Seltener Fund in Schottland: Vorfahre des T-Rex hinterlässt 131 Spuren
Forscher entdecken 131 Fußspuren von Dinosauriern. Die Abdrücke zeigen ein überraschendes Miteinander von Fleisch- und Pflanzenfressern in einer Lagune.

Rekonstruktion der Szene auf der Isle of Skye: Pflanzenfressende Sauropoden und fleischfressende Megalosaurier teilten sich die Lagune vor 167 Millionen Jahren. © Tone Blakesley und Scott Reid
Vor 167 Millionen Jahren sind sich Raubsaurier und Pflanzenfresser in Süßwasserlagunen auf der schottischen Isle of Skye begegnet, um zu trinken. Das zeigen 131 Dinosaurier-Fußspuren, auf die Forscher der University of Edinburgh in Schottland gestoßen sind. Einer der Dinosaurier, der seine Spuren hinterlassen hat, war ein Verwandter und Vorfahre des T-Rex.
Fleisch- und Pflanzenfresser trafen hier aufeinander
Einer der Forscher, die an der Entdeckung und Auswertung der Fußabdrücke beteiligt waren, ist Tone Blakesley. Die Spuren der Dinos befinden sich an einem Ort namens Prince Charles’ Point auf der Trotternish-Halbinsel. Sie machen das Gebiet zu einem der größten und seltensten Dinosaurier-Spurenfelder in Schottland.
Das Expertenteam rund um Blakesley entdeckte Abdrücke von riesigen Langhalssauriern, Sauropoden genannt. Diese lassen sich an ihrer großflächigen, runden Form erkennen. Obwohl die Spuren denen von Elefanten ähnlich sind, könnten diese Pflanzenfresser laut Analyse zwei- bis dreimal so groß wie unsere heutigen Dickhäuter gewesen sein. Zuvor hielten Geologen einige dieser runden Abdrücke für Fischverstecke im Boden.
Neben den Sauropoden, bei denen es sich um Cetiosaurier („Walechse“) gehandelt haben könnte, zeigten sich auch zahlreiche Spuren von Megalosauriern („Großechse“). Diese riesigen Raubsaurier waren etwa so groß wie ein Jeep und gehören zu den Theropoden – der gleichen Gruppe an Dinosauriern, denen auch der Tyrannosaurus Rex (kurz T-Rex) angehörte. Anfang Januar wurden bei einem Steinbruch nahe Oxfordshire ebenfalls Spuren dieser beiden Dinosaurier-Arten entdeckt. Funde aus dieser Zeit, dem Mittleren Jura, sind bislang selten.
Forscher rekonstruieren Bewegung und Verhalten
Die Spurenausrichtung lässt darauf schließen, dass sich die Tiere gleichzeitig in der Nähe der Lagune aufhielten. Laut dem Forschungsteam bewegten sich beide Dinosauriergruppen in alle Richtungen rund um die Lagune. Das erinnert an das Verhalten heutiger Tiergruppen, die sich an Wasserlöchern versammeln. Die Spuren belegen, dass sowohl Räuber als auch Pflanzenfresser lieber in den flachen Lagunen blieben als auf trockenem, offenem Boden.
Mit Drohnen aufgenommen und digital rekonstruiert
Die ersten drei Fußspuren wurden bereits vor fünf Jahren von Blakesley und einem Team entdeckt, als sie die Küstenlinie besucht hatten. Seitdem haben weitere Funde das Gebiet zu einem wissenschaftlich bedeutenden Ort gemacht.
Die Forscher fotografierten das Gelände mit Drohnen aus der Luft und erstellten mit spezieller Software ein 3D-Modell. Diese Technik nennt sich Photogrammetrie. Damit konnten die Wissenschaftler selbst feine Details der Dinosaurier-Fußspuren digital erfassen und auswerten.
Geschichte trifft Urzeit: Fluchtweg über Saurierspuren
Der Ort hat nicht nur paläontologische Bedeutung. Auch in der schottischen Geschichte spielt Prince Charles’ Point eine Rolle: Am 21. Juni 1746 suchte Charles Edward Stuart, auch als Bonnie Prince Charlie (der „hübsche Prinz Charlie“) bekannt, dort Zuflucht, als er auf der Flucht vor britischen Truppen war.
Prince Charles’ Point ist ein Ort, an dem schottische Geschichte und Vorgeschichte miteinander verschmelzen. Es ist erstaunlich zu denken, dass Bonnie Prince Charlie auf der Flucht möglicherweise in den Fußstapfen von Dinosauriern rannte.
Professor Steve Brusatte von der University of Edinburgh
Kurz zusammengefasst:
- Auf der schottischen Isle of Skye entdeckten Forscher 131 Fußspuren, die Dinosaurier aus dem Mittleren Jura hinterlassen haben.
- Die Spuren in Schottland zeigen, dass fleischfressende und pflanzenfressende Dinosaurier gleichzeitig dieselben Lagunen nutzten.
- Die Funde geben wichtige Hinweise auf das Verhalten und die Lebensräume dieser Urzeittiere.
Bild: © Tone Blakesley und Scott Reid (via University of Edinburgh)