Parodontitis kommt immer wieder – neue Zahnpasta stoppt endlich den Erreger

Parodontitis kehrt häufig zurück. Eine neue Zahnpasta bremst gezielt schädliche Keime und schont das natürliche Gleichgewicht der Mundflora.

Frau macht Zahnpasta über einem Waschbecken auf die Zahnbürste

Die neue Zahnpasta zielt auf die Keime, die Parodontitis auslösen – und schützt gleichzeitig die nützlichen Bakterien im Mund. © Pexels

Zahnfleischbluten, leichte Schwellungen oder ein langsam zurückgehender Zahnfleischrand gehören zu den ersten Anzeichen einer Parodontitis. Viele erleben solche Symptome über Monate hinweg – und stellen frustriert fest, dass die Beschwerden selbst nach einer Behandlung wiederkommen.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) haben deshalb eine Zahnpasta entwickelt, die das Gleichgewicht der Mundflora stärken und jene Keime bremsen soll, die die Entzündung immer wieder antreiben.

Parodontitis betrifft den ganzen Körper

Im Mund leben mehr als 700 verschiedene Bakterienarten. Die meisten sind harmlos oder sogar nützlich. Sie schützen die Schleimhäute, verdrängen Eindringlinge und stabilisieren das empfindliche Gleichgewicht. Kritisch wird es, wenn sich einzelne krankmachende Keime stark vermehren.

Bei Parodontitis siedeln sich diese Bakterien bevorzugt am Zahnfleischrand an. Dort entsteht zunächst eine Zahnfleischentzündung (medizinisch: Gingivitis). Bleibt sie bestehen, zieht sich das Zahnfleisch zurück, Zähne verlieren an Halt und können locker werden. Gelangen die Keime in den Blutkreislauf, beeinflussen sie weitere Prozesse im Körper. Genannt werden unter anderem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Alzheimer.

Radikale Mundpflege begünstigt Parodontitis immer wieder

Viele Mundpflegeprodukte verfolgen einen aggressiven Ansatz. Alkoholhaltige Spülungen oder antiseptische Wirkstoffe wie Chlorhexidin töten Keime zuverlässig ab. Auf den ersten Blick wirkt das sinnvoll. Doch diese Mittel unterscheiden nicht zwischen schädlichen und nützlichen Bakterien.

Nach der Anwendung muss sich die Mundflora neu aufbauen. In dieser Phase erhalten krankmachende Keime einen Vorteil. Sie vermehren sich besonders gut auf entzündetem Zahnfleisch. Gesunde Bakterien wachsen langsamer. Das Gleichgewicht kippt erneut. Fachleute sprechen von einer Dysbiose. Die Entzündung flammt wieder auf, oft schon nach kurzer Zeit. Viele Betroffene erleben deshalb einen Kreislauf aus Behandlung, kurzer Besserung und erneutem Rückfall.

Parodontitis kontrollieren statt Keime vernichten

Die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts haben diesen Mechanismus genauer untersucht. Grundlage war eine Studie aus einem EU-Forschungsprojekt. Ziel war es, krankmachende Keime gezielt zu bremsen, ohne das gesamte Mikrobiom zu zerstören.

Dabei identifizierte das Team eine Substanz mit einem ungewöhnlichen Wirkprinzip. „Sie tötet die Gingivitis-Erreger nicht einfach ab, sondern blockiert nur deren Wachstum. Sie können ihre giftige Wirkung nicht entfalten, und die gesunden Keime können ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen. So hilft der Stoff im Einklang mit den gesunden Bakterien, das mikrobielle Gleichgewicht im Mund sanft aufzubauen und stabil zu halten“, erklärt Prof. Stephan Schilling vom Fraunhofer IZI.

Am Übergang von Zahnfleisch zu Zahn ist der Parodontitis-Erreger P. gingivalis (orange) zu sehen, während der Wirkstoff (blau) das gesunde Mikrobiom in seiner Funktion erhält. © PerioTrap

Der Ansatz stammt aus der modernen Mikrobiomforschung. Auch im Darm gilt heute ein ähnliches Prinzip. Stabilität entsteht durch Balance, nicht durch vollständige Keimvernichtung.

Parodontitis-Prävention durch moderne Zahnpflege

Aus der Forschung entstand 2018 das Spin-off PerioTrap Pharmaceuticals GmbH mit Sitz in Halle. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IZI und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen entwickelte das Team eine Zahnpasta für den Alltag. „Das Produkt dient der Vorbeugung von Parodontitis. Wie eine normale Zahnpasta enthält es aber auch Putzstoffe und Fluorid zur Vorbeugung von Karies“, sagt Dr. Mirko Buchholz, Mitgründer des Unternehmens. Die neue Zahnpasta lässt sich damit problemlos in die tägliche Routine integrieren.

Fraunhofer-Technologie für gesunde Mundflora: Entweder als klassische Zahnpasta oder als professionelles Pflege-Gel nach der Zahnreinigung
Die neue Fraunhofer-Technologie zur Behandlung von Parodontitis kommt sowohl als Zahnpasta für den Alltag als auch als professionelles Pflege-Gel für die Anwendung nach der Zahnreinigung zum Einsatz. © PerioTrap

Für Zahnarztpraxen entstand zusätzlich ein Pflege-Gel, das nach der professionellen Zahnreinigung eingesetzt wird. Weitere Produkte wie Mundwasser sind geplant. Auch Anwendungen für Haustiere stehen auf der Agenda, da Parodontitis bei Hunden und Katzen ähnliche Ursachen hat.

Kurz zusammengefasst:

  • Parodontitis entsteht oft durch ein gestörtes Gleichgewicht der Mundflora, nicht durch mangelnde Zahnpflege, und kann über den Mund hinaus den ganzen Körper belasten.
  • Klassische Mundpflege tötet alle Keime, wodurch krankmachende Bakterien beim Neubeginn der Besiedlung einen Vorteil erhalten und Entzündungen häufig zurückkehren.
  • Die neue Zahnpasta gegen Parodontitis bremst gezielt schädliche Keime, schont nützliche Bakterien und stabilisiert so die Mundflora, statt sie vollständig zu zerstören.

Übrigens: Zucker bringt das Gleichgewicht im Mund schon nach Sekunden durcheinander und startet einen Säureangriff auf den Zahnschmelz. Warum vor allem häufiges Naschen problematisch ist, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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