US-Regierung will Verhütungsmittel im Wert von 9,7 Millionen vernichten – Protestbrief an Bundesregierung

Verhütungsmittel im Wert von 9,7 Mio. Dollar lagern in Belgien und sollen vernichtet werden – die DSW warnt vor dramatischen Folgen.

Trump will Verhütungsmittel im Wert von 9,7 Millionen vernichten

Die Regierung von Donald Trump plant die Vernichtung von Verhütungsmitteln im Wert von 9,7 Millionen Dollar. © Wikimedia

In Belgien lagern Verhütungsmittel im Wert von rund 9,7 Millionen US-Dollar. Sie waren ursprünglich für USAID-Programme zur Familienplanung und reproduktiven Gesundheit vorgesehen, die Anfang des Jahres von der US-Regierung eingestellt wurden. Nun sollen die Bestände nach Frankreich gebracht und dort verbrannt werden – obwohl zahlreiche der Produkte noch bis 2027, teils sogar bis 2031 haltbar sind, wie NPR berichtet. Kritiker sprechen von einem Skandal: Während weltweit Millionen Menschen keinen Zugang zu sicherer Familienplanung haben, landen gebrauchsfähige Mittel auf dem Müll.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) und 15 weitere Organisationen haben Bundeskanzler Friedrich Merz, Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan und Außenminister Johann Wadephul angeschrieben. In ihrem offenen Brief warnen sie vor den Folgen der geplanten Vernichtung und drängen Berlin zu einem Eingreifen.

„Was hier droht, ist eine mutwillige Zerstörung reproduktiver Gesundheitsversorgung unter den Augen europäischer Regierungen“, sagt Ludmilla Schlageter, politische Leiterin der DSW. Sie warnt, die Folgen seien dramatisch.

Vernichtung von Verhütungsmitteln verursacht hunderttausende ungewollte Schwangerschaften

Laut Berechnungen des US-amerikanischen Guttmacher Instituts würde die Vernichtung der Bestände zu zusätzlich 362.000 ungewollten Schwangerschaften führen. Hinzu kämen 161.000 nicht geplante Geburten und 110.000 unsichere Abtreibungen. Auch mehr als 700 vermeidbare Todesfälle bei Müttern wären die Folge.

Schlageter kritisiert die Haltung Washingtons deutlich: „Wenn konkrete Lösungsvorschläge ignoriert und die Mittel stattdessen vernichtet werden, ist das ein Versagen politischer und humanitärer Verantwortung.“

UN-Organisationen bieten Übernahme an

Mehrere internationale Akteure – darunter der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) und die Organisation MSI Reproductive Choices – haben der US-Regierung bereits angeboten, die Vorräte zu übernehmen und dorthin zu bringen, wo der Bedarf besonders groß ist. Bisher blockiert die US-Regierung diese Angebote jedoch.

Die Entscheidung reiht sich in eine längere Entwicklung ein: Unter Donald Trump wurden mit der Wiedereinführung der sogenannten Global Gag Rule Hilfsgelder für Projekte gestrichen, die mit Schwangerschaftsabbrüchen in Verbindung stehen könnten.

Auflösung von USAID verstärkt die Krise

Hinzu kommt die Abwicklung der US-Entwicklungsbehörde USAID, die Trump seit 2025 betreibt. Laut einem Bericht des US-Außenministeriums mussten 951 Förderprogramme im Gesamtwert von knapp 75 Milliarden Dollar auf andere Behörden verteilt werden – viele davon ohne Erfahrung in Entwicklungsarbeit. Das sorgt für Verzögerungen und Chaos in der Versorgung.

Die Regierung nutzte zudem ein Sonderverfahren, um rund fünf Milliarden Dollar an bewilligten Entwicklungsgeldern einzufrieren. Fachleute warnen, dass dadurch globale Gesundheitsprogramme ins Stocken geraten.

Kinderernährung leidet massiv

Die Folgen reichen weit über den aktuellen Streit um Verhütungsmittel hinaus. Nach Angaben von Fachzeitschriften wie Nature erhalten durch die Kürzungen weltweit rund 2,3 Millionen Kinder keine lebenswichtige Behandlung gegen akute Mangelernährung mehr. Forscher erwarten bis zu 369.000 zusätzliche Kindstodesfälle pro Jahr, davon 163.500 durch den Rückzug der USA allein.

Washington kappte zeitweise die Finanzierung, sodass selbst Frühwarnsysteme für Hungerkrisen wie FEWS NET abgeschaltet werden mussten. Damit fehlen Regierungen und Hilfsorganisationen wichtige Daten, um rechtzeitig zu reagieren.

DSW stärkt Familienplanung seit mehr als 30 Jahren

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung wurde 1991 von den Unternehmern Erhard Schreiber und Dirk Roßmann gegründet. Ihr Ziel ist es, das Menschenrecht auf Familienplanung zu fördern und eine nachhaltige Bevölkerungsentwicklung zu unterstützen. Schwerpunkte der Arbeit liegen in Ostafrika, wo die Stiftung Jugendliche dabei begleitet, selbstbestimmte Entscheidungen über Sexualität und Verhütung zu treffen.

Darüber hinaus engagiert sich die DSW in den Bereichen Gesundheit, Gleichstellung und politische Einflussnahme in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Stiftung unterliegt staatlicher Aufsicht, veröffentlicht freiwillig geprüfte Jahresberichte und finanziert ihre Arbeit aus Spenden sowie öffentlichen Mitteln.

Kurz zusammengefasst:

  • Die Trump-Regierung will Verhütungsmittel im Wert von 9,7 Millionen Dollar, die derzeit in Belgien lagern, nach Frankreich bringen und dort verbrennen lassen.
  • Laut Berechnungen des Guttmacher Instituts drohen dadurch über 362.000 ungewollte Schwangerschaften, 161.000 ungeplante Geburten und 110.000 unsichere Abtreibungen.
  • Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) und Partnerorganisationen protestieren in einem Brief an die Bundesregierung und fordern, die Mittel weiterzugeben statt zu zerstören.

Übrigens: Trumps Regierung will binnen eines Jahres rund 100.000 Vorschriften kippen – gesteuert von einer DOGE-KI, die selbst Experten skeptisch sehen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © The White House via Wikimedia unter Public Domain

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