Recycling-Architektur: Münchens erste Fassade aus Abfall spart 40 Prozent CO2
München bekommt ein Bürogebäude mit einer Fassade aus Abfall: 60.000 alte Ziegel und 20.000 recycelte Plastikfliesen sparen 40 Prozent CO2.

Farbenfroh und nachhaltig: Das MONACO im Münchener Werksviertel setzt mit recycelten Fliesen und Klinkersteinen ein architektonisches Statement. © MVRDV
Grün, schimmernd und auffällig: Die Fassade aus Abfall des geplanten Bürogebäudes MONACO im Münchner Werksviertel sorgt schon jetzt für Aufsehen. Statt glatter Glasfronten oder eintöniger Betonwände entsteht hier ein Bauwerk aus recyceltem Material – und das auf beeindruckend ästhetische Weise. 60.000 wiederverwendete Klinkersteine kombiniert mit 20.000 glänzenden Plastikfliesen zeigen, wie nachhaltige Architektur in der Stadt von morgen aussehen kann.
Recycling trifft auf Design – Fassade aus Abfall
Mit diesem Ansatz geht die Rock Capital Group als Bauherr neue Wege. „Das Thema Recyclingmaterial sichtbar zu machen, ist ein Cradle-to-Cradle-Bekenntnis“, sagt Andreas Wißmeier, Geschäftsführer des Unternehmens. „Viele Rohstoffe sind zu schade, um dauerhaft als Müll zu enden.“ Diese Vision prägt die Gestaltung des MONACO, das 2027 fertiggestellt werden soll.
Der Entwurf stammt vom renommierten niederländischen Architekturbüro MVRDV, das bereits mit dem Werk 12 im Werksviertel einen Meilenstein gesetzt hat. Jetzt setzen sie erneut auf unkonventionelle Materialien und verleihen alten Baustoffen eine zweite Chance. Die Plastikfliesen stammen von „Pretty Plastics“, einem Hersteller, der ausgediente Fensterrahmen, Regenrinnen und Rohre in stilvolle Baumaterialien verwandelt.
Weniger CO2, mehr Charakter
Nicht nur optisch, sondern auch ökologisch überzeugt das Konzept: Die Fassade aus recycelten Materialien spart etwa 40 Prozent CO2 im Vergleich zu herkömmlichen Bauweisen. Angesichts der jährlich anfallenden 220 Millionen Tonnen Bauabfall in Deutschland ist das ein wichtiger Schritt. Bislang werden nur 10,6 Prozent dieser Abfälle als Recycling-Baustoffe wiederverwendet, der Rest landet als Schüttgut im Bergbau.
Die innovative Bauweise des MONACO könnte also nicht nur neue gestalterische Akzente setzen, sondern auch ein Vorbild für nachhaltiges Bauen werden. Denn das Problem ist bekannt: In den Städten wird gebaut wie nie zuvor, aber kaum jemand achtet darauf, welche Ressourcen dabei verbraucht werden.
Architektur aus Müll – Ein Trend mit Zukunft?
Dass Abfall ein wertvoller Baustoff sein kann, zeigen bereits zahlreiche Projekte weltweit. Der Bulgari Flagship Store in Shanghai besteht aus recycelten Champagnerflaschen, eingefasst in Art-Déco-Messingrahmen.
In Berlin wurden für das Neue Museum 350.000 historische Backsteine wiederaufbereitet und verbaut. Das niederländische Schwimmcenter Tongelreep nutzt sogar über 30.000 Pretty Plastic-Fliesen für seine Fassade.
In Dubai setzen Architekten auf recycelte Bettfedern, in Hannover wurden alte Saunabänke als Fassadenelemente wiederverwendet. Der Trend ist eindeutig: Statt neue Ressourcen zu verbrauchen, wird vorhandenes Material kreativ genutzt.
Nachhaltig und schön – Geht das?
Lange Zeit galten Recycling-Baustoffe als zweckmäßig, aber wenig ansprechend. Doch Projekte wie das MONACO beweisen das Gegenteil. Hier wird Recycling nicht versteckt, sondern bewusst in Szene gesetzt. Nachhaltige Architektur muss nicht grau und langweilig sein – sie kann innovativ, hochwertig und ästhetisch beeindruckend sein.
Für die Büronutzer im MONACO bedeutet das: Arbeiten in einem Gebäude, das ein Zeichen für die Zukunft setzt. Ein Ort, der nicht nur modern ist, sondern auch zeigt, dass nachhaltiges Bauen keine Kompromisse bedeutet. Im Gegenteil: Wer hier einzieht, arbeitet in einem echten Designjuwel, das auch noch gut für die Umwelt ist.
Kurz zusammengefasst:
- Das Münchner Bürogebäude MONACO erhält eine Fassade aus Abfall, bestehend aus 60.000 alten Klinkersteinen und 20.000 recycelten Plastikfliesen, was 40 Prozent CO2 im Vergleich zu herkömmlichen Bauweisen einspart.
- Nachhaltige Architektur gewinnt weltweit an Bedeutung: Beispiele wie der Bulgari-Store in Shanghai (recyceltes Glas) oder das Schwimmcenter in Eindhoven (Plastikfliesen) zeigen, wie aus Abfall hochwertiges Baumaterial wird.
- In Deutschland fallen jährlich 220 Millionen Tonnen Bauabfälle an, doch nur 10,6 Prozent werden recycelt – Projekte wie das MONACO könnten Vorbild für ressourcenschonendes Bauen sein.
Übrigens: Nicht nur Müll in der Architektur wird clever wiederverwertet – auch Atommüll könnte bald eine neue Rolle als Energiequelle spielen. Forscher der Ohio State University haben eine Batterie entwickelt, die aus radioaktiver Gammastrahlung Strom erzeugt – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © MVRDV