Hunde beeinflussen die Luftqualität in Wohnräumen stärker als gedacht
Große Hunde stoßen so viel CO₂ aus wie ein Erwachsener und erhöhen Mikroben sowie Partikel in Wohnungen messbar.
Die Studie zeigt: Hunde wirken in Innenräumen wie zusätzliche „Mitbewohner“ in der Luft – sie setzen Gase frei und wirbeln Mikroben sowie Staubpartikel auf. © Unsplash
Ein Hund ist für viele mehr als ein Haustier – er ist ein tierischer Mitbewohner. Er teilt Sofa, Schlafzimmer und Alltag. Was dabei oft übersehen wird: Er teilt auch die Luft. In geschlossenen Räumen, in denen Menschen den Großteil ihres Tages verbringen, wirkt sich jedes zusätzliche „Mitglied“ auf das Raumklima aus. Und das ist relevant für Wohlbefinden, Konzentration und Gesundheit.
Eine neue Studie zeigt nun klar: Hunde verändern die Luftqualität in Wohnungen messbar. Sie geben Kohlendioxid und Ammoniak ab, wirbeln Staubpartikel auf und tragen Mikroorganismen in Innenräume. Eine Untersuchung der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) hat diese Effekte erstmals unter kontrollierten Bedingungen genau erfasst. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Environmental Science & Technology und liefern konkrete Zahlen statt bloßer Annahmen.
So wirken Hunde auf die Luftqualität in Innenräumen
Für die Messungen nutzte das Team eine 62 Kubikmeter große Klimakammer in Freiburg. Temperatur und Luftfeuchtigkeit blieben konstant bei 24 Grad Celsius und 50 Prozent. Getestet wurden zwei Gruppen: drei große Hunde – ein Mastiff, eine Tibetdogge und ein Neufundländer – sowie vier Chihuahuas.
Das Ergebnis beim Kohlendioxid überrascht. Ein großer Hund gab im Ruhezustand im Schnitt rund 12 Liter CO₂ pro Stunde ab. Ein sitzender Erwachsener kommt auf etwa 10 bis 19 Liter. Kleine Hunde lagen bei rund 2 Litern pro Stunde. Damit erreichen große Tiere Werte, die im Bereich eines Menschen liegen.
Auch beim Ammoniak zeigen sich Parallelen. Große Hunde setzten etwa 1,8 Milligramm pro Stunde frei, kleine rund 0,5 Milligramm. Ein Erwachsener liegt zwischen 0,5 und 2,7 Milligramm. Ammoniak entsteht beim Abbau von Proteinen und gelangt über Haut und Atemluft in den Raum. „Hunde sind bedeutende Emittenten in Innenräumen“, schreiben die Wissenschaftler. „Sie tragen aktiv zur chemischen Zusammensetzung der Raumluft bei.“
Partikel und Mikroben wirken besonders stark
Den deutlichsten Effekt fanden die Fachleute jedoch bei Staub und Mikroorganismen. Beim Schütteln, Laufen oder Streicheln wirbeln Hunde große Mengen an Partikeln auf. Dazu zählen Staub, Pollen, Pflanzenreste und Bakterien. Große Hunde gaben zwei- bis viermal mehr Mikroorganismen ab als ein Mensch im selben Raum. Große Hunde geben pro Stunde rund zwei Millionen Bakterien in die Raumluft ab – etwa doppelt so viele wie ein Mensch.
Die Tiere wirken dabei wie mobile Träger. Sie bringen biologisches Material von außen mit und verteilen es im Raum. Diese erhöhte Vielfalt ist nicht automatisch problematisch. Laut den Forschenden gibt es Hinweise, dass vielfältige Mikroben das Immunsystem, besonders bei Kindern, positiv beeinflussen können. Die gesundheitliche Wirkung hängt vom Einzelfall ab.
Grobe Staubpartikel dominieren
Neben Bakterien untersuchte das Team auch Staubpartikel zwischen 1 und 10 Mikrometern. Kleine Hunde gaben im Mittel 0,61 Milligramm Partikel pro Stunde ab, große 0,42 Milligramm. Ein Mensch lag bei 0,39 Milligramm.
