Bereits fünf Minuten reichen: Was der Duft des Weihnachtsbaums im Körper auslöst
Der Duft von Tannennadeln kann im Körper messbare Reaktionen hervorrufen. Eine Studie aus Regensburg zeigt, dass er neben dem Wohlbefinden auch die Immunabwehr beeinflusst.
Der Duft des Weihnachtsbaums wirkt nicht nur auf die Atmosphäre im Raum. Die Studie zeigt, dass er im Körper messbare Reaktionen des Immunsystems auslösen kann. © Pexels
So kurz vor Weihnachten stehen in vielen Wohnzimmern bereits Weihnachtsbäume. Ihr Duft nach frischen Tannennadeln löst bei vielen Menschen ein Gefühl von Freude und Zufriedenheit aus. Die Wirkung des Tannendufts reicht aber offenbar über ein angenehmes Gefühl hinaus.
Eine neue Studie deutet darauf hin, dass ätherische Öle aus Tannennadeln neben der Stimmung auch Prozesse der Immunabwehr beeinflussen können – und dass der Körper darauf bereits nach kurzer Zeit messbar reagiert.
So reagiert die Immunabwehr auf den Duft des Weihnachtsbaums
Die Untersuchung stammt vom Universitätsklinikum Regensburg. Das Team wollte klären, ob der Geruch eines frisch gefällten Weihnachtsbaums kurzfristig biologische Prozesse anstößt. Im Mittelpunkt stand Stickstoffmonoxid, kurz NO. Dieses Gas spielt in den oberen Atemwegen eine zentrale Rolle für die frühe Immunabwehr.
Stickstoffmonoxid entsteht unter anderem in der Nasenschleimhaut. Dort unterstützt es Abwehrmechanismen gegen Krankheitserreger. Die Konzentration lässt sich direkt in der Ausatemluft messen. Genau diesen Wert bestimmten die Forscher vor und nach kurzen Alltagsreizen.
An der Studie nahmen 16 gesunde Erwachsene teil. Die Teilnehmer waren zwischen 20 und 63 Jahre alt. Alle arbeiteten im Gesundheitswesen. Die Versuche fanden in einem geschlossenen Raum mit 25 Quadratmetern statt. Der Weihnachtsbaum stand dort rund 24 Stunden, bevor die Messungen begannen.
Fünf Minuten genügen für messbare Veränderungen
Jede Person absolvierte zwei Testphasen. In einer Phase atmete sie fünf Minuten lang den Duft des Baumes ein. In der anderen summte sie für dieselbe Zeit Weihnachtslieder. Das Summen diente als Vergleich, da frühere Studien bereits einen Einfluss auf die NO-Freisetzung gezeigt hatten.
Die Ausgangswerte lagen nahe beieinander. Vor Beginn betrug der gemessene NO-Wert bei beiden Methoden rund 42 parts per billion. Nach fünf Minuten stiegen die Werte an. Beim Baumduft lag der Durchschnitt bei etwa 46, beim Summen bei rund 48 parts per billion.
Statistisch blieben die Unterschiede knapp unter der Signifikanz. Für den Alltag ist jedoch ein anderer Punkt entscheidend: Viele einzelne Personen reagierten deutlich:
- Beim Einatmen des Baumdufts zeigten 44 Prozent einen Anstieg der NO-Werte
- Beim Summen waren es 43 Prozent
- 69 Prozent profitierten von mindestens einer der beiden Methoden
- 25 Prozent zeigten keine messbare Reaktion
Damit reagierte mehr als zwei Drittel zumindest auf einen der Reize.
Unterschiedliche Reaktionen auf Duft und Summen
Manche Teilnehmer sprachen nur auf den Duft an, andere nur auf das Summen. Wieder andere zeigten keine Veränderung. Ein klares Muster ließ sich nicht erkennen. Alter, Geschlecht oder Rauchstatus lieferten keine eindeutigen Hinweise. Studienleiter Professor Thomas Loew ordnet die Ergebnisse zurückhaltend ein. Er sagt: „Eine akute Zunahme von nasalem Stickstoffmonoxid lässt sich bei mehr als zwei Dritteln der Teilnehmenden beobachten und kann als körperliche Unterstützung der Abwehr interpretiert werden.“
Zusätzlich erfasste das Team das subjektive Entspannungsempfinden. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer fühlte sich nach den Tests entspannter. Einen Zusammenhang zwischen Entspannung und NO-Anstieg fanden die Forscher jedoch nicht. Der Effekt lässt sich daher nicht allein mit guter Stimmung erklären.
Alte Bräuche mit möglichem biologischem Kern
Die Studie lenkt auch den Blick auf kulturelle Gewohnheiten. Immergrüne Bäume im Haus, Kerzenlicht und gemeinsames Singen begleiten die Winterzeit seit Jahrhunderten. Loew sieht darin mehr als reine Tradition. Er sagt: „Es gibt Hinweise darauf, dass hinter diesen Bräuchen mehr steckt als Religion oder Psychologie – möglicherweise eine Form biologischer Erfahrung.“
Der Duft des Weihnachtsbaums enthält ätherische Bestandteile aus den Nadeln. Diese gelangen direkt in die Atemluft und treffen dort auf Schleimhäute, die für die erste Abwehrlinie zuständig sind. Das Summen wirkt über Vibrationen in den Nasennebenhöhlen. Beide Reize setzen am selben Ort an, jedoch auf unterschiedliche Weise.
Diese beiden Wege führen zu kurzen, aber klar messbaren Reaktionen im Körper. Wie stark solche Reize im Alltag wirken und welche Faktoren die Reaktion beeinflussen, bleibt eine Frage für weitere Untersuchungen – der Hinweis auf einen körperlichen Effekt ist jedoch deutlich genug, um die vertrauten Rituale in neuem Licht zu betrachten.
Kurz zusammengefasst:
- Der Duft eines frisch gefällten Weihnachtsbaums kann im Körper messbare Reaktionen auslösen: In einer kleinen Studie aus Regensburg stieg bei vielen Teilnehmern der Wert von Stickstoffmonoxid, einem Marker der frühen Immunabwehr, bereits nach fünf Minuten.
- Nicht jeder reagiert gleich, aber der Effekt ist verbreitet: Rund 69 Prozent der Teilnehmer zeigten eine messbare Reaktion auf Tannenduft oder Summen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder subjektiver Entspannung.
- Der Duft des Weihnachtsbaums ersetzt keine medizinische Behandlung, macht aber sichtbar, dass einfache Reize aus dem Alltag kurzfristig biologische Prozesse der Abwehr beeinflussen können.
Übrigens: Beim Weihnachtsbesuch bei Oma und Opa verraten oft kleine Details im Alltag mehr über ihre Gesundheit als lange Gespräche. Warum der Blick ins Bad, in die Küche oder auf feste Rituale wichtige Hinweise geben kann – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Pexels

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