Babyplanet entdeckt: So sah die Kindheit unseres Sonnensystems aus

Ein junger Gasriese namens WISPIT 2b wächst in einer Staublücke um seinen Stern – ein seltenes Bild aus der Frühzeit von Planetensystemen.

Babyplanet entdeckt: So sah die Kindheit des Sonnensystems aus

Junges Planetensystem WISPIT 2: Der violette Punkt zeigt Protoplanet WISPIT 2b in einer Staublücke, das rote Objekt CC1 liegt näher am Stern. © Laird Close, University of Arizona

Ein Blick in die Vergangenheit des eigenen Ursprungs – das ist der Traum vieler Astronomen. Jetzt ist er ein Stück näher gerückt: Ein internationales Team hat zum ersten Mal einen jungen Planeten beim Wachsen direkt in einer Lücke einer Staubscheibe fotografiert. Solche Scheiben umgeben junge Sterne und gelten als Brutstätten neuer Welten. Die dunklen Ringe, die man darin sieht, entstehen, weil junge Planeten Staub und Gas aus ihrer Bahn räumen – ähnlich wie ein Schneepflug, der eine Spur durch dichten Schnee zieht.

Die Beobachtung geht auf eine Studie der University of Arizona zurück. Für die Wissenschaft ist dieser Fund ein doppelter Gewinn: Er liefert einen Beweis für Theorien zur Planetenentstehung – und er erlaubt einen Blick auf Vorgänge, die sich vor Milliarden Jahren auch im frühen Sonnensystem abgespielt haben.

Ein kosmisches Baby wächst heran

Der neu entdeckte Planet trägt den Namen WISPIT 2b. Er umkreist einen jungen Stern, WISPIT 2, der erst etwa fünf Millionen Jahre alt ist – im kosmischen Maßstab ein Neugeborenes. Dieser Stern ähnelt in seiner Masse unserer Sonne, nur befindet er sich viel früher in seiner Entwicklung.

WISPIT 2b ist ein Gasriese mit rund 5,3 Jupitermassen und einem Durchmesser, der etwa 1,6 Mal so groß wie Jupiter ist. Er kreist in einem Abstand von 57,5 Astronomischen Einheiten (AE) um seinen Stern – mehr als 57 Mal so weit entfernt wie die Erde von der Sonne. In unserem Sonnensystem entspräche das einer Bahn weit jenseits des Neptuns, am Rand des Kuipergürtels.

Lichtsignal verrät den jungen Planeten

Doch wie lässt sich ein so fernes und lichtschwaches Objekt überhaupt entdecken? Die Antwort liegt in einem sehr speziellen Strahlungszeichen. Wenn Gas auf die Oberfläche eines jungen Planeten fällt, wird es extrem erhitzt. Dabei entsteht ein charakteristisches Licht, das sogenannte Hα-Licht. Genau auf dieses Signal hat sich das Teleskopsystem MagAO-X in Chile spezialisiert.

„WISPIT 2b ist sehr ähnlich zu anderen bekannten Hα-Protoplaneten hinsichtlich Masse, Alter, Hα-Linienfluss und Akkretionsrate“, heißt es in der Veröffentlichung. Das Signal, das die Forscher im April 2025 registrierten, war so stark, dass es keinen Zweifel ließ. Mit einem Signal-Rausch-Verhältnis von 12,5 hob sich der Planet klar von der umgebenden Staubscheibe ab.

Eine direkte Bestätigung für alte Theorien

Seit Jahrzehnten vermuteten Astronomen, dass die dunklen Lücken in Staubscheiben durch wachsende Planeten entstehen. Doch ein direkter Nachweis fehlte. Mit WISPIT 2b ist dieser Zusammenhang nun belegt. „Diese Entdeckung zeigt, dass Hochkontrast-Hα-Bildgebung ein leistungsfähiges Werkzeug ist, um Protoplaneten in gängigen Staublücken zu finden“, so das Team.

Für die Forschung bedeutet das: Modelle der Planetenbildung lassen sich nun besser prüfen. Denn bisher waren nur wenige Protoplaneten in inneren Bereichen solcher Scheiben nachgewiesen worden – nie zuvor aber einer mitten in einer klar abgegrenzten Ringlücke.

Zweites Objekt wirft Fragen auf

Spannend ist auch ein weiteres Signal, das die Astronomen im selben System entdeckten. In nur 15 AE Entfernung zum Stern befindet sich ein Objekt, das sie CC1 nennen. Es hat etwa 9 Jupitermassen, strahlt aber kein Hα-Licht ab. Das lässt zwei Deutungen zu: Entweder handelt es sich um einen zweiten Protoplaneten, der gerade kein Material ansammelt – oder um eine kompakte Staubwolke.

Wäre CC1 tatsächlich ein Planet, hätte WISPIT 2 gleich zwei große Gasriesen, die gemeinsam Staub und Gas um den Stern freihalten. Das System würde damit verblüffende Ähnlichkeiten zu Jupiter und Saturn in unserer eigenen Heimat zeigen.

Künstlerische Darstellung: Der junge Planet WISPIT 2b saugt Wasserstoff an und leuchtet dabei im roten Hα-Licht, das mit MagAO-X sichtbar wird. © Joseph Olmsted/STScI/NASA

Ein Muster bei allen jungen Planeten

Interessant ist auch ein Detail, das über diesen Einzelfund hinausweist. Alle bislang entdeckten Hα-Protoplaneten zeigen sich in Scheiben, die unter einem Neigungswinkel von 37 bis 52 Grad sichtbar sind. „Die Wahrscheinlichkeit, dass alle bekannten Hα-Protoplaneten zufällig in diesem Bereich liegen, beträgt nur etwa 1 Prozent“, so die Forscher.

Das deutet darauf hin, dass der Blickwinkel entscheidend ist: Nur aus bestimmten Perspektiven lässt sich das Hα-Licht erkennen, weil die Magnetfelder und Gasströme dann sichtbar werden. Für künftige Beobachtungen eröffnet das eine klare Strategie – gezielt nach Systemen mit solchen Winkeln zu suchen.

Technik macht den Unterschied

Möglich wurde der Fund durch die hochentwickelte Technik von MagAO-X. Dieses System gleicht die atmosphärischen Störungen der Erde in Echtzeit aus und erreicht dadurch eine Auflösung von weniger als 25 Millibogensekunden. Am 16. April 2025 gelang bei besonders klarer Sicht das entscheidende Bild.

Die Präzision von MagAO-X zeigt, wie wichtig technische Fortschritte für die Astronomie sind. Erst durch solche Systeme wird es möglich, junge Planeten in mehreren hundert Lichtjahren Entfernung direkt sichtbar zu machen.

Kurz zusammengefasst:

  • Astronomen haben mit dem Teleskopsystem MagAO-X erstmals einen jungen Gasriesen, WISPIT 2b, direkt in einer Staublücke um den Stern WISPIT 2 fotografiert.
  • Der Planet besitzt rund 5,3 Jupitermassen, wächst aktiv durch Gasaufnahme und bestätigt, dass dunkle Ringe in Staubscheiben von entstehenden Planeten erzeugt werden.
  • Die Studie der University of Arizona liefert damit einen entscheidenden Beweis für Theorien zur Planetenentstehung und erlaubt Rückschlüsse auf die Frühzeit unseres Sonnensystems.

Übrigens: Nicht nur Planeten in Staubscheiben verraten etwas über unsere kosmische Herkunft. Auch Moleküle im jungen Sternsystem V883 Orionis liefern Hinweise darauf, dass die Bausteine des Lebens schon vor der Entstehung der ersten Sterne vorhanden waren – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Laird Close, University of Arizona

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