Waldschäden in Europa könnten bis 2100 um 20 Prozent steigen – selbst bei 2-Grad-Ziel
Trotz Klimazielen nehmen Waldschäden in Europa weiter zu – Modelle zeigen klare Anstiege bis zum Jahrhundertende.
Brände, Stürme und Borkenkäfer lassen die Waldschäden in Europa laut Studie bis 2100 deutlich steigen – selbst beim 2-Grad-Ziel. © Unsplash
Europas Wälder stehen unter wachsendem Druck. Neue Klimamodelle zeigen, dass Waldschäden durch Brände, Stürme und Borkenkäfer in Europa bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich zunehmen – selbst wenn die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie im Fachjournal Science, an der auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beteiligt war.
Wälder speichern große Mengen Kohlendioxid, kühlen Regionen und schützen Böden sowie Wasser. Wenn diese Funktionen schwächer werden, hat das Folgen für Klima, Wirtschaft und Gesellschaft.
Betroffene Fläche wächst deutlich
Zwischen 1986 und 2020 wurden in Europa im Schnitt rund 180.000 Hektar Wald pro Jahr geschädigt. Das entspricht fast der Fläche der Region Hannover. Selbst bei erfolgreicher Klimapolitik steigt dieser Wert laut Berechnungen bis 2100 auf etwa 216.000 Hektar jährlich. Das ist ein Plus von rund 20 Prozent.
Noch drastischer fällt die Entwicklung aus, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen weiter zunimmt. In diesem Szenario könnten die Schäden auf fast 370.000 Hektar pro Jahr steigen. Das wäre mehr als eine Verdopplung im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit.
Außerdem trocknen steigende Temperaturen und längere Trockenphasen Böden aus und entziehen Pflanzen Feuchtigkeit. Dadurch entstehen ideale Bedingungen für Waldbrände, sodass sich Feuer schneller ausbreiten und größere Flächen erfassen.
Schäden verlagern sich in neue Regionen
Bisher konzentrierten sich große Brände vor allem im Mittelmeerraum. Künftig könnten sie auch in Mitteleuropa und nördlicheren Regionen häufiger auftreten. Das Risiko verteilt sich neu. Süd- und Westeuropa bleiben besonders anfällig. Doch auch in anderen Teilen Europas entstehen sogenannte Hotspots mit erhöhtem Schadenspotenzial.
Neben Bränden spielen auch Stürme und Insekten eine wichtige Rolle. Stürme werfen geschwächte Bäume um und hinterlassen große Mengen Totholz. Darin vermehren sich Borkenkäfer besonders schnell. Die Kombination dieser Faktoren verstärkt die Schäden zusätzlich.
Waldstruktur verändert sich spürbar
Die Studie prognostiziert nicht nur mehr Schäden, sondern auch eine Veränderung der Waldstruktur. Der Anteil junger Wälder könnte bis 2100 um bis zu 14 Prozent steigen. Gleichzeitig nimmt der Anteil alter Wälder um rund drei Prozent ab.
Das hat Folgen für das Klima. Alte Wälder speichern besonders viel Kohlenstoff. Junge Wälder wachsen zwar schneller, binden aber insgesamt weniger CO₂. Christopher Reyer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung warnt: „In Zukunft werden Europas Wälder voraussichtlich weniger Kohlenstoff aufnehmen.“
Wenn Wälder weniger CO₂ speichern oder sogar freisetzen, erhöht sich der Druck auf andere Bereiche. Verkehr, Industrie und Landwirtschaft müssten Emissionen schneller senken, um Klimaziele zu erreichen.
Folgen reichen über den Wald hinaus
Wälder schützen Böden vor Erosion. Sie speichern Wasser. Sie wirken wie natürliche Klimaanlagen für Städte und Regionen. Werden sie geschwächt, verlieren sie einen Teil dieser Funktionen. Auch wirtschaftliche Auswirkungen sind zu erwarten:
- Forstbetriebe verlieren Erträge durch Brände und Käferbefall
- Kosten für Wiederaufforstung steigen
- Tourismusregionen verlieren an Attraktivität
Wälder sind daher nicht nur Naturräume, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor.
Klimaschutz bleibt entscheidend
Je stärker die Erderwärmung begrenzt wird, desto geringer fallen die Schäden aus. Doch selbst bei Einhaltung des 2-Grad-Ziels nehmen Waldschäden in Europa weiter zu. Klimaschutz kann den Trend bremsen, aber nicht vollständig stoppen.
Zusätzlich gewinnt die Waldbewirtschaftung an Bedeutung. Widerstandsfähige Mischwälder, angepasste Baumarten und bessere Überwachung von Waldbrandrisiken können helfen, Schäden zu reduzieren. Die kommenden Jahrzehnte entscheiden darüber, wie stark sich Europas Wälder verändern – und wie gut sie ihre wichtige Rolle im Klimasystem behalten können.
Kurz zusammengefasst:
- Waldschäden in Europa nehmen durch Klimawandel, Brände, Stürme und Borkenkäfer weiter zu – selbst bei Einhaltung des 2-Grad-Ziels wächst die jährlich betroffene Fläche deutlich.
- Alte Wälder gehen zurück, junge Wälder nehmen zu, wodurch weniger CO₂ gespeichert wird und der Druck auf Verkehr, Industrie und Landwirtschaft steigt, Emissionen schneller zu senken.
- Besonders Süd- und Westeuropa sind betroffen, doch auch andere Regionen spüren die Folgen – widerstandsfähige Mischwälder und konsequenter Klimaschutz können die Schäden begrenzen, aber nicht verhindern.
Übrigens: Während Waldschäden in Europa durch Dürre und Hitze in den Jahren 2018 bis 2020 sichtbar ganze Bestände vernichteten, übernahm der Waldboden in den Extremjahren überraschend einen Teil der CO₂-Speicherung. Warum abgestorbene Bäume die Klimabilanz nicht sofort verschlechtern, mehr dazu in unserem Artikel.
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