Ohne Code, nur durch Vormachen – MIT entwickelt Roboter, den jeder selbst trainieren kann
Mit einem neuen MIT-Interface kann so gut wie jeder Roboter durch Vormachen trainieren – ganz ohne Code, nur mit Handbewegung und Sensor.

Roboter, die sich wie Kollegen anleiten lassen – faszinierend, hilfreich, aber auch beunruhigend zugleich. Wer führt in Zukunft wen? (Symbolbild) © Unsplash
Roboter lernen immer schneller, flexibler – und bald vielleicht direkt von ganz normalen Menschen. Eine neue Technik aus den USA macht Schluss mit komplizierter Programmierung. Entwickelt wurde sie von Forschern des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Ihr Ziel: Personen ohne Fachkenntnisse sollen Roboter künftig direkt durch einfache Bewegungen trainieren können – ganz ohne Code, allein durch Vormachen und Zuruf.
Die Technik heißt „Versatile Demonstration Interface“, kurz VDI. Sie verwandelt gängige Roboterarme in lernfähige Kollegen, die nicht nur im Werk, sondern auch zu Hause oder im Pflegeheim helfen könnten. Statt starrer Software genügt es, dem Roboter etwas zu zeigen. Er schaut zu, speichert jede Bewegung und wiederholt sie.
Roboter trainieren per Handgriff und Vormachen – ganz ohne Code
Statt auf Experten zu warten, könnten Menschen bei Robotern, die sich ohne Code trainieren lassen, selbst zum Sensorgriff greifen und dem Helfer das Nötige beibringen.
Ob eine Flasche öffnen, einen Gegenstand einpacken oder einen Knopf drücken: All das kann das neue Interface dem Roboter vermitteln. Drei Wege stehen dafür zur Auswahl: Joystick, direkte Bewegung oder freies Vormachen mit einem Sensor-Werkzeug. Kein einziges Programmierkommando ist nötig.

Im Haushalt oder in der Pflege – Einsatz im Alltag denkbar
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels könnten Unternehmen damit neue Wege gehen. Wer Roboter heute einsetzen will, braucht oft teures Spezialwissen. Mit dem neuen Interface könnten bald auch ungelernte Kräfte Maschinen anleiten – präzise, sicher und in wenigen Minuten.
Wir wollen Roboter schaffen, die Menschen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie sollen mitdenken, mitlernen und im Alltag unterstützen, genau da, wo Hilfe gebraucht wird.
Studienleiter Michael Hagenow
Nicht nur die Industrie profitiert. Auch in der Pflege und im Haushalt lassen sich viele kleine Aufgaben automatisieren, wenn Roboter richtig mitarbeiten. Sensorik und Lernfähigkeit könnten Pflegekräfte entlasten oder Angehörige unterstützen. Das Interface macht es möglich, Maschinen einfache Handgriffe zu zeigen, ohne vorher Schulungen zu durchlaufen.
Freies Vormachen überzeugt, besonders bei feinmotorischen Aufgaben
Welche Trainingsmethode sich am besten eignet, hängt vom Einsatz ab. Muss der Roboter gefährliche Stoffe handhaben, empfiehlt sich die Fernsteuerung. Geht es um schwere Lasten, hilft die direkte Bewegung. Und bei sensiblen Arbeiten, wie das Falten von Wäsche oder das Anreichen eines Glases, punktet das manuelle Vorführen.
In ersten Tests bewährte sich das System im Produktionsumfeld. Erfahrene Fachkräfte trainierten Roboter für zwei Aufgaben: das präzise Einpressen von Stiften und das gleichmäßige Verteilen von Material auf einem Bauteil. Dabei schnitt eine Methode besonders gut ab: das freie Vormachen mit der Hand.
„Die meisten Nutzer fühlten sich mit dieser Methode am wohlsten“, so Hagenow. Die Kombination aus Handbewegung, Kameraerfassung und Kraftsensoren macht es dem Roboter leicht, auch feinfühlige Tätigkeiten zu verstehen und nachzuahmen, ideal für empfindliche Materialien oder filigrane Handarbeit.
Große Chancen, aber auch Risiken – Vertrauen will gelernt sein
Trotz aller Möglichkeiten bleibt der Einsatz lernender Roboter nicht frei von Risiken und Herausforderungen. Wer Maschinen beibringt, wie Aufgaben aussehen sollen, überträgt auch Verantwortung.
- Pflegeeinrichtungen: Fehlerhafte Bewegungen oder fehlendes Feingefühl können Verletzungen oder Unsicherheiten auslösen.
- Werkstätten und Produktionsumgebungen: Ungenaue Abläufe oder falsche Kraftdosierung bergen Unfallrisiken beim Umgang mit Maschinen oder Werkzeugen.
- Haushalte mit unterstützungsbedürftigen Personen: Missverständnisse im Ablauf können zu gefährlichen Situationen im Alltag führen.
- Datensensible Bereiche: Ohne klare Dokumentation drohen Datenschutzverletzungen, etwa beim Umgang mit persönlichen Informationen.
- Qualitätskritische Branchen: Unklarheit über den „Lehrprozess“ erschwert Rückverfolgbarkeit und Haftung bei Fehlern.
- Öffentliche Räume oder Sicherheit: Missbrauch der Technik zu kriminellen Zwecken wie Überwachung, Gewalt, Diebstahl oder Sabotage ist denkbar.
- Soziale Berufe und Betreuungssituationen: In vielen Fällen ist menschliche Nähe wünschenswert und heilungsfördernd
MIT tüftelt weiter basierend auf Rückmeldungen aus der Praxis
Die Forscher des MIT planen bereits die nächste Version. Erste Rückmeldungen aus Fertigungsbetrieben fließen in die Weiterentwicklung ein. Ziel ist ein noch kompakteres Gerät, das sich leichter bedienen lässt, auch mit nur einer Hand oder unter Zeitdruck.
Die offizielle Vorstellung erfolgt im Oktober auf der Konferenz für intelligente Robotersysteme. Dort präsentieren Julie Shah und ihr Team, was aus einem einfachen Aufsatz werden kann: Ein Werkzeug, das Maschinen menschlicher macht und ihren Einsatz alltagstauglich.
Kurz zusammengefasst:
- Das MIT hat ein neues Interface entwickelt, mit dem sich Roboter ohne Programmierkenntnisse trainieren lassen – durch Vormachen, Fernsteuerung oder direkte Bewegung.
- Das System eignet sich für Industrie, Haushalt und Pflege, da auch Laien Maschinen einfache Handgriffe beibringen können.
- Risiken bestehen bei Sicherheit, Dokumentation und sozialer Akzeptanz, besonders in sensiblen Bereichen wie der Pflege.
Übrigens: Während das MIT gerade daran arbeitet, Roboter durch einfaches Vormachen trainierbar zu machen, warnt Zukunftsforscher Adam Dorr vor der nächsten Stufe: Roboter könnten bald in fast jedem Beruf Menschen ersetzen – schneller, effizienter und günstiger. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Unsplash
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