Vitamin D senkt das Risiko schwerer Atemwegsinfektionen – auch bei Grippe

Erst wenn Vitamin D wirklich fehlt, gerät die Abwehr ins Wanken – schwere Atemwegsinfektionen werden dann deutlich häufiger.

Mensch in der Wintersonne

In den Wintermonaten fällt es dem Körper schwer, ausreichend Vitamin D zu bilden – ein ausgeprägter Mangel kann das Risiko für schwere Atemwegsinfektionen erhöhen. © Unsplash

Vitamin D taucht in Gesundheitsmeldungen immer wieder auf. Mal heißt es, der Stoff werde unterschätzt, mal gilt er als überschätzt. Viele wissen deshalb nicht, ob ein niedriger Wert überhaupt relevant ist. Eine große Studie mehrerer britischer Unis liefert dazu nun eine klare Orientierung.

Erst ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko deutlich, wegen einer Atemwegsinfektion wie Grippe im Krankenhaus zu landen – anders ausgedrückt: Vitamin D in ausreichender Menge bietet Schutz vor schweren Verläufen bei Atemwegsinfektionen.

Was große Gesundheitsdaten über Klinikrisiken zeigen

Ausgewertet wurden Gesundheits- und Krankenhausdaten aus der britischen UK Biobank. Dort sind Blutwerte, Diagnosen und Klinikaufenthalte von mehreren Hunderttausend Erwachsenen erfasst. Für die Analyse standen die Daten von 36.258 Personen zur Verfügung, überwiegend aus dem mittleren und höheren Lebensalter.

Atemwegsinfektionen zählen in dieser Altersgruppe zu den häufigsten Gründen für Krankenhausaufenthalte. Dazu gehören Bronchitis, Lungenentzündung und Grippe. In der ausgewerteten Gruppe musste im Laufe der Jahre etwa jede zwölfte Person wegen einer solchen Infektion stationär behandelt werden. Bis es erstmals dazu kam, vergingen im Durchschnitt fast 15 Jahre.

Ab welchem Wert Vitamin D wirklich einen Unterschied macht

Beim Vitamin-D-Spiegel machte vor allem eines den Unterschied:

  • Sehr niedrige Werte (unter 15 Nanomol pro Liter) gingen mit einem deutlich höheren Risiko einher, wegen einer Atemwegsinfektion im Krankenhaus behandelt zu werden.
  • Leicht oder mäßig zu niedrige Werte (15 bis 74 Nanomol pro Liter) hatten dagegen kaum Einfluss auf das Risiko.
  • Gute Werte (ab 75 Nanomol pro Liter) dienten als Vergleich und zeigten das niedrigste Klinikrisiko.

Problematisch wird Vitamin D damit erst bei einem ausgeprägten Mangel, also deutlich unter 30 Nanomol pro Liter und besonders unter 15 Nanomol pro Liter.

Zusätzlich zeigte sich ein gleichmäßiger Zusammenhang: Mit jedem Anstieg des Vitamin-D-Spiegels um 10 Nanomol pro Liter sank das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt um etwa 4 Prozent.

Warum die Grippe besonders problematisch ist

Atemwegsinfektionen gehen über harmlose Erkältungen hinaus. Vor allem die Grippe belastet die Lunge stark und führt bei älteren Menschen häufig zu Komplikationen. Entsprechend enden schwere Verläufe in dieser Altersgruppe besonders oft im Krankenhaus. Vitamin D wirkt dabei an mehreren Stellen der Immunabwehr. Es unterstützt Prozesse, mit denen der Körper Viren und Bakterien besser kontrollieren kann.

„Vitamin D ist für unsere körperliche Gesundheit wichtig. Es hält nicht nur Knochen und Muskeln stabil, sondern seine antibakteriellen und antiviralen Eigenschaften können auch helfen, das Risiko von Atemwegsinfektionen zu senken, die einen Krankenhausaufenthalt nötig machen“, fasst die leitende Autorin Abi Bournot von der University of Surrey zusammen.

Warum Winter und Alter den Vitamin-D-Spiegel drücken

In nördlichen Ländern fällt es dem Körper im Winter schwer, ausreichend Vitamin D zu bilden. Die Sonne steht tief, und die Haut bleibt häufig bedeckt. Mit zunehmendem Alter kommt hinzu, dass die körpereigene Produktion nachlässt. Viele ältere Menschen verbringen zudem mehr Zeit in Innenräumen, was die Versorgung weiter erschwert.

In Großbritannien empfehlen staatliche Stellen eine tägliche Zufuhr von 10 Mikrogramm Vitamin D. Dennoch erreichen viele diesen Wert nicht. Bournot weist darauf hin: „Trotz seiner Bedeutung für die Gesundheit sind viele Menschen unterversorgt und erreichen die empfohlene Menge nicht.“

Wie Vitamin D überhaupt in den Körper gelangt

Der Körper bildet den Großteil des Vitamin D selbst, allerdings nur bei ausreichender Sonneneinstrahlung auf die Haut. In den dunklen Monaten reicht das oft nicht aus. Über die Ernährung lassen sich nur begrenzte Mengen aufnehmen, vor allem über fetten Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele, außerdem über Eier und Leber. Deshalb bleibt der Vitamin-D-Spiegel bei vielen Menschen niedrig, selbst wenn sie sich ausgewogen ernähren.

Ergänzend kommen bei manchen Menschen Vitamin-D-Präparate infrage, vor allem in den Wintermonaten. Sie können helfen, einen ausgeprägten Mangel auszugleichen, ersetzen jedoch keine ärztliche Einordnung. Fachleute raten deshalb, Supplemente gezielt und nicht dauerhaft hoch dosiert einzunehmen.

Kurz zusammengefasst:

  • Nicht jeder niedrige Vitamin-D-Wert ist riskant – erst ein ausgeprägter Mangel erhöht deutlich die Gefahr, wegen einer Atemwegsinfektion wie Grippe im Krankenhaus zu landen.
  • Unter 15 Nanomol pro Liter steigt das Klinikrisiko stark, während gute Werte ab 75 Nanomol pro Liter mit dem geringsten Risiko verbunden sind; pro +10 Nanomol pro Liter sinkt es um rund 4 Prozent.
  • Winter und höheres Alter begünstigen Vitamin-D-Mangel – und damit schwere Verläufe von Atemwegsinfektionen.

Übrigens: Vitamin D kann offenbar mehr als Knochen stärken und das Immunsystem stützen – neue Daten deuten darauf hin, dass ein stabiler Spiegel sogar die biologische Alterung verlangsamen könnte. Warum Forscher dabei auf Zellschutz und Telomere schauen und was das für den Alltag bedeutet, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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