Auffällig war die Größe der Teilchen. Hunde setzten überwiegend grobe Partikel zwischen 5 und 10 Mikrometern frei. Beim Menschen dominieren kleinere Partikel zwischen 2 und 5 Mikrometern. Größere Teilchen sinken schneller zu Boden, können aber bei Bewegung erneut aufgewirbelt werden. In kleinen Räumen beeinflusst das die Atemluft stärker als in großzügigen Wohnungen.
Ein hoher Anteil dieser Partikel fluoreszierte, was auf biologisches Material hindeutet. Bei großen Hunden lag dieser Anteil bei bis zu 98 Prozent.
Chemische Reaktionen durch Ozon
Die Untersuchung erfasste zudem flüchtige organische Verbindungen. Große Hunde setzten im Mittel etwa 312 Mikrogramm Aceton pro Stunde frei. Darüber hinaus beobachtete das Team chemische Reaktionen mit Ozon.
Ozon gelangt von außen in Wohnungen und reagiert dort mit Hautfetten. Beim Menschen spielt Squalen eine wichtige Rolle, ein Bestandteil des Hauttalgs. Hunde produzieren selbst kein Squalen. Beim Streicheln gelangen jedoch Rückstände menschlicher Hautfette ins Fell. Diese reagieren anschließend ebenfalls mit Ozon.
Im Schnitt bildeten Hunde dabei rund 40 Prozent weniger Ozon-Reaktionsprodukte als Menschen. Auch das zeigt: Tiere verändern die chemische Zusammensetzung der Luft, allerdings auf eigene Weise. Ob diese Veränderungen für Menschen schädlich oder möglicherweise sogar vorteilhaft sind, bleibt offen.
Was bedeutet das für den Alltag?
Lange Zeit konzentrierte sich die Forschung zur Raumluft vor allem auf den Menschen. Er galt als wichtigste Quelle für Kohlendioxid, flüchtige Stoffe und Mikroorganismen in Innenräumen. Haustiere spielten in diesen Modellen kaum eine Rolle. Die neuen Messdaten zeigen jedoch ein differenzierteres Bild. Gerade große Hunde erreichen bei CO₂ und Ammoniak Emissionswerte, die im Bereich eines sitzenden Erwachsenen liegen. Auch bei Partikeln und Bakterien tragen sie spürbar zur Belastung der Raumluft bei.
Dabei geht es nicht um Alarmismus, sondern um realistische Einschätzungen. Ein Hund ist aus Sicht der Luft ein zusätzlicher „Mitbewohner“. In größeren Räumen verteilt sich dieser Einfluss stärker, in kleinen Wohnungen oder bei mehreren Tieren fällt er deutlicher ins Gewicht. Besonders relevant wird das dort, wo wenig gelüftet wird oder sich viele Textilien und Teppiche im Raum befinden.
Für Haushalte mit Hunden lassen sich daraus einfache, alltagstaugliche Maßnahmen ableiten:
- Regelmäßiges Stoßlüften senkt Kohlendioxid und flüchtige Stoffe deutlich.
- Häufiges Reinigen von Böden, Teppichen und Polstermöbeln reduziert aufgewirbelte Partikel und Mikroorganismen.
Diese Schritte verbessern das Raumklima grundsätzlich. Leben Hunde im Haushalt, tragen sie jedoch spürbar dazu bei, die Luftqualität stabil zu halten.
Kurz zusammengefasst:
- Hunde beeinflussen die Luftqualität in Wohnungen messbar, da große Tiere ähnlich viel CO₂ wie ein Erwachsener ausstoßen und zusätzlich Ammoniak freisetzen.
- Vor allem große Hunde geben zwei- bis viermal mehr Bakterien und Pilze ab als ein Mensch, transportieren Umweltkeime über ihr Fell in die Wohnung und erhöhen so die mikrobielle Vielfalt der Raumluft.
- Neben Gasen und Mikroorganismen verändern Tiere auch chemische Abläufe in Innenräumen, weil übertragene Hautstoffe mit Ozon reagieren und neue Luftbestandteile entstehen können.
Übrigens: Während neue Messdaten zeigen, welchen Einfluss Hunde auf die Luftqualität in Wohnungen haben, geraten nun ihre eigenen Atemwege in den Blick – Atemprobleme sind bei vielen kurzköpfigen Rassen deutlich häufiger als vermutet. Welche beliebten Familienhunde besonders betroffen sind, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Unsplash
