Forscher warnen: Wasserknappheit bedroht die Rohstoffproduktion – Elektroautos könnten teurer werden

Wasserknappheit setzt der Rohstoffproduktion zu: In vielen Regionen fehlt Wasser für den Abbau von Kupfer, Lithium und anderen Metallen.

Wasserknappheit bedroht die Rohstoffproduktion: In der Greenbushes-Mine in Australien wird Lithium gefördert – ein Rohstoff mit hohem Wasserverbrauch.

Wasserknappheit bedroht die Rohstoffproduktion: In der Greenbushes-Mine in Australien wird Lithium gefördert – ein Rohstoff mit hohem Wasserverbrauch. © Wikimedia

Metalle und Mineralien sind die Basis moderner Technologien. Ohne sie keine Elektroautos, keine Solarzellen, keine Windkraftanlagen. Doch ihre Produktion erfordert Unmengen an Wasser. In vielen Regionen verschärft Wasserknappheit die Rohstoffproduktion bereits jetzt – und das Problem dürfte weiter wachsen. Die Konsequenzen könnten dramatisch sein: Wenn der Rohstoffnachschub stockt, geraten Energie- und Mobilitätswende ins Wanken. Eine neue Studie des National Institute of Advanced Industrial Science and Technology aus Japan (AIST) zeigt die Risiken dieser Entwicklung auf, aber auch Möglichkeiten, gegenzusteuern.

Hoher Wasserverbrauch bei der Metallgewinnung

Von Kupfer bis Lithium – die Produktion dieser Rohstoffe ist wasserintensiv. Wasser wird für den Abbau, die Reinigung und Weiterverarbeitung benötigt. Eine aktuelle Untersuchung von AIST analysierte den Wasserverbrauch bei 32 entscheidenden Rohstoffen aus 3.300 Minen weltweit. Das Ergebnis: 25 dieser 32 Ressourcen überschreiten bereits heute die nachhaltigen Wassergrenzen ihrer Abbauregionen.

Besonders alarmierend: Die Nachfrage nach diesen Rohstoffen steigt weiter. Jedes neue Elektroauto, jede Batterie und jedes Solarmodul verstärkt den Druck auf die Wasservorräte. Doch in vielen Abbaugebieten wird mehr Wasser entnommen, als natürlich nachfließen kann. Ein Teufelskreis, der in absehbarer Zeit zu ernsthaften Engpässen führen könnte.

Kupfer: Ein unterschätztes Problem?

Ein Rohstoff steht besonders im Fokus: Kupfer. Obwohl es insgesamt weniger Wasser als Eisen verbraucht, ist seine Produktion regional oft nicht tragbar. 37 Prozent der weltweiten Kupferproduktion liegen bereits jetzt über den belastbaren Wassergrenzen. Zum Vergleich: Beim wasserintensiveren Eisen sind es nur 9 Prozent.

Das zeigt, dass nicht nur die Gesamtmenge an Wasserverbrauch entscheidend ist, sondern auch, wo der Abbau stattfindet. Regionen mit ohnehin geringen Wasserreserven kommen schnell an ihre Grenzen. Besonders betroffen sind trockenere Gebiete in Lateinamerika, Afrika und Australien, die dennoch zu den wichtigsten Kupferlieferanten der Welt gehören.

Anteil der Rohstoffproduktion, die wegen Wasserknappheit die nachhaltige Kapazität der Abbaugebiete überschreitet. © AIST

Bei Wasserknappheit leidet die Rohstoffproduktion

Die Folgen dieser Entwicklung könnten weitreichend sein. Kupfer ist unverzichtbar für die Energiewende. Es steckt in Stromleitungen, Windkraftanlagen, Solarmodulen und Elektrofahrzeugen. Wenn die Produktion durch Wasserknappheit gebremst wird, könnten Rohstoffpreise explodieren. Unternehmen müssten mehr zahlen, Verbraucher am Ende ebenfalls.

Das betrifft nicht nur Hightech-Industrien, sondern auch Alltagsprodukte. Von Haushaltsgeräten bis zu Smartphones – überall steckt Kupfer drin. Ein globaler Engpass würde sich in vielen Bereichen bemerkbar machen.

Wie können Rohstoffe nachhaltiger abgebaut werden?

Doch gibt es Alternativen? Die AIST-Forscher empfehlen verschiedene Maßnahmen, um den Wasserverbrauch zu senken und die Rohstoffversorgung langfristig zu sichern. Recycling spielt eine entscheidende Rolle. Viele Metalle lassen sich nahezu verlustfrei wiederverwerten. Je mehr recyceltes Kupfer oder Lithium in die Produktion fließt, desto weniger muss neu abgebaut werden.

Zudem setzen die Wissenschaftler auf alternative Materialien, die weniger Wasser benötigen. Hier ist die Forschung noch nicht am Ziel, aber erste Ansätze sind vielversprechend. Hinzu kommt eine effizientere Wassernutzung in Minen. Neue Technologien könnten helfen, den Wasserverbrauch pro Tonne geförderten Materials zu reduzieren.

Politik muss handeln, bevor die Krise eskaliert

Nicht zuletzt sind politische Entscheidungen gefragt. Umweltauflagen für Bergbauunternehmen könnten den Wasserverbrauch regulieren. Gleichzeitig müssen neue Abbauregionen erschlossen werden, in denen Wasserknappheit weniger problematisch ist. Internationale Handelsabkommen könnten dazu beitragen, nachhaltigere Lieferketten aufzubauen.

Dr. Masaharu Motoshita, Leiter der Studie, bringt es auf den Punkt: „Unsere Ergebnisse helfen dabei, mögliche Engpässe bei wichtigen Rohstoffen vorherzusehen. Durch Recycling und neue Ansätze können wir diese Herausforderungen bewältigen.“

Kurz zusammengefasst:

  • Die Rohstoffproduktion von Kupfer, Lithium und anderen wichtigen Metallen benötigt enorme Wassermengen – doch in vielen Regionen führt Wasserknappheit dazu, dass der Bedarf die verfügbaren Reserven übersteigt.
  • Besonders betroffen sind wasserarme Abbaugebiete, wodurch sich die Rohstoffversorgung verschärfen und die Preise steigen könnten.
  • Lösungen liegen in effizienterer Wassernutzung, Recycling und politischen Maßnahmen, um die Rohstoffproduktion langfristig zu sichern.

Bild: © Calistemon via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0

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