Apothekenmittel enttäuschen im Test – Warum einfache Hausmittel bei Halsschmerzen oft besser helfen
Viele Mittel aus der Apotheke helfen bei Halsschmerzen kaum besser als Placebos. Tests und Studien zeigen: Einfache Hausmittel lindern oft genauso wirksam.
Bei Halsschmerzen helfen oft einfache Hausmittel – viele Apothekenpräparate schneiden im Test nicht besser ab. © Pexels
Der Hals kratzt, das Schlucken schmerzt, die Stimme versagt. In solchen Momenten landen bei vielen zuerst Lutschtabletten oder Sprays aus der Apotheke im Einkaufswagen. Der Markt boomt: Millionen Packungen rezeptfreier Mittel gegen Halsbeschwerden werden jedes Jahr verkauft. Doch ein genauer Blick auf die Studienlage zeigt ein anderes Bild. Viele Produkte halten ihr Versprechen nicht. Stattdessen zeigen Tests und Studien, dass einfache Hausmittel oft denselben Zweck erfüllen.
Was hilft, ist oft weniger kompliziert, als es die Verpackungen suggerieren. Feuchtigkeit, Schutz der Schleimhäute und Geduld spielen eine größere Rolle als Wirkstoffkombinationen. Genau das zeigen unabhängige Tests und medizinische Auswertungen.
Warum viele Apothekenmittel im Test nicht überzeugen
In einem großen Vergleich prüfte die Stiftung Warentest 46 häufig gekaufte Mittel gegen Halsbeschwerden. Darunter waren klassische Arzneimittel und sogenannte Medizinprodukte. Bewertet wurden Nutzen, Wirksamkeit und Risiken anhand der verfügbaren Studien.
Das Ergebnis fällt nüchtern aus: Die meisten Präparate sind ihr Geld nicht wert. Für viele Medikamente fehlt der Nachweis, dass sie besser wirken als ein Scheinpräparat. Einige enthalten Wirkstoffe, die lokal betäuben oder desinfizieren, dabei aber die Schleimhäute reizen können. In Einzelfällen drohen sogar ernstere Nebenwirkungen. Auch bei vielen Medizinprodukten bleibt der therapeutische Nutzen unklar.
Medikamente und Medizinprodukte – zwei Wege, ein Problem
Arzneimittel greifen pharmakologisch ein. Sie beeinflussen Stoffwechsel oder Immunreaktionen. Das kann helfen, bringt aber Risiken mit sich. Medizinprodukte wirken anders. Sie enthalten Schleimstoffe wie Isländisch Moos oder Hyaluronsäure. Diese legen sich als Film über die Schleimhäute und sollen Reizungen lindern.
Die Prüfer bewerten diese Produkte als besser verträglich. Doch auch hier fehlt oft eine solide Studienbasis. Der kurzfristige Linderungseffekt ist spürbar, ein nachhaltiger Vorteil aber selten belegt. Damit stellt sich die Frage, ob einfache Alternativen denselben Zweck erfüllen.
Was Forschung zu einfachen Mitteln zeigt
Genau hier liefert die Medizin eine wichtige Einordnung. Eine große Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration wertete mehrere randomisierte Studien zu Honig bei akutem Husten aus. Analysiert wurden Daten von fast 900 Kindern. Das Ergebnis: Honig lindert Hustenbeschwerden besser als keine Behandlung oder Placebo und wirkt ähnlich gut wie gängige Hustensäfte mit Wirkstoffen wie Dextromethorphan.
Der Effekt zeigte sich vor allem kurzfristig, über ein bis drei Tage. Nebenwirkungen traten selten auf und unterschieden sich kaum von Vergleichsgruppen. Die Autoren formulieren vorsichtig, doch der Befund ist klar: Ein einfaches Hausmittel kann mit Medikamenten mithalten. Für Halsschmerzen gilt ein ähnliches Prinzip. Alles, was den Rachen befeuchtet und schützt, lindert den Reiz.
Hausmittel gegen Halsschmerzen: Feuchtigkeit hilft
In rund 80 von 100 Fällen stecken Erkältungsviren hinter Halsbeschwerden. Der Körper heilt sie meist selbst aus. Saure Bonbons regen den Speichelfluss an und befeuchten den Rachen. Warmer Tee wirkt wohltuend, weil er Flüssigkeit und Wärme liefert. Gurgeln mit Salzwasser spült Beläge ab und kann Schmerzen lindern.
Honig ergänzt diese Maßnahmen. Er legt sich schützend auf die Schleimhaut und kann den Reiz dämpfen. Für Säuglinge unter einem Jahr ist Honig ungeeignet, für alle anderen gilt er als sicher. Die Wirkung beruht nicht auf einem Medikament, sondern auf physikalischen Effekten.
Honig im Labor: Preis sagt wenig über Qualität
Passend dazu hat die Stiftung Warentest Blütenhonige genauer untersucht. In einem separaten Test wurden 24 Produkte aus Supermärkten und Discountern geprüft. Die Preisspanne reichte von rund 5,50 bis knapp 25 Euro pro Kilogramm. Das Ergebnis überraschte: Weder Preis noch Herkunft sagten zuverlässig etwas über die Qualität aus.
14 Honige schnitten gut ab, darunter mehrere preiswerte Produkte von Discountern. Ein günstiger Blütenhonig überzeugte im Labor besonders. Geprüft wurden Geschmack, Reinheit, Schadstoffe und mögliche Verfälschungen. Teure Marken enttäuschten teils, während einfache Handelsmarken punkteten.
Für den Alltag heißt das: Teure Präparate sind kein Garant für bessere Wirkung. Viele Apothekenmittel bieten keinen belegten Vorteil. Hausmittel gegen Halsschmerzen erfüllen denselben Zweck – oft günstiger und besser verträglich. Saure Bonbons, Tee, Salzwasser und ein Löffel Honig folgen einem einfachen Prinzip: befeuchten, schützen, beruhigen. Genau das braucht der gereizte Hals in den meisten Fällen.
Kurz zusammengefasst:
- Viele rezeptfreie Apothekenmittel gegen Halsschmerzen zeigen im Test keinen belegten Zusatznutzen und wirken oft nicht besser als Placebos, teils mit möglichen Nebenwirkungen.
- Medizinische Studien, darunter eine große Cochrane-Auswertung, belegen, dass einfache Maßnahmen wie Befeuchtung der Schleimhäute und Honig Beschwerden ähnlich gut lindern können wie gängige Medikamente.
- Verbrauchertests zeigen zudem: Auch preiswerte Honige aus dem Discounter überzeugen in Qualität und Reinheit – teure Produkte sind für die Linderung von Halsbeschwerden meist nicht nötig.
Übrigens: Nach der Erkältungszeit bleiben in vielen Haushalten angebrochene oder abgelaufene Medikamente zurück. Wie Arzneien und Verpackungen richtig entsorgt werden sollten, um Umwelt und Gesundheit zu schützen, mehr dazu in unserem Artikel.
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