Gemütlich, aber gefährlich: Kaminöfen machen die Winterluft krank
Holzöfen verursachen im Winter rund 20 Prozent des Feinstaubs. Die Belastung erhöht Herz- und Atemwegsrisiken und trifft vor allem Städte.
Feinstaub aus Holzöfen belastet die Winterluft erheblich und steht laut aktuellen Berechnungen mit tausenden vorzeitigen Todesfällen pro Jahr in Verbindung. © Unsplash
Was gibt es Schöneres als ein Kaminfeuer in der kalten Jahreszeit? Es spendet Wärme, senkt Heizkosten und steht für Gemütlichkeit. Weniger schön ist jedoch seine Wirkung nach draußen: Feinstaub aus Holzöfen erhöht im Winter die Belastung der Stadtluft deutlich. Neue Berechnungen aus den USA zeigen, dass diese Belastung viele Menschen betrifft – auch ohne eigenen Kamin.
Die Analyse stammt von Forschenden der Northwestern University und zeigt: Obwohl nur etwa zwei Prozent der Haushalte mit Holz als Hauptquelle heizen, verursacht diese Form der Verbrennung mehr als ein Fünftel der winterlichen Feinstaubbelastung im Freien. Die Partikel sind kleiner als 2,5 Mikrometer. Sie dringen tief in die Lunge ein und gelangen von dort in den Blutkreislauf.
Feinstaub aus Holzöfen belastet vor allem im Winter
Diese Partikelgröße gilt medizinisch als besonders riskant. Sie erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen. Die Forschenden berechnen rund 8.600 vorzeitige Todesfälle pro Jahr, die allein mit Feinstaub aus Holzverbrennung zusammenhängen – überwiegend während der Wintermonate. „Eine langfristige Belastung durch Feinstaub steht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung“, sagt Studienleiter Kyan Shlipak. „Studien zeigen seit Jahren, dass diese Belastung die Sterblichkeit erhöht.“
Auffällig ist dabei: Die Untersuchung berücksichtigt ausschließlich die Belastung der Außenluft. Zusätzliche Risiken durch Feinstaub in Innenräumen sind nicht eingerechnet – obwohl dort beim Heizen mit Holz teils noch höhere Konzentrationen auftreten können.
Hinzu kommt die Zusammensetzung des Feinstaubs. Ein großer Anteil aus Holzfeuern besteht aus organischem Kohlenstoff. Diese Partikel gelten als besonders gesundheitsschädlich. Sie fördern Entzündungen und belasten Herz und Gefäße dauerhaft.
Städte tragen die größte Last
Entgegen einer verbreiteten Annahme entsteht das Problem nicht vor allem auf dem Land. Besonders stark betroffen sind Städte und Vororte. Rauch aus Randlagen wird durch Wind und Wetter in dichter besiedelte Gebiete getragen. Dort leben viele Menschen auf engem Raum. Die Belastung steigt, obwohl in diesen Vierteln oft kaum Holz verbrannt wird „Schadstoffe bleiben nicht dort, wo sie entstehen“, erklärt Daniel Horton, Mitautor der Studie. „Wenn sie in dicht besiedelte Stadtgebiete transportiert werden, sind besonders viele Menschen betroffen.“
Selbst Städte mit milderem Klima bleiben nicht verschont. Schon kurze Kältephasen reichen aus, um die Werte spürbar anzuheben. Die gesundheitliche Last verteilt sich ungleich: Bevölkerungsgruppen mit höherer Vorbelastung tragen oft ein größeres Risiko, obwohl sie selbst weniger Holz verbrennen. Entscheidend sind Faktoren wie Bevölkerungsdichte, bestehende Erkrankungen und die Dauer der Belastung. In einzelnen Großräumen der USA liegt der Anteil von Holzverbrennung an der winterlichen Feinstaubbelastung bei fast einem Drittel.
Holzöfen sind in Deutschland eine der größten Feinstaubquellen
Auch in Deutschland trägt das Heizen mit Holz erheblich zur Feinstaubbelastung bei. Nach Angaben des Umweltbundesamts wird die Gesundheit der Bevölkerung vor allem durch Emissionen aus privaten Holzfeuerungen beeinträchtigt. In deutschen Haushalten sind nach Daten des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) rund 11,2 bis 11,7 Millionen Kamin-, Kachel- und Pelletöfen installiert, meist als Zusatzheizung.
Im Jahr 2020 trug die Holzverbrennung in privaten Haushalten rund 18 Prozent zu den gesamten deutschen PM2,5-Emissionen bei – nahezu so viel wie der gesamte Straßenverkehr. Diese Größenordnung überrascht, da Holz vielerorts noch immer als saubere oder zumindest harmlose Heizalternative gilt.
Warum Holzöfen so viel Feinstaub freisetzen
Der hohe Anteil erklärt sich aus der Verbrennung selbst. Holzfeuer setzen besonders viele ultrafeine Partikel frei, die vom Körper kaum wieder ausgeschieden werden. Hinzu kommt der Zustand vieler Anlagen: Ein großer Teil der Öfen ist technisch veraltet oder wird nicht optimal betrieben. Feuchtes Holz, gedrosselte Luftzufuhr oder unvollständige Verbrennung lassen die Emissionen stark ansteigen. Auch moderne Geräte stoßen weiterhin relevante Mengen an Feinstaub, Ruß und organischen Schadstoffen aus.
Problematisch ist zudem der Ort der Emissionen. Holzöfen stehen meist in Wohngebieten. In kalten, windarmen Wetterlagen staut sich der Rauch in bodennahen Luftschichten – ein Effekt, der auch aus Städten wie Neu-Delhi bekannt ist. Messstationen registrieren dann deutlich erhöhte Feinstaubwerte, vor allem in dicht bebauten Quartieren, Tallagen und Innenstädten. Ein erheblicher Teil der Belastung entsteht lokal, nicht durch Ferntransport. Wer keinen eigenen Kamin hat, atmet den Rauch dennoch ein.
Gesundheitliche Folgen sind gut belegt
PM2,5 gilt als einer der gesundheitlich relevantesten Luftschadstoffe. Langfristige Belastung erhöht nachweislich das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, chronische Atemwegserkrankungen und eine verkürzte Lebenserwartung. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen. Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes zählt Feinstaub zu den Luftschadstoffen mit der höchsten Krankheitslast in Deutschland – Holzfeuerungen tragen dazu einen erheblichen, lange unterschätzten Anteil bei.
Welche Kaminöfen seit 2025 nicht mehr erlaubt sind
In Deutschland gelten für Kaminöfen feste gesetzliche Regeln. Seit dem 1. Januar 2025 dürfen ältere Kaminöfen nicht mehr betrieben werden, wenn sie die vorgeschriebenen Grenzwerte überschreiten oder keinen gültigen Nachweis über ihre Emissionswerte vorlegen können.
Entscheidend ist dabei das Alter des Ofens:
- Öfen mit Typprüfung bis Ende 1994 durften nur bis zu früheren Übergangsfristen betrieben werden. Ohne Nachrüstung oder Austausch sind sie nicht mehr erlaubt.
- Anlagen aus den Jahren 1995 bis 21. März 2010 dürfen seit 2025 nur weiterlaufen, wenn sie die Grenzwerte nachweislich einhalten.
- Öfen ab dem 21. März 2010 müssen die aktuellen Grenzwerte grundsätzlich erfüllen. Auch hier ist ein Nachweis erforderlich.
Für Feinstaub gilt ein Grenzwert von maximal 0,15 Gramm pro Kubikmeter Abgas. Wird dieser Wert überschritten, bleibt nur die Nachrüstung mit einem geprüften Filter oder die Stilllegung des Ofens.
Ausnahmen gibt es nur in wenigen Fällen – etwa für offene Kamine mit gelegentlichem Betrieb, historische Einzelstücke oder handwerklich gesetzte Grundöfen, jeweils unter engen Voraussetzungen.
Gesetzliche Wirkung reicht bislang nicht aus
Nach Modellrechnungen des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2021 würden sich die PM2,5-Emissionen aus holzbefeuerten Kleinfeuerungsanlagen bis 2030 um rund 30 Prozent verringern – allein durch bestehende Vorschriften und den Austausch alter Öfen. Diese Prognose berücksichtigt jedoch nicht die zuletzt stark gestiegene Nachfrage nach Holzheizungen infolge hoher Preise für Heizöl und Erdgas. Der tatsächliche Rückgang könnte daher geringer ausfallen.
Aus Sicht des Umweltbundesamtes wäre ohnehin eine deutlich stärkere Reduktion nötig. Um die Feinstaubkonzentrationen in der Außenluft an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation heranzuführen, müsste der Ausstoß aus Holzfeuerungen mindestens um 50 Prozent sinken.
Kurz zusammengefasst:
- Holzöfen und Kamine sind eine der größten Quellen für gesundheitsgefährlichen Feinstaub im Winter, obwohl nur wenige Haushalte damit heizen; die winzigen PM2,5-Partikel gelangen tief in Lunge und Blutbahn und erhöhen das Risiko für Herz- und Lungenerkrankungen sowie vorzeitige Todesfälle.
- Studien aus den USA und Daten aus Deutschland zeigen übereinstimmend, dass Holzverbrennung einen erheblichen Anteil an der winterlichen Feinstaubbelastung hat – in Deutschland rund 18 Prozent, fast so viel wie der gesamte Straßenverkehr.
- Seit dem 1. Januar 2025 dürfen ältere Kaminöfen ohne Grenzwert-Nachweis nicht mehr betrieben werden; dennoch reichen die bestehenden Regeln laut Umweltbundesamt nicht aus, um die Feinstaubbelastung auf ein gesundheitlich unbedenkliches Niveau zu senken.
Übrigens: Wie stark Kaminöfen die Winterluft belasten, zeigt sich in Europa besonders drastisch in Sarajevo – dort entsteht der giftige Smog nicht durch Industrie, sondern direkt in Wohnungen und Küchen. Warum die Luft abends teils schlimmer ist als in Peking, mehr dazu in unserem Artikel.
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