Altes Heilwissen aus China: Diese Wurzel zeigt messbare Effekte bei Haarausfall
Viele Menschen leiden unter Haarausfall, doch einige der bekannten Mittel helfen kaum dagegen. Nun rückt eine alte chinesische Heilwurzel wieder in den Fokus.
Die Alterung der Haare beginnt tief im Haarfollikel, wo frühe Störungen von Zellsignalen Farbe und Wachstum beeinflussen. © Unsplash
Haarausfall gehört zu den häufigsten dermatologischen Veränderungen im Erwachsenenalter. Besonders die androgenetische Form betrifft viele Menschen früh und schreitet langsam fort. In China sind davon rund 21,3 Prozent der Männer und 6 Prozent der Frauen betroffen. Der Beginn verlagert sich zunehmend in jüngere Altersgruppen. Medizinisch stehen bislang nur wenige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, deren Wirkung begrenzt ist und die oft dauerhaft angewendet werden müssen.
Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse an alternativen Ansätzen. Einer davon stammt aus der traditionellen chinesischen Medizin und wird inzwischen auch von moderner Forschung genauer untersucht. Die Pflanze heißt Pleuropterus multiflorus, auch bekannt als He Shou Wu. In China wird die Wurzel seit Jahrhunderten mit kräftigem, dunklem Haar in Verbindung gebracht. Im Zusammenhang mit Haarausfall wird sie nun wissenschaftlich geprüft. Eine aktuelle Übersichtsarbeit ordnet ein, warum dieses alte Heilwissen aus China aus heutiger Sicht biologisch plausibel erscheint – und wo klare Grenzen liegen.
Warum Haarausfall mehrere Ursachen hat – und was die China-Wurzel so besonders macht
Androgenetischer Haarausfall entsteht nicht durch einen einzelnen Auslöser. Mehrere Prozesse wirken zusammen. Hormone verändern die Haarwurzel. Entzündliche Reize schwächen das Gewebe. Die Durchblutung der Kopfhaut nimmt ab. Gleichzeitig verlieren Haarfollikel mit zunehmendem Alter an Regenerationskraft. Deshalb bleiben einfache Lösungen so oft wirkungslos.
Weltweit sind bislang nur zwei nicht-chirurgische Medikamente gegen androgenetischen Haarausfall zugelassen: Minoxidil und Finasterid. Die Studie beschreibt die China-Wurzel als einen Stoff mit ungewöhnlich breitem Wirkprofil. Anders als Minoxidil oder Finasterid greift sie nicht nur an einem Punkt an, sondern beeinflusst mehrere biologische Systeme parallel.
Laboruntersuchungen zeigen, dass Extrakte der Wurzel das Enzym hemmen können, das für die Bildung von Dihydrotestosteron (DHT) verantwortlich ist. Dieses Hormon gilt als zentraler Treiber des Haarverlusts. Je nach Aufbereitung sank die Aktivität dieses Enzyms im Labor um bis zu 90 Prozent. Parallel reduzierten sich DHT-Werte in Haut- und Tiermodellen deutlich.

China-Wurzel stärkt Haarfollikel und verbessert ihre Versorgung
Die Effekte gehen über Hormone hinaus. In Zellkulturen beeinflussten Inhaltsstoffe der Pflanze die Lebensdauer von Haarfollikelzellen. Schutzmechanismen wurden gestärkt, während Prozesse des Zelltods gebremst wurden. Die Folge: Die Wachstumsphase der Haare verlängerte sich messbar.
Auch bekannte Wachstumssignale spielten eine Rolle. Wnt- und Shh-Signalwege gelten als eine Art Startsignal für neues Haarwachstum. In Tiermodellen stieg ihre Aktivität nach der Behandlung deutlich an. Haare traten früher in die Wachstumsphase ein, die Dichte nahm zu.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der bei Haarausfall häufig unterschätzt wird: die Durchblutung. Feine Blutgefäße versorgen die Haarwurzel mit Sauerstoff und Nährstoffen. In Versuchen nahm die Zahl kleiner Blutgefäße in der Kopfhaut zu, zugleich verbesserte sich die Mikrozirkulation. Für geschwächte Haarfollikel bedeutet das bessere Bedingungen in einer sensiblen Phase.
Alte Quellen und moderne Biologie beschreiben dieselben Effekte
Bemerkenswert ist die Nähe zwischen historischen Beschreibungen und heutigen biologischen Erkenntnissen. Chinesische medizinische Texte aus der Tang-Dynastie erwähnen die Wurzel regelmäßig bei frühem Ergrauen und schütterem Haar. Die moderne Forschung findet nun Mechanismen, die diese Beobachtungen erklären könnten.
„Die historischen Beschreibungen passen erstaunlich gut zu dem, was die moderne Haarbiologie kennt“, sagt Erstautor Han Bixian. „Das ist keine Folklore, sondern Pharmakologie.“ Die überlieferten Anwendungen lassen sich damit heute biochemisch nachvollziehen.
Besonders kritisch bewertet die Studie mögliche Risiken. Bei innerlicher Anwendung der Pflanze traten in der Vergangenheit Fälle von medikamentenbedingten Leberschäden auf. Das Risiko hängt von Dosis, Verarbeitung und individueller Veranlagung ab.
Damit wird deutlich: Pflanzlich bedeutet nicht automatisch unbedenklich. Die biologischen Effekte der Wurzel sind nachvollziehbar, doch eine sichere Anwendung lässt sich nur durch gut kontrollierte klinische Studien zuverlässig bewerten.
Kurz zusammengefasst:
- Haarausfall hat viele Ursachen zugleich: Hormone wie DHT, Entzündungen, Durchblutungsstörungen und die Alterung der Haarfollikel greifen ineinander – deshalb stoßen gängige Einzeltherapien oft an Grenzen.
- Die China-Wurzel Pleuropterus multiflorus wirkt auf mehreren Ebenen: In Labor- und Tierstudien hemmte sie die DHT-Bildung teils stark, verlängerte die Wachstumsphase der Haare, aktivierte zentrale Wachstumssignale und verbesserte die Mikrozirkulation der Kopfhaut.
- Biologisch plausibel, aber nicht risikofrei: Berichte über Leberschäden bei innerlicher Anwendung zeigen, dass pflanzlich nicht automatisch harmlos bedeutet und belastbare klinische Studien für eine sichere Nutzung entscheidend sind.
Übrigens: Haarausfall entsteht womöglich aus einem ganz anderen Grund als lange gedacht – neue Forschung zeigt, dass Haare nicht von unten „geschoben“, sondern im Follikel aktiv nach oben gezogen werden, durch feine Zugkräfte beweglicher Zellen. Warum viele gängige Mittel deshalb kaum wirken und was dieser Mechanismus für neue Therapien bedeutet, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Unsplash
