Akupunktur bei Migräne: Warum sie manchen hilft – und anderen nicht

Akupunktur wirkt bei Migräne nicht zufällig. Neue Daten zeigen, dass Hirnnetzwerke vorhersagen, wer wirklich profitiert.

Frau massiert sich die Schläfe

Die Untersuchung zeigt, dass Akupunktur bei Migräne ohne Aura Schmerzen und Alltagsbelastung senken kann. Entscheidend ist, wie bestimmte Bereiche im Gehirn miteinander vernetzt sind. © Freepik

Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Die Schmerzen kehren oft regelmäßig zurück und belasten Beruf, Familie und Freizeit. Viele Betroffene testen verschiedene Medikamente. Doch nicht jede Therapie hilft verlässlich. Akupunktur gilt seit Jahren als ergänzende Möglichkeit. Einige berichten von deutlicher Erleichterung, andere spüren kaum eine Wirkung. Lange blieb unklar, warum die Effekte so stark variieren.

Neue Daten liefern nun eine nachvollziehbare Erklärung. Sie lenken den Blick auf das Gehirn. Entscheidend scheint weniger die Nadeltechnik zu sein als die individuelle Vernetzung bestimmter Hirnareale. Damit verändert sich die Diskussion über Akupunktur bei Migräne: Es geht weniger um Überzeugungen, sondern um messbare Unterschiede.

Klinische Daten bestätigen Wirkung von Akupunktur bei Migräne

Grundlage ist eine randomisierte klinische Untersuchung aus China. Sie lief über zwei Jahre und umfasste 120 Erwachsene mit Migräne ohne Aura. Alle Teilnehmenden erhielten über vier Wochen insgesamt zwölf Sitzungen. Eine Gruppe wurde an etablierten Akupunkturpunkten behandelt. Die Vergleichsgruppe erhielt eine Scheinbehandlung an neutralen Stellen. Vor Beginn untersuchten die Forschenden die Gehirne aller Teilnehmenden mit funktioneller Magnetresonanztomografie.

In der Gruppe mit echter Akupunktur sank die Zahl der monatlichen Migränetage stärker als in der Vergleichsgruppe. Auch die Kopfschmerztage nahmen ab. Die Schmerzintensität ging zurück. Zudem griffen die Betroffenen seltener zu Akutmedikamenten. Diese Effekte waren statistisch belastbar und blieben auch bei genauerer Auswertung bestehen.

Nicht nur die Schmerzen veränderten sich, auch der Alltag wurde für viele leichter. Ein international gebräuchlicher Test zur Kopfschmerzbelastung zeigte geringere Einschränkungen. Die Lebensqualität verbesserte sich in mehreren Bereichen, etwa bei der Arbeit, im sozialen Leben und beim emotionalen Wohlbefinden. Nebenwirkungen traten selten auf. Kleine Blutergüsse oder kurzfristige Schmerzen klangen rasch ab. Schwere Komplikationen wurden nicht beobachtet.

Vernetzung des Gehirns macht den Unterschied

Die entscheidende Beobachtung ergab sich aus der Analyse der Gehirndaten. Bestimmte Netzwerke waren bei den Teilnehmenden unterschiedlich stark miteinander verbunden. Besonders auffällig war das sogenannte Ruhezustandsnetzwerk. Es steht unter anderem mit Selbstwahrnehmung, innerem Denken und der Verarbeitung von Schmerz in Verbindung.

Menschen mit einer schwächeren Verbindung zwischen diesem Netzwerk und tieferliegenden Hirnstrukturen profitierten stärker von der Akupunktur. Auch das Kleinhirn spielte eine Rolle. Seine Anbindung an motorische Areale hing mit einer geringeren Alltagsbelastung zusammen. Vereinfacht gesagt beeinflusst die Organisation des Gehirns, wie gut die Behandlung wirkt.

Die Forschenden sehen darin eine Möglichkeit zur Prognose. Wörtlich heißt es, die Analyse der Hirnvernetzung könne „klinische Behandlungsergebnisse vorhersagen“.

Grenzen der Prognose bleiben bestehen

Nicht alle Aspekte ließen sich im Voraus einschätzen. Die Hirnnetzwerke erlaubten Rückschlüsse auf Schmerzintensität und Alltagsbelastung. Die Häufigkeit der Anfälle oder einzelne Bereiche der Lebensqualität blieben schwerer vorhersehbar. Offenbar spielen hier weitere Einflüsse eine Rolle, etwa Stress, Schlaf oder individuelle Auslöser.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Akupunktur nicht zufällig wirkt. Sie passt besser zu bestimmten neurologischen Voraussetzungen. Das eröffnet die Möglichkeit, Therapien gezielter auszuwählen. Der praktische Nutzen liegt vor allem hier:

  • gezieltere Auswahl ergänzender Therapien
  • weniger Frustration durch erfolglose Versuche
  • bessere Einschätzung der individuellen Erfolgschancen

Kurz zusammengefasst:

  • Akupunktur kann Migräne lindern, doch der Nutzen fällt unterschiedlich aus: In einer klinischen Studie nahmen Schmerzen, Migränetage und Medikamentenbedarf bei einem Teil der Betroffenen messbar ab.
  • Der entscheidende Faktor liegt im Gehirn, genauer in der Verschaltung bestimmter Hirnnetzwerke: Wer bestimmte Verbindungs­muster aufweist, profitiert stärker von der Akupunktur-Behandlung.
  • Damit wird Akupunktur besser einschätzbar, denn die Wirkung folgt keinen Zufällen, sondern hängt von messbaren neurologischen Voraussetzungen ab – ein Schritt hin zu gezielteren Therapieentscheidungen.

Übrigens: Botox hilft nicht nur bei Falten oder Migräne, sondern schützt Nervenzellen aktiv vor Schäden – neue Forschung zeigt, wie winzige RNA-Moleküle den Zelltod verhindern. Warum das neue Chancen für neurologische Therapien eröffnet, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Freepik

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