In China bauen Roboter jetzt Roboter – alle zehn Minuten soll ein Humanoider vom Band rollen

Humanoide Roboter in China sollen künftig im Zehn-Minuten-Takt entstehen – in Liuzhou helfen Roboter bereits beim Bau neuer Maschinen.

In China sollen humanoide Roboter künftig in deutlich größeren Stückzahlen produziert werden – erste Fabriken sind bereits auf Serienfertigung ausgelegt. (Symbolbild) © Vecteezy

In China sollen humanoide Roboter künftig in deutlich größeren Stückzahlen produziert werden – erste Fabriken sind bereits auf Serienfertigung ausgelegt. (Symbolbild) © Vecteezy

Humanoide Roboter sollen in China nicht mehr nur in kleinen Stückzahlen entstehen. Der Hersteller UBTECH hat in Liuzhou eine Fabrik eröffnet, die auf mehr als 10.000 Maschinen pro Jahr ausgelegt ist. Nach Angaben des Branchenportals Humanoids Daily soll die Fertigung im Idealfall alle zehn Minuten einen Roboter hervorbringen.

Noch bemerkenswerter ist, wer dabei mithilft: Roboter transportieren Bauteile, bringen Bauteile zu den Arbeitsstationen und versorgen die Montagelinie. Damit erreicht die Produktion humanoider Roboter in China eine Größenordnung, die bisher eher aus der Autoindustrie bekannt ist. Die neue Anlage umfasst rund 14.000 Quadratmeter und produziert sowohl zweibeinige Modelle als auch Roboter auf Rädern.

Humanoide Roboter in China kommen nun aus einer Großfabrik

UBTECH verzichtet in Liuzhou auf ein klassisches starres Fließband. Stattdessen können unterschiedliche Robotermodelle auf derselben Linie montiert werden. Dazu gehören die zweibeinigen Walker-S-Modelle sowie die auf Rädern fahrenden Cruzr S2 und Cruzr Y1. Für den Hersteller hat das einen praktischen Vorteil: Die Produktion lässt sich schneller an unterschiedliche Modelle und Produktionsmengen anpassen.

Einen Teil der internen Logistik übernehmen bereits Roboter. Cruzr-Roboter greifen Kisten, holen Bauteile aus Behältern und bringen Material zu den Montagestationen. Dabei nutzen sie 3D-Kamerasysteme, um auch verschobene Kisten oder unterschiedlich ausgerichtete Paletten zu erkennen. Ergänzt werden sie durch fahrerlose Transportfahrzeuge, autonome Gabelstapler und weitere Transportroboter.

Mehr als 2.000 Schrauben stecken in einem Humanoiden

Vollständig automatisiert ist die Fertigung trotzdem nicht. Schon der mechanische Aufbau eines humanoiden Roboters bleibt anspruchsvoll. Nach Angaben des Branchenportals kommen pro Maschine mehr als 2.000 Schrauben in über 50 unterschiedlichen Ausführungen zum Einsatz. Digitale Schraubstationen überwachen deshalb unter anderem Drehmoment und Einschraubtiefe. So lässt sich später nachvollziehen, ob eine Verbindung korrekt montiert wurde.

Jeder Roboter erhält zudem eine eigene Seriennummer. Bauteile, Produktionsschritte und Qualitätsprüfungen lassen sich dadurch einer bestimmten Maschine zuordnen. Nach der Montage folgen mehr als vier Stunden Belastungstests. Dabei prüfen die Techniker unter anderem die Gelenkantriebe, das Gleichgewicht beim Gehen und die Stabilität unter Last. Anschließend laufen die Roboter durch einen hell ausgeleuchteten Prüftunnel, in dem Oberflächen, Abdeckungen und Spaltmaße kontrolliert werden.

Ein digitaler Zwilling prüfte den Zehn-Minuten-Takt

Noch bevor die Fabrik gebaut wurde, entstand gemeinsam mit Siemens Digital Industries Software eine virtuelle Kopie der Anlage. Dieser sogenannte digitale Zwilling simulierte Transportwege, mögliche Staus und die Rückführung leerer Behälter. Auch die Zahl der benötigten fahrerlosen Fahrzeuge ließ sich damit berechnen. UBTECH wollte so prüfen, ob der geplante Zehn-Minuten-Takt ohne größere Engpässe erreichbar ist.

Die hohe Produktionsmenge soll außerdem die Kosten senken. UBTECH rechnet mit jährlichen Kostensenkungen von 20 bis 30 Prozent. Bis 2030 sollen die Herstellungskosten eines Humanoiden unter 20.000 US-Dollar fallen, derzeit rund 17.000 Euro. Mehr als 90 Prozent der Lieferkette liegen nach Unternehmensangaben bereits in China. Hinzu kommt die Nähe zu Autoherstellern wie SAIC-GM-Wuling und Dongfeng Liuzhou Motor, bei denen Walker-Roboter bereits getestet wurden.

Humanoide Roboter aus China brauchen nun genügend Arbeit

Die Fabrik schafft jedoch zunächst Produktionskapazität. Ob sie ausgelastet wird, hängt von der Nachfrage ab. UBTECH lieferte im ersten Halbjahr 2026 921 große zweibeinige Roboter aus. Der Umsatz mit großen humanoiden Robotern lag 1.445 Prozent über dem Vorjahreswert. Mehr als 96 Prozent dieses Umsatzes stammten von Industriekunden.

Je mehr Roboter UBTECH bauen kann, desto lauter wird eine andere Frage: Wo können Tausende dieser Maschinen tatsächlich sinnvoll arbeiten? Unternehmen müssen die Roboter in bestehende Produktionslinien integrieren, passende Aufgaben definieren und ihre Zuverlässigkeit prüfen. Auch die Software bleibt eine Hürde: Ein Humanoider kann festgelegte Tätigkeiten beherrschen, ohne deshalb flexibel auf jede neue Situation reagieren zu können. Ob die neue Fabrik tatsächlich ausgelastet wird, dürfte deshalb vor allem davon abhängen, wie schnell sich verlässliche Einsatzfelder im industriellen Alltag finden.

Kurz zusammengefasst:

  • UBTECH hat in Liuzhou eine Fabrik eröffnet, die auf mehr als 10.000 Roboter pro Jahr und eine theoretische Taktzeit von zehn Minuten ausgelegt ist.
  • Roboter übernehmen dort bereits Materialtransport und Teile der Logistik; Montage und Qualitätskontrolle bleiben teilweise in menschlicher Hand.
  • Die nächste Herausforderung liegt bei den Einsatzmöglichkeiten: Für eine dauerhafte Massenproduktion müssen Unternehmen Tausende Humanoide wirtschaftlich beschäftigen können.

Übrigens: Während UBTECH in China humanoide Roboter bereits in großer Stückzahl bauen will, arbeitet in München mit Agile One ein Modell an der Fabrikarbeit von morgen. Der Roboter soll direkt neben Menschen arbeiten, Werkzeuge führen und Bauteile bewegen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Vecteezy

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