selbst Gefäßschäden begünstigen, etwa durch starke Blutdruckanstiege, Gefäßverengungen, Herzrhythmusstörungen und eine erhöhte Gerinnungsneigung.
Übrigens: Neben Drogen rückt ein weiterer, oft unterschätzter Risikofaktor für Schlaganfälle in den Blick – die Mundgesundheit. Eine 20-Jahres-Studie zeigt, dass Parodontitis und Karies das Gefäßrisiko deutlich erhöhen können. Mehr dazu in unserem Artikel.
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