Klebeband statt Sandsäcke – Einfacher Trick hält 98 Prozent des Hochwassers ab

Bei 60 Zentimetern Hochwasser können fast 10.000 Liter pro Stunde durch eine Haustür dringen. Einfaches Klebeband bremst die Flut.

Sandsäcke gelten als bewährter Hochwasserschutz. Doch Klebeband hielt in Laborversuchen deutlich mehr Wasser von Haustüren fern. © Wes Warren / Unsplash

Sandsäcke gelten als bewährter Hochwasserschutz. Doch Klebeband hielt in Laborversuchen deutlich mehr Wasser von Haustüren fern. © Wes Warren / Unsplash

Bei Hochwasser sollen Sandsäcke verhindern, dass Wasser in Häuser eindringt. Doch ausgerechnet ein breiter Streifen Klebeband kann eine Haustür besser schützen als ein ganzer Stapel der traditionellen Hochwasserbarrieren. In Laborversuchen verringerte hochwertiges Gewebeklebeband den Wassereintritt um 97 bis 98 Prozent. Herkömmliche Sandsäcke hielten dagegen höchstens 70 Prozent zurück. Der Grund ist verblüffend einfach: Wasser braucht keine große Öffnung, um ins Haus zu gelangen. Schon schmale Fugen zwischen Tür und Rahmen reichen aus. Werden sie sorgfältig abgedichtet, lässt sich der Wassereintritt erheblich verringern.

Wissenschaftler der britischen University of Hull untersuchten dafür sechs verschiedene Haustürtypen bei Wasserständen bis 60 Zentimeter. Sie verglichen vier Klebebandarten mit herkömmlichen Sandsäcken, wasseraktivierten Sandsäcken und mobilen Hochwassersperren. Noch wirksamer als hochwertiges Gewebeklebeband war ein spezielles Dichtband aus synthetischem Kautschuk, sogenanntes Butylband. Es verringerte den Wassereintritt durchschnittlich um rund 99 Prozent.

Hochwasserschutz mit Klebeband funktioniert erstaunlich gut

Bei einem Wasserstand zwischen 30 und 60 Zentimetern drangen durch ungeschützte Türen durchschnittlich 3.052 Liter Wasser pro Stunde und Meter Türbreite. Mit hochwertigem Gewebeklebeband waren es nur noch 89 Liter, mit Butylband sogar lediglich 28 Liter. Herkömmliche Sandsäcke ließen dagegen noch 1.037 Liter durch.

Besonders praktisch erwies sich das hochwertige Gewebeklebeband. Die Wissenschaftler verwendeten ein 73 Millimeter breites Band, das sich auch an unregelmäßige Türrahmen anpassen ließ. Ein Meter kostete nach britischen Verkaufspreisen umgerechnet etwa 60 Cent bis 1,20 Euro. Das leistungsstärkere Butylband war deutlich teurer.

Schon 60 Zentimeter Hochwasser lassen Tausende Liter eindringen

Bei einem Wasserstand von 60 Zentimetern drangen durch einzelne ungeschützte Haustüren fast 10.000 Liter Wasser pro Stunde und Meter Türbreite ins Haus. Für ein Haus mit 100 Quadratmetern Grundfläche würde das bedeuten: Innerhalb einer Stunde könnte das Wasser im gesamten Erdgeschoss rund elf Zentimeter hoch stehen.

Für die Versuche stieg der Wasserstand in Fünf-Zentimeter-Schritten bis auf 60 Zentimeter. Auf jeder Stufe blieb er 20 Minuten konstant. Danach senkten die Wissenschaftler den Pegel auf 30 Zentimeter und hielten ihn mindestens zwölf Stunden lang. Unter den sechs getesteten Türen befanden sich Modelle aus Holz, Kunststoff und Verbundwerkstoffen sowie eine Brandschutztür.

Herkömmliche Sandsäcke lassen überraschend viel Wasser durch

Für den Schutz einer einzigen Tür benötigten zwei Personen rund 54 Sandsäcke und 20 bis 30 Minuten Arbeitszeit. Die schweren Säcke mussten sorgfältig aufeinandergeschichtet werden. Trotzdem sickerte zwischen ihnen weiterhin Wasser hindurch. Nach einer Überschwemmung kommt ein weiteres Problem hinzu: Verunreinigte Sandsäcke lassen sich nur aufwendig entsorgen.

Wesentlich besser schnitten moderne Sandsäcke ohne Sandfüllung ab. Ihr saugfähiges Material quillt bei Kontakt mit Wasser auf und verschließt dadurch Zwischenräume. Sie reduzierten den Wassereintritt um 98 bis 99 Prozent. Allerdings mussten die Säcke vor dem Einsatz mit Wasser aktiviert werden. Anschließend wog jeder etwa 20 Kilogramm. Zudem kosteten sie deutlich mehr als herkömmliche Sandsäcke.

Außen angebrachtes Klebeband hält dem Wasserdruck besser stand

Auch die Seite der Tür machte einen erheblichen Unterschied. Bei einer von innen abgeklebten Kunststofftür stieg der Wassereintritt während des zwölfstündigen Versuchs von 565 auf 1.955 Liter pro Stunde und Meter Türbreite. Das Wasser drückte gegen die Klebestreifen und konnte die Verbindung allmählich lösen. Außen angebrachtes Klebeband hielt wesentlich besser.

Für eine möglichst wirksame Abdichtung nennen die Wissenschaftler mehrere Voraussetzungen:

  • Oberflächen vorbereiten: Tür, Rahmen und angrenzende Flächen müssen sauber und trocken sein.
  • Fugen außen verschließen: Breites, wasserbeständiges Klebeband soll die Übergänge zwischen Türblatt und Rahmen abdecken.
  • Schwachstellen berücksichtigen: Besonders Türschwellen, Scharniere, Ecken und Übergänge zum Mauerwerk benötigen eine sorgfältige Abdichtung.
  • Klebestreifen fest andrücken: Überlappende Bahnen verhindern offene Stellen. Falten und Luftblasen können die Abdichtung beeinträchtigen.

Nach außen öffnende Türen lassen deutlich weniger Wasser durch

Neben der Abdichtung beeinflusste auch die Konstruktion der Haustür den Wassereintritt. Nach außen öffnende Modelle ließen durchschnittlich 74 Prozent weniger Wasser durch als nach innen öffnende Türen. Der Wasserdruck presste sie stärker gegen ihre Dichtungen. Allerdings gehörten nur zwei der sechs getesteten Türen zu dieser Bauart. Auch Material, Zustand und Einbauqualität beeinflussen die Dichtigkeit.

Eine der drei getesteten mobilen Hochwassersperren verhinderte den messbaren Wassereintritt sogar vollständig. Sie benötigte allerdings einen passenden, zurückgesetzten Türrahmen. Die mobilen Sperren kosteten nach britischen Verkaufspreisen zwischen umgerechnet rund 470 und 820 Euro. Bei anderen Modellen gelangte weiterhin Wasser durch die Abdichtung. Eine Sperre versagte im Versuch.

Auf nassen und verschmutzten Türen kann Klebeband versagen

Die guten Ergebnisse entstanden unter kontrollierten Laborbedingungen. Sämtliche Oberflächen waren vor dem Anbringen sauber und trocken. Auf Silikonfugen und ähnlichen Dichtstoffen hafteten die meisten Klebebänder schlecht. Auch Scharniere, unebene Türschwellen und komplizierte Rahmen erschwerten eine durchgehende Abdichtung.

Bei höheren Wasserständen und länger anhaltendem Hochwasser kann die Klebewirkung nachlassen. Zudem bleibt das Haus über andere Öffnungen gefährdet. Durch Lüftungsschächte, Kellerfenster, Abflüsse oder undichte Wände kann weiterhin Wasser eindringen. Klebeband eignet sich deshalb als zusätzliche Schutzmaßnahme bei niedrigem Hochwasser, nicht als Ersatz für professionelle Hochwassersicherungen. Eine abgeklebte Haustür darf außerdem keinen notwendigen Fluchtweg versperren.

Kurz zusammengefasst:

  • Klebeband schützt besser als Sandsäcke: Hochwertiges Gewebeklebeband verringerte den Wassereintritt durch Haustüren im Labor um 97 bis 98 Prozent, herkömmliche Sandsäcke um höchstens 70 Prozent.
  • Schon wenig Hochwasser kann große Schäden verursachen: Bei 60 Zentimetern Wasserstand drangen durch einzelne ungeschützte Türen fast 10.000 Liter pro Stunde und Meter Türbreite.
  • Die richtige Abdichtung entscheidet: Klebeband muss vor dem Hochwasser außen auf saubere, trockene Türrahmen und Fugen geklebt werden, ersetzt aber keinen professionellen Hochwasserschutz.

Übrigens: Während Klebeband das Eindringen von Hochwasser begrenzen kann, soll eine neue KI gefährliche Überschwemmungen schon Wochen im Voraus besser vorhersagen. Bei besonders schweren Hochwasserereignissen verbesserte sie die statistische Prognosequalität um bis zu 150 Prozent – mehr dazu in unserem Artikel über die neue KI-Wettervorhersage.

Bild: © Wes Warren / Unsplash

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