Humanoider Roboter aus München zeigt, wie Fabrikarbeit künftig aussieht
Ein humanoider Roboter aus München soll ab Anfang 2026 mit Physical AI direkt neben Menschen in Fabriken arbeiten.
Agile One wurde für den Einsatz in Industriehallen entwickelt. Der humanoide Roboter reagiert auf Nähe und Widerstand und passt seine Bewegungen laufend an. © Agile Robots
Im November 2025 hat das bayerische Unternehmen Agile Robots erstmals einen humanoiden Roboter vorgestellt, der mehr kann als fest programmierte Abläufe auszuführen. Inzwischen gibt es auch ein erstes Video, das zeigt, wie der Roboter aus Bayern mit dem Namen Agile One in einer Fabrikumgebung arbeitet. Entwickelt wurde er für den industriellen Einsatz und gesteuert durch sogenannte Physical AI. Gemeint ist künstliche Intelligenz, die Wahrnehmung, Bewegung und Entscheidung direkt miteinander verbindet. Greift Agile One ein Werkzeug, misst er Druck und Widerstand. Nähert sich ein Mensch, passt er Tempo und Bewegung an.
Agile One ist für den Einsatz in laufenden Produktionsprozessen ausgelegt. Fabriken bieten dafür verlässliche Rahmenbedingungen: Abläufe sind klar definiert, Risiken beherrschbar, Abweichungen sofort erkennbar. In diesem Umfeld kann der humanoide Roboter Erfahrungen sammeln und sein Verhalten schrittweise anpassen, während er mit Menschen zusammenarbeitet. Die Industrie fungiert damit als Ausgangspunkt für Physical AI – als kontrollierte Umgebung, in der solche Systeme ihre Zuverlässigkeit entwickeln.
Wie Fabriken zum Trainingsfeld werden
Der Unterschied zu herkömmlichen Industrierobotern ist dabei grundlegend. Klassische Maschinen spielen fest hinterlegte Programme ab und stoppen im Zweifel komplett, sobald etwas Unerwartetes passiert. Humanoide Systeme wie Agile One arbeiten anders. Sie nehmen ihre Umgebung wahr, ordnen sie ein und reagieren darauf. Nähe, Widerstand oder Bewegung führen nicht automatisch zum Stillstand, sondern zu angepasstem Verhalten. Erst diese Fähigkeit macht Zusammenarbeit mit Menschen möglich.
Lernende Roboter müssen zeigen, dass sie Aufgaben nicht nur ausführen, sondern stabil wiederholen können – über Stunden hinweg und im Zusammenspiel mit Menschen. Gelingt das im industriellen Alltag, lassen sich andere Einsatzfelder überhaupt erst denken.
Humanoider Roboter aus München: So funktioniert sein Einsatz in der Industrie
Agile One ist nicht als Einzelmaschine gedacht. Er wurde für das Zusammenspiel mit Menschen und bestehenden Automatisierungssystemen entwickelt. Seine Sensorik registriert Nähe, Bewegung und Widerstand. Die Steuerung passt Tempo und Kraft laufend an. So kann der Roboter Bauteile transportieren, Maschinen bestücken oder Werkzeuge führen, ohne den Arbeitsfluss zu stören.
Entscheidend ist die Einbindung in vernetzte Produktionslinien. Der Roboter arbeitet nicht isoliert, sondern tauscht Daten aus und reagiert auf Veränderungen im Ablauf. Ziel ist keine vollautomatische Fabrik ohne Menschen, sondern Entlastung bei monotonen, schweren oder besonders präzisen Aufgaben.
Wenn Physical AI greifen, hören und reagieren muss
Der humanoide Roboter ist mit 174 Zentimetern etwa so groß wie ein durchschnittlicher Erwachsener und bringt mit 69 Kilogramm ein ähnliches Gewicht auf die Waage. Er kann Lasten von bis zu 20 Kilogramm tragen – vergleichbar mit einer schweren Werkzeugkiste. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu zwei Metern pro Sekunde bewegt er sich in etwa im Bereich eines zügigen menschlichen Gehtempos. Sein Akku reicht für Einsätze von bis zu acht Stunden und damit für eine volle Arbeitsschicht.
Konstruktiv liegt ein Schwerpunkt auf den Händen. Insgesamt besitzt der Roboter 71 Freiheitsgrade, davon 21 pro Hand. Kraft- und Drehmomentsensoren an allen Gelenken sowie taktile Fingerspitzen erlauben eine kontrollierte Anpassung der Greifkraft. Zusätzlich ist eine Sprachschnittstelle vorgesehen, um einfache Anweisungen im laufenden Betrieb zu ermöglichen.
Ein deutsches Kompetenzzentrum für Robotik entsteht
Hinter Agile One steht das Münchner Unternehmen Agile Robots, das 2018 aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hervorging. Heute arbeiten dort nach eigenen Angaben mehr als 2.500 Experten für Robotik und künstliche Intelligenz. Standorte gibt es in Deutschland, China und Indien.
Durch die Übernahme von Thyssenkrupp Automation Engineering baut das Unternehmen ein globales Kompetenzzentrum auf. Die Serienproduktion des humanoiden Roboters soll Anfang 2026 in Bayern starten. Noch bevor solche Systeme im Alltag auftauchen, sollen sie sich in Fabriken bewähren – sichtbar, praxisnah und im direkten Kontakt mit Menschen.
Kurz zusammengefasst:
- Agile One, ein humanoider Roboter aus München, arbeitet mit sogenannter Physical AI in Fabriken und verbindet Wahrnehmung, Bewegung und Entscheidung, um direkt und sicher mit Menschen zusammenzuarbeiten.
- Anders als klassische Industrieroboter reagiert er flexibel auf Nähe, Widerstand und Veränderungen, statt bei Abweichungen sofort zu stoppen, und eignet sich so für präzise, monotone oder körperlich belastende Aufgaben.
- Die Industrie dient dabei als Lern- und Testfeld: In klar strukturierten Produktionsumgebungen sammelt der Roboter Erfahrung, um zuverlässig zu arbeiten und die Grundlage für spätere Anwendungen außerhalb der Fabrik zu schaffen.
Übrigens: Eine neue Roboterhand löst sich vom Arm, bewegt sich eigenständig durch enge Spalten und holt Werkzeuge zurück, wenn Maschinen sonst stillstehen würden – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Agile Robots